Meine Top15 der im Jahr ’15 gesehenen Kinofilme

2. Januar 2016 § Ein Kommentar

Nun wird es ein wenig exzessiv. Da ich mir dieses Jahr die Kinokarten aufgehoben habe, konnte ich den Wahnsinn nun genau mitzählen. Und ich habe dabei festgestellt, dass ich 2015 nicht weniger als 81 Mal im Kino war und dabei 79 Filme gesehen habe, davon 74 für mich neue. (Die fünf, die ich schon kannte, waren „Blade Runner“ und „Spaceballs“ im Rahmen des 80er-Jahre-Kultfilm-Specials im Gartenbaukino, „Bambi“ in der Retrospektive der Viennale, „Love Actually“ als Vorweihnachtsfilm und ein Special zu „Das letzte Einhorn“.) Die Viennale hat dabei dieses Jahr ordentlich reingehaut, und ich muss erst mal in mich gehen, ob ich diesen Wahnsinn nächstes Jahr fortsetzen kann und will. Aber 27 Filme in 4Wochen, davon 21 innerhalb im Kernzeitraum von nur 2 Wochen sind schon Hardcore.

Wie ist es nun um das Kino 2015 bestellt? Was auffällt, sind viele gute deutsche und deutschsprachige Produktionen. „Victoria“ von Sebastian Schipper zum Beispiel ist auf vielen Jahresbestenlisten zu Recht vertreten. Bei mir hat’s knapp nicht für die Top15 gereicht, da ich das Ende dann etwas vorhersehbar und zu lang geraten fand, aber trotzdem war „Victoria“ insgesamt ein verdammt interessanter, innovativer und sehenswerter Film. Auch „Elser – Er hätte die Welt verändert“ hat mich positiv überrascht. Dazu kommt noch „Der Nachtmahr“ von AKIZ, aber davon später. Interessant ist, dass ich von 4 österreichischen Produktionen, die ich gesehen habe, gleich 3 mit der Bewertung 6,0 (von 10) versehen habe: „Superwelt“ von Karl Markovics, die Dokumentation „Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang“ und die Komödie „Der Vampir auf der Couch“. Allesamt grundsolide, auf ihre Art und Weise unterhaltsame Produktionen, die keinen Vergleich mit dem internationalen Film fürchten müssen. Überhaupt schwimmt der österreichische Film seit etwa 1,5 Jahrzehnten auf einer sehr hohen Welle und bringt uns Jahr für Jahr tolle neue Produktionen. Schade, dass der heimische Film immer noch von vielen Kinozusehern vernachlässigt wird, wenn’s nicht gerade der neue Brenner-Film ist (auch dazu später mehr).

Nun zur Mutter aller Hypes: Der neue „Star Wars“. Gleich vorweg: Für die Top15 hat’s ums A…lecken nicht gereicht, weil es einfach viel zu viele tolle Filme gab und „Star Wars Episode VII“ verdammt viel, aber nicht alles richtig macht, aber verstecken muss sich der Neustart unter der Regie von J.J. Abrams definitiv nicht. Ich war 2,5 Stunden lang ein glücklicher Bastard.

Meine Enttäuschungen des Jahres (auch gemessen an den hohen Erwartungshaltungen): „American Sniper“ von Clint Eastwood (eigentlich einer meiner Lieblingsregisseure, aber da hat er einen patriotischen Schrott zum Davonlaufen abgeliefert, ist zurecht unter meinen Top5 der schlechtesten Filme 2015), „Jurassic World“ von Colin Trevorrow (hat immerhin noch ein bisschen Nostalgie-Charme versprüht), „Spotlight“ von Tom McCarthy (wie gern hätte ich diesen Film gemocht, aber ich fand ihn leider ziemlich steril), „Irrational Man“ (leider der bisher schlechteste Filme, die ich von Woody Allen gesehen habe – ich mag seine Filme normalerweise sehr gern) und (ja, ich höre euren Aufschrei) „Mad Max: Fury Road“ von George Miller, der ja vielerorts als Film des Jahres gefeiert wird. Nicht falsch verstehen, der Film war schon gut gemacht und hat seine Stärken (die Schauwerte, die starke Frauenfigur), aber ganz ehrlich: Inhalt war nur in homöopathischen Dosen vorhanden und mir ist dieser Gitarrenspieler auf dem Kühler nur auf die Nerven gegangen.

Aber es gab ja auch einige positive Überraschungen, mit denen ich im Vorfeld nicht gerechnet hätte: „Kingsman – The Secret Service“ (gut, ich mochte bisher alles von Matthew Vaughn, aber das hätte ich dann doch nicht erwartet), „Steve Jobs“ von Danny Boyle (auch so ein Fall: ich mag Danny Boyle-Filme irrsinnig gern, aber ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Steve Jobs-Biopic interessiert) und „Ant-Man“ von Peyton Reed, an den ich überhaupt keine großen Erwartungen gehabt hätte, aber ich bekam dann extrem gut gemachtes, witziges Popcorn-Kino mit denkwürdigen Gags.

Nun aber genug geschwafelt. Hier sind nun meine Top15 des Jahres 2015:

1. Whiplash
Damien Chazelle, 2014
Bewertung: 9,5 von 10

Whiplash ist furios, eine Fiebertour getränkt mit Schweiß, Blut und Tränen. Damien Chazelle hat einen unglaublich kompakten, exzellent gespielten Film gedreht, der jede Sekunde zu pulsieren scheint. Ich weiß, dass die Meinungen über den Film auseinandergehen – man scheint ihn zu lieben oder zu hassen. Ich liebe ihn. Und zur oft geäußerten Kritik der Verherrlichung von Aufopferungsbereitschaft und der Sucht nach Erfolg: Ich sehe hier nur ein Psychoduell zweier gleichermaßen Besessener und Getriebener. Wenn man sich das vor Augen hält, wird auch klar, dass der Film keine Vorbildwirkung ausüben möchte und die in diese Richtung gehende Kritik ins Leere geht.

2. The Lobster
Giorgios Lanthimos, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

Über diesen Film habe ich auf Facebook schon im Rahmen meiner Viennale-Kurzreviews geschrieben. Ich kenne derzeit keinen interessanteren Regisseur als Giorgios Lanthimos. Seine Filme sind verstörende Meisterwerke, die das Alltägliche ins Absurde verkehren und den Kinobesuchern in die Magengrube fahren. So ist es auch mit seinem ersten englischsprachigen Film „The Lobster“ mit einem grandiosen Colin Farrell in der Hauptrolle auf der Suche nach einer Beziehung, ehe er in einen Hummer verwandelt wird. Definitiv ein Allzeit-Favorit mit dem Potential, bei neuerlicher Sichtung noch weiter nach oben zu wandern.

3. Inside Out
Peter Docter, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

„Inside Out“ (auf Deutsch: „Alles steht Kopf“) ist vielleicht der beste Animationsfilm der letzten fünf bis zehn Jahre, ein psychologisch interessantes und wunderbar warmherziges Abenteuer, an dem sich zwar Kinder erfreuen können, Erwachsene aber noch viel mehr. Die Darstellung der verschiedenen Emotionen, die miteinander und manchmal auch gegeneinander im Kopf der jungen Riley für allerlei Verwirrung sorgen, ist einfach eine geniale Idee, die voll aufgeht.

4. Ex Machina
Alex Garland, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

Knapp nicht aufs Stockerl geschafft, hat es „Ex Machina“, das intelligente SciFi-Kammerspiel von Alex Garland mit Domhnall Gleeson, Alicia Vikander und dem überragenden Oscar Isaac in den Hauptrollen. Es geht um die Frage, was uns zu Menschen macht, wo das Künstliche ins Menschliche übergeht oder ob es zwangsläufig bloß eine Imitation des Menschlichen bleibt, und es geht um Vertrauen. Großartig!

5. Birdman or The Unexpected Virtue of Ignorance
Alejandro González Iñárritu, 2014
Bewertung: 9,0 von 10

Der Oscar-Gewinner 2015 war auch eines meiner Highlights in diesem Jahr – was das Mitfiebern bei der Verleihung besonders prickelnd gemacht hat. „Birdman“ ist wunderbar abgedrehtes, grandios gespieltes, surrealistisches Kino. Dazu ist er technisch interessant und originell gemacht.

6. Der Nachtmahr
Achim Bornhak (AKIZ), 2015
Bewertung: 8,5 von 10

Noch ein Viennale-Highlight. Der kleine Independent-Film von AKIZ ist eine Mischung aus Coming of Age-Drama, Horror, Fantasy und das Ganze untermalt mit pulsierendem, lautem Techno. Wie ich es in meiner Viennale-Kurzreview ausgedrückt habe: Ein Film, der zwischen den Stühlen sitzt, aber dem es dort sehr gut geht.

7. Grizzly Man
Werner Herzog, 2005
Bewertung: 8,5 von 10

„Grizzly Man“, die Dokumentation von Werner Herzog über den Tierschutzaktivisten Timothy Treadwell und seinen allmählichen Realitätsverlust, habe ich im Rahmen der Retrospektive der Viennale gesehen. Der Film hat mich bis heute nicht losgelassen. Ein meisterhaft inszeniertes Psychogramm eines Menschen, der der Welt entgleitet. Auch wenn man das Ende kennt (zum Einen ist es ohnehin bekannt aus diversen Berichten über die damaligen Vorfälle, zum Anderen enthüllt Herzog selbst sehr rasch das Schicksal von Treadwell), sitzt man dennoch gebannt und fassungslos vor der Leinwand und wird mitgerissen vom tragischen Verlauf der Ereignisse.

8. Das ewige Leben
Wolfgang Murnberger, 2015
Bewertung; 8,5 von 10

Die neueste Verfilmung eines Brenner-Romans von Wolf Haas unter der Regie von Wolfgang Murnberger schließt an die herausragende Qualität seines Vorgehers „Der Knochenmann“ an. „Das ewige Leben“ ist wieder ein Meisterstück des skurril-lakonischen Humors. Josef Hader zeigt in seiner Paraderolle als Simon Brenner nichts Neues, aber das ist manchmal auch gut so. Zudem bietet „Das ewige Leben“ die wohl beste Verfolgungsjagd in der jüngeren Filmgeschichte.

9. A Girl Walks Home Alone at Night
Ana Lily Amirpour, 2014
Bewertung: 8,5 von 10

Ein iranischer Coming of Age-Vampirfilm in Schwarz-Weiß: „Du hattest mich nach dem Hallo“. Der Film ist atemberaubend ästhetisch, der Soundtrack ist schlicht großartig („Death“ von den White Lies hat niemals besser wo reingepasst als hier) und die Geschichte wundervoll melancholisch. Außerdem gibt es eine richtig gut schauspielende Katze. Ehrlich, Leute, braucht ihr noch mehr Argumente, um diesen Film anzusehen?

10. Anomalisa
Duke Johnson und Charlie Kaufman, 2015
Bewertung: 8,5 von 10

„Anomalisa“ unter der Co-Regie von Charlie Kaufman ist ein Animationsfilm für Erwachsene. Nein, er ist der Animationsfilm für Erwachsene. Die todtraurige Geschichte erzählt auf eine sehr originelle Weise von Depressionen und der Melancholie des Alltags. Charlie Kaufman ist ein Genie. Ich wusste das vorher bereits, aber mit diesem Film hat er sein Ausnahmetalent erneut bestätigt.

11. Leviathan
Andrey Zvyagintsev, 2014
Bewertung: 8,5 von 10

Der russische, Oscar-nominierte Film „Leviathan“ ist ein sehr stiller, langsamer Film mit eindrucksvollen Bildern einer kargen Landschaft, die so karg ist wie die Seele selbst. Die moderne Adaption des Buches Hiob wirft ein düsteres Bild auf staatliche Willkür und Korruption. Man muss sich auf das langsame Erzähltempo einlassen können, aber dann entfaltet der Film eine große emotionale Wucht.

12. Kingsman – The Secret Service
Matthew Vaughn, 2014
Bewertung: 8,0 von 10

Ich liebe diesen glücklichen blöden Film sehr. Er ist brachial, unangepasst, extrem witzig und voller blutiger Gewalt, bei der wohl selbst Quentin Tarantino beim Ansehen erstaunt eine Augenbraue hochgezogen hat. Und Colin Firth zeigt, dass er wirklich alles kann – auch einfach mal die Sau rauslassen.

13. Youth
Paolo Sorrentino, 2015
Bewertung: 8,0 von 10

„Youth“ (auf Deutsch: „Ewige Jugend“) kommt zwar nicht ganz an Sorrentinos Meisterwerk „La Grande Bellezza“ heran, aber dennoch ist der Film wieder ein kleines Juwel. Allein die Besetzung lässt jeden Filmfan mit der Zunge schnalzen: Michael Caine, Harvey Keitel, Paul Dano, Rachel Weisz, Jane Fonda – viel mehr an schauspielerischer Grandezza geht nicht. Dazu ist der Film – wie man von Sorrentino erwarten darf – wunderschön gefilmt mit grandiosen, eindrucksvollen Bildern. Und über all dem liegt die Melancholie, die das Altern und der Tod mit sich bringt.

14. Inherent Vice
Paul Thomas Anderson, 2014
Bewertung: 8,0 von 10

Gut, das war aufgelegt. Einer meiner Lieblingsregisseure (Paul Thomas Anderson) verfilmt mit einem meiner Lieblingsschauspieler in der Hauptrolle (Joaquin Phoenix) den zugänglichsten und witzigsten Roman eines meiner Lieblingsautoren (Thomas Pynchon). Dass der Film dennoch nicht bei mir durch die Decke ging, sondern „nur“ auf Platz 14 landet, ist der Tatsache geschuldet, dass Film und Buch halt doch zwei verschiedene Medien sind und es oft schwer ist, die besondere Magie eines Buchs auf eine Filmleinwand zu bannen. Dennoch ist „Inherent Vice“ ein saukomischer, exzellent gespielter und wunderbar schräger Film.

15. Me and Earl and the Dying Girl
Alfonso Gomez-Rejon, 2015
Bewertung: 8,0 von 10

Ein Film über das langsame Sterben eines jungen Mädchens an Leukämie. Witzig, nicht wahr? Und ja, tatsächlich ist der Film überraschend witzig, extrem lebensbejahend und positiv, aber nicht auf eine dümmliche Durchhalteparole-Art, sondern dabei immer sehr warmherzig. Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig und die Grundstimmung bleibt trotz der heiteren Töne melancholisch. Ein bitterzarter Film mit vielen guten Einfällen und denkwürdigen Momenten, die im Herzen verankert bleiben.

Advertisements

Großartige Buchtitel

7. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Manche Buchtitel klingen einfach im Ohr, wecken die Neugier des Lesers oder bringen ihn auch zum Schmunzeln. Und die besten dieser Titel bleiben im Gedächtnis, von wo aus sie immer wieder mal auftauchen wie alte Bekannte hinter einer Straßenecke. Einige davon habe ich hier in beliebiger Reihung zusammengesammelt, Titel, die ich großartig finde – ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich (und wer möchte, kann diese Liste gern mit weiteren großartigen Titeln im Kommentar ergänzen). Ich habe nicht alle dieser Bücher gelesen, und manche davon werde ich wohl auch nie lesen, aber dennoch haben sich diese Titel eingebrannt. Im Übrigen werde ich gegebenenfalls diese Liste immer wieder mal selbst erweitern, wenn mir großartige Buchtitel unterkommen.

Die Welt ist groß und Rettung lauert überall (Ilija Trojanow)
Vielleicht mein Lieblingstitel. Die Genialität dieses Titels liegt im Verb „lauern“. Ein einfaches Wort, und solch eine Wirkung!

Das Schicksal ist ein mieser Verräter (John Green)
Noch so ein Husarenstreich. Ich weiß nun nicht, ob die Zeile – wie auch der Originaltitel „The Fault in our Stars“ – aus Shakespeares „Julius Cäsar“ stammt, aber es ist mir auch egal. Der Titel klingt einfach fantastisch.

Die Schrecken des Eises und der Finsternis (Christoph Ransmayr)
Kälter kann ein Buch nicht sein, und kälter kann auch kein Titel sein. Wer zu diesem Titel greift, weiß, worauf er sich einlässt.

Die Liebe in den Zeiten der Cholera (Gabriel García Márquez)
Welch wunderschöner, poetischer Titel. Liebe und Cholera in einem Atemzug zu verbinden, das kann auch fürchterlich schief gehen.

Im Schatten junger Mädchenblüte (Marcel Proust)
Noch so ein poetischer Titel, der zweite Band von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. (Dieser Titel hätte sich ebenfalls eine eigene Erwähnung verdient.) Ein Spätsommertitel, finde ich, einer, der zum Träumen einlädt.

Carl Haffners Liebe zum Unentschieden (Thomas Glavinic)
Ein Unentschieden ist für gewöhnlich ein Resultat im Sport, das keinen der beiden Kontrahenten glücklich macht. Diesen Umstand hat sich Glavinic zunutze gemacht und durch die Liebe zum Unentschieden auf die Hauptfigur Carl Haffner neugierig gemacht. Das Buch beruht übrigens auf dem Schach-Großmeister Karl Schlechter, der beinahe den großen Emanuel Lasker im Weltmeisterschaftskampf bezwungen hätte. Eine großartige und sehr berührende Charakterstudie.

Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Ray Bradbury)
Ich weiß gar nicht, ob mir die deutsche Übersetzung oder das englische Original „Something Wicked This Way Comes“ besser gefällt. Beide sind gleichermaßen elegant wie unheimlich.

Hungrig bin ich, will deinen Mund (Pablo Neruda)
Dieser Titel steht über einer Sammlung von Liebesgedichten, die Neruda seiner geliebten Matilde Urrutia gewidmet hat. Die Zeile stammt aus einem seiner Gedichte, und nirgends habe ich je die Liebe als hungrige Sehnsucht treffender beschrieben gefunden.

Das Herz ist ein einsamer Jäger (Carson McCullers)
Was will man mehr dazu sagen? Das klingt, das hat Drive, das macht neugierig!

Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah (Haruki Murakami)
Viel sperriger kann ein Titel kaum sein, aber trotzdem bleibt er hängen. Als Leser bin ich einfach neugierig auf das 100%ige Mädchen, und ich glaube, es ist diese Prozentangabe, die den Titel erst so richtig gut macht. Bei „Wie ich eines schönen Morgens im April das ideale Mädchen sah“ hätte einfach etwas gefehlt.

Mein Name sei Gantenbein (Max Frisch)
Gut, Gantenbein an sich ist schon ein ungewöhnlicher Name, der haften bleibt. Aber es ist das Wörtchen „sei“, das hier alles definiert und den Titel (wie auch das Buch) so unglaublich interessant macht. Wer ist dieser Gantenbein nun wirklich? Das ist die Frage, die unweigerlich beim Lesen dieses Titels auftaucht.

Wem die Stunde schlägt (Ernest Hemingway)
Ein Klassiker, sowohl der Titel als auch das Buch selbst natürlich. Der Titel ist karg und präzise wie Hemingways Prosa selbst.

Die Legende vom heiligen Trinker (Joseph Roth)
Bei Büchern, die Legenden im Titel haben, bin ich normalerweise eher skeptisch, aber in Kombination mit dem heiligen Trinker ist nur zu applaudieren.

Der Tod kommt schnell in Mexiko (Ray Bradbury)
Noch ein Bradbury-Titel. Im Grunde ist hier nichts Aufregendes zu entdecken, aber wenn man die Augen schließt, hört man den Wind durch die karge Steppe pfeifen und spürt die alles versengende Sonne auf der Haut.

Wunschloses Unglück (Peter Handke)
Ein wirklich gelungenes Sprachspiel mit Tiefgang. Mehr ist dazu nicht zu sagen, der Titel spricht für sich.

Der Fänger im Roggen (J.D. Salinger)
Dieser Titel macht neugierig. Welcher Fänger? Warum der Roggen? Ein kleiner Titel mit großer Wirkung.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (Milan Kundera)
Das zentrale Element dieses Titels ist das Wort „unerträglich“. Ich könnte mir vorstellen, dass der Titel mittlerweile öfter gebraucht wird als die simple Redewendung von der Leichtigkeit des Seins. Seit Kundera wissen wir: Diese Leichtigkeit muss unerträglich sein.

Des Mauren letzter Seufzer (Salman Rushdie)
Nichts fürs Lipselnde, aber trotzdem ein ganz großer, sprachgewaltiger Titel. Die ganze Tragik und Dramatik von Rushdies Geschichte wird hier schon umrissen. Wunderbar!

Die satanischen Verse (Salman Rushdie)
Das berühmte Buch, aufgrund dessen die Fatwa mit dem Todesurteil über Rushdie ausgesprochen wurde. Aber auch ohne diesem Hintergrund würde der Titel heute noch jedem Leser im Ohr klingen, weil er einfach gut ist.

Der Gott der kleinen Dinge (Arundhati Roy)
Es tut gut zu wissen, dass es nicht nur diesen weißbärtigen, oftmals milde gestimmten, manchmal auch griesgrämigen Herrn im weißen Leintuch gibt, sondern auch einen Gott für die kleinen Dinge des Lebens, die so unendlich viel Bedeutung bekommen können. Ein interessanter Titel, der Lust auf das Buch macht.

Hundert Jahre Einsamkeit (Gabriel García Márquez)
Gabriel García Márquez zum Zweiten. Der Titel ist nicht ganz so genial wie „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“, finde ich, aber trotzdem höchst gelungen.

Kafka am Strand (Haruki Murakami)
Noch ein Murakami. Ein vordergründig eher unscheinbarer Titel, aber die Kombination von Kafka, diesem verschlossenen, unsicheren, aber so genialen Schriftsteller, mit dem Strand, der eher für gute Laune, Erholung und Spiel steht, macht den Titel richtig interessant.

Idylle mit ertrinkendem Hund (Michael Köhlmeier)
Welch krasser Gegensatz zwischen der Idylle und dem Sterben! Und selten hat ein zunächst absurd wirkender Titel so perfekt auf den Inhalt gepasst wie hier.

Herr der Fliegen (William Golding)
Dieses Buch ist so berühmt, dass wohl kaum jemand mehr über den Titel selbst nachdenkt. Und dabei ist dieser an sich sehr tragikomisch. Der große Herr über die gemeinen Schmeißfliegen.

Gruber geht (Doris Knecht)
Gruber geht. Ja, aber wohin? Wer ist Gruber überhaupt? So ein Allerweltsname – wie kann es sein, dass der zum Romanhelden wird? Macht neugierig.

Wenn ein Reisender in einer Winternacht (Italo Calvino)
So unvollständig wie der Titel ist auch der gesamte Roman, diese absurd-geniale Verschachtelung von Romananfängen und Realitätsebenen. Eigentlich ist „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ein ziemlich banaler Beginn für einen Satz, aber die Unvollständigkeit macht ihn interessant.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum (Heinrich Böll)
Ich finde, dass Katharina Blum ein sehr schöner Name ist. Und es tut mir verflucht leid, dass sie ihre Ehre verloren hat. Wie es dazu gekommen ist? Ja, das will ich lesen.

Die Einsamkeit der Primzahlen (Paolo Giordano)
Es ist offensichtlich: Primzahlen sind einsam. Aber diesen Gedanken muss man erst einmal haben. Danke, Paolo Giordano, dass du das erkannt und so poetisch festgehalten hast.

Hier könnte ich zur Welt kommen (Marjorie Celona)
Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber allein der Titel macht mich neugierig darauf. Ein gewitzter Titel.

Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Umberto Eco)
Loana ist ein sehr unüblicher Name, der allein schon nach Geheimnis klingt. Und dann ist diese Loana auch noch Königin und es geht um eine Flamme, etwas sehr Vergängliches also, das alles klingt unheimlich spannend.

Die Stadt der Blinden (José Saramago)
Eine ganze Stadt voller Blinder: Das ist doch mal eine Ausgangsidee für einen Roman! Ein klarer Titel, der mit nichts kokettiert, und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb so gut im Ohr bleibt.

Die Entdeckung des Himmels (Harry Mulisch)
Der Witz dieses Titels liegt meiner Meinung nach in der Doppeldeutigkeit des Begriffs Himmel. Was meint der Autor / Übersetzer nun? Den meteorologischen Himmel mit all seinen Wolkenschichten und Winden? Oder den religiösen Himmel? Wer das Buch liest, wird es erfahren.

2666 (Roberto Bolano)
Zugegeben, ich bin ein großer Fan dieses Buchs. Aber ich hätte damals nicht zugegriffen, wenn mich nicht der Titel fasziniert hätte. Eine simple Zahl, die aussieht wie die Ahnung einer fernen Zukunft. Was steckt dahinter?

Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist (Selim Özdogan)
Als ich den Titel das erste Mal las, musste ich laut lachen. Dieser lakonische Witz ist einfach zu köstlich. Und auch wenn ich keine Ahnung habe, worum es in dem Buch geht, so muss ich das wohl irgendwann einmal lesen, keine Frage!

Alles ist erleuchtet (Jonathan Safran Foer)
Ich mag diese leise Poesie. Ich weiß nicht, ob ich das Buch mag / mögen werde, aber der Titel gefällt mir.

Rot ist mein Name (Orhan Pamuk)
Ich finde, dass der Titel ein wenig sperrig klingt. Aber dennoch macht er neugierig, vor allem aufgrund der interessanten Syntax, die die Betonung auf die Farbe (oder eben den Namen) Rot lenkt.

Ja (Thomas Bernhard)
Der kürzeste Titel auf der Liste beschließt diese auch. Zwei Buchstaben, die etwas Lebensfrohes, ein Gute-Laune-Buch vermuten lassen, und dann sieht man den Autor: Thomas Bernhard, den großartigen Grantler und Sezierer der österreichischen Seele. Es ist die Kombination von Titel und Autor, die fasziniert, und als Leser weiß man, dass man alles bekommen kann, nur nicht das Erwartete.

Zum Welttag des Buches

23. April 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute ist der Welttag des Buches. Nachdem ich meine erste Pflicht erfülle, nämlich allen hier laut zuzurufen: „Nehmt euch wieder mal ein Buch in die Hand, ihr Vielleser und Wenigleser, taucht ein in eine Geschichte, ob lang oder kurz, oder erfahrt mehr aus der Welt aus Sachbüchern und Fachliteratur – aber lest!“, möchte ich noch ein paar grundsätzliche Gedanken aufwerfen zu Büchern und dem Lesen an sich. Ich stelle einfach mal die provokante Frage in den Raum: Brauchen wir überhaupt noch weitere Bücher?

Jedes Jahr erscheint eine Unmenge neuer Bücher im Buchmarkt. Und in Zeiten der e-Books und des damit verbundenen einfachen Weges des Selfpublishing wird die Zahl mit Sicherheit nicht abnehmen. Vor Jahren habe ich einmal die Zahl der Neuveröffentlichungen im deutschsprachigen Buchmarkt innerhalb eines Jahres gefunden. Ich möchte mich nicht darauf festnageln lassen, aber wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, dann lag die Zahl irgendwo bei 80.000 herum. 80.000 Neuerscheinungen! Jedes Jahr! Wer soll das, bitteschön, überhaupt noch überblicken? Ist das nicht zu viel?

Meine Erfahrung ist: Je mehr man liest und je mehr man kennt, desto mehr kennt man nicht. Man entdeckt die Lücken. Selig sind da manchmal die Wenigleser, die alle paar Monate mal zu einem Buch greifen und sich dann an der Bestsellerliste orientieren (können). Wer differenzierter vorgehen will und nach seinem persönlichen Gusto auswählt, hat oft die Qual der Wahl. Zu viel Interessantes liegt dann auf den Stapeln, noch viel mehr Interessantes, ganze Welten tun sich in den Regalen auf, unscheinbare kleine Bändchen, lieblos hineingestopft zwischen Brown und Coelho. Das will alles entdeckt werden. Das will alles gelesen werden. So viele Bücher, so wenig Zeit!

Insofern erscheint die Eingangsfrage durchaus berechtigt zu sein. Sind das nicht zu viele Bücher? Sind wir nicht völlig ausreichend damit beschäftigt, das zu lesen, was es schon gibt? Wozu dann jedes Jahr noch zigtausende neue Bücher herausbringen, wenn nur ein kleiner Promillesatz überhaupt die Aufmerksamkeit einer breiteren Masse erregt? Und warum zum Geier bin ich der Meinung, selbst noch von mir Geschriebenes zu dieser ganzen Flut beitragen zu müssen? Ist das nichts anderes als reine Ego-Pflege?

Nun, vielleicht ist es das. Andererseits sind die Geschichten da, und sie wollen aufgeschrieben werden. Ein Autor ist immer der Knecht seiner Geschichten. Er fügt sich, er leidet und schwitzt bis zum bitteren Ende und die Geschichte endlich fertig ist, er kann gar nicht anders. Natürlich müssen viele Geschichten nicht unbedingt geschrieben werden, denkt man sich als Leser, und bei manchen wäre es sogar besser gewesen, sie wären nie geschrieben worden. Doch in dem Moment, in dem der Autor an seinem Schreibtisch, im Garten, wo auch immer sitzt, und die Geschichte in seinen Computer, auf seine Schreibmaschine hämmert oder mit Krämpfen in den Fingern aufs Papier kratzt, in dem Moment muss die Geschichte geschrieben werden. Sie drängt hinaus, sie will in die Welt gesetzt werden, so klein die Welt manchmal auch sein mag.

Muss alles, was geschrieben wird, auch veröffentlicht werden? Nein, das wohl nicht. Aber es ist trotzdem schön, dass es da ist. Als Leser kann man wählen, und auch wenn es manchmal echten Schweiß kostet, in dem riesigen Zuckerwarenladen namens Buchhandlung die richtig guten Süßigkeiten auszuwählen und jene, die einfach nur die Zähne verkleben, zur Seite zu lassen, bin ich dennoch froh, dass ich diese Möglichkeit habe. Und jede neue Geschichte hat ihre Berechtigung. Sie hat sich ihren Weg, ihren Autor, gefunden, um in die Welt zu gelangen. In dieser Weise sind Geschichten wie neue Menschen auf diesem Planeten. Mit welchem Menschen ich nun rede und mit welchem nicht, welches Buch ich lese und welches nicht, das kann immer noch ich selbst entscheiden. Aber schön, dass ihr alle da seid. Herzlich willkommen!

Verfluchtes Suchtverhalten: Moviepilot

4. April 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Tja, da habe ich mir was eingebrockt bzw. wurde mir was eingebrockt: http://www.moviepilot.de. Dort bin ich seit Anfang des Jahres registriert. Heute mal ein kurzer Zwischencheck: Über 900 Filme habe ich bereits bewertet … Einmal da reingekippt, kommt man einfach nicht mehr raus. 😉 Aber was soll’s, macht ja Spaß! Und wer sich dort ebenfalls tummelt und sich vernetzen möchte: Ich laufe dort als „Roderich“ herum.

Frohe Ostern!

31. März 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Euch allen eine ruhige, besinnliche Zeit, ein bisschen Schönheit, Erhabenheit und Kraft an diesem trüben Sonntag.

Jahresrückblick 2012: Bücher

5. Januar 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Was darf am Ende des Jahres nicht fehlen? Natürlich der Jahresrückblick auf die gelesenen Bücher. Zunächst mal ein bisschen Statistik: Ich habe 2012 vergleichsweise wenige Bücher gelesen, nämlich insgesamt nur 35, davon 27 auf Deutsch und 8 auf Englisch mit insgesamt einem leichten Überhang zu fremdsprachigen Autoren gegenüber deutschsprachigen (18:17). 31 Bücher sind der Epik zugeordnet, 4 der Lyrik und zur Dramatik habe ich es vergangenes Jahr nicht geschafft (der Ibsen liegt aber schon auf meinem Stapel ungelesener Bücher und wartet). Alle Bücher habe ich übrigens zum ersten Mal gelesen, keines zum wiederholten Male (wenngleich man Ray Bradbury’s „A Pleasure to Burn“ durchaus auch anders bewerten könnte, handelt es sich hierbei doch hauptsächlich um Alternativversionen zu „Fahrenheit 451“).

Nun aber genug der schnöden Zahlen, hier sind meine persönlichen Jahres- Top 10:

1. Jonathan Littell – Die Wohlgesinnten

Ich habe verflucht lange überlegt, wo ich dieses Buch auf der Liste einordnen sollte, aber im Grunde kann es nur Platz 1 geben. Kein Buch hat mich 2012 länger begleitet, keines hat mich emotional mehr berührt (und teilweise wirklich fertig gemacht), dazu ist es sprachlich auf allerhöchstem Level – es muss da oben rauf. Allerdings ist es eindeutig kein „Lieblingsroman“, sondern eher ein wahnwitziger, tollwütiger, Feuer durch die Nüstern speiender Bulle von Buch, dem ich ich mich gestellt habe. Ich bin froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein.

2. Stephen King – 11.22.63

Stephen King hat mich vor vielen Jahren wieder zurück zum Lesen gebracht, und ich bin ihm heute noch dafür dankbar. Allerdings habe ich in den vergangenen Jahren gelernt, seine Bücher kritischer zu betrachten, weil sich ganz einfach auch mein Lesespektrum deutlich erweitert hat. Nichtsdestotrotz ist „11.22.63“, sein Zeitreise-Buch ins Amerika der Ende Fünfziger, Anfang Sechsziger, auch souverän über die mittlerweile höher gelegte Messlatte gesprungen. Ich habe es als wunderbares Liebesdrama gelesen, ein – für King’sche Verhältnisse – fast zartes Buch.

3. Victoria Schlederer – Fortunas Flug

Ich mochte „Des Teufels Maskerade“ unglaublich gern, und der neueste Roman von Victoria Schlederer hat für mich noch einen draufgesetzt. Ein herrliches Buch, opulent, gewitzt, sprachlich grandios und spannend. Dazu kommt, dass der Handlung etwas leichter zu folgen ist als es in der „Maskerade“ der Fall ist, denn die Handlungsstränge sind zwar immer noch sehr bunt und vielfältig, aber etwas reduzierter und damit überschaubarer. Dazu ist die neue Hauptfigur Stella Schönthal eine der stärksten Frauenfiguren, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Eine Schande für das Marketing des Verlags, dass dieses Buch keine breitere Masse angesprochen hat, das haben die bei Heyne aber so was von gründlich versaut! Denn durch Totschweigen lässt sich nun mal kein Publikum finden, das diesen großartigen Roman mit Sicherheit begeistert aufgenommen hätte.

4. Jorge Luis Borges – Das Aleph

Endlich, endlich, endlich! Lange schon bin ich um „Das Aleph“ herumgeschlichen, das mit Sicherheit als das Hauptwerk der Kurzprosa von Jorge Luis Borges bezeichnet werden kann. Und was soll ich sagen? Borges in Bestform halt, wie erwartet. Einen Text daraus hervorheben erscheint ungerecht, da einfach jeder Text eine literarische Perle ist, jede Erzählung hat ihre eigene mythische Symbolik, dargebracht in diesem wunderbar nüchternen Tonfall, dem man einfach alles glauben kann. Aber natürlich gibt es persönliche Lieblingsgeschichten wie zB „Der Unsterbliche“, ‚“Die Theologen“, „Emma Zunz“, „Das Haus des Asterion“ und „Das Aleph“.

5. Anna Koschka – Naschmarkt

Eigentlich würde man den ersten Roman Anna Koschkas (ein Pseudonym von Claudia Toman) bei der Unterhaltungsliteratur für Frauen einordnen, ein Genre, in dem ich mich für gewöhnlich gar nicht bewege, ABER: Das wäre viel zu kurz gegriffen. Denn „Naschmarkt“ ist einfach zeitgemäße und brüllend komische Unterhaltung auf sehr hohem Niveau und damit wirklich ein Buch, mit dem jedermann und jederfrau seinen Spaß hat. Keine Spur von öder Chick-Lit-Klischeehaftigkeit ist in diesem Buch zu finden, sondern nur viele direkt aus dem Leben gegriffene Figuren und Situationen, in denen man sich bestens wiederfindet. So muss gute Unterhaltung sein!

6. Wolf Haas- Verteidigung der Missionarsstellung

Wenn man etwas bei diesem Roman bemängeln müsste, dann dass er im Grunde keine Story hat. Aber da es sich beim Autor um Wolf Haas handelt, fällt dieses Manko gar nicht weiter ins Gewicht. Zu gut sind einfach die vielen Wort- und Sprachspiele, die kleinen und großen Experimente, die nahezu gänzlich gelingen. [HIER BEGEISTERTES, ABER ZU LANG GERATENES BLA BLA EINSETZEN. WARUM KÖNNEN SICH REZENSENTEN NICHT EINFACH MAL KURZ FASSEN?] Klare Leseempfehlung!

7. Sibylle Lewitscharoff – Blumenberg

Zu sagen, dass ich diesen Roman verstanden hätte, wäre wohl zu viel des Guten. Aber angesprochen hat er mich jedenfalls, vor allem auf einer nicht näher definierbaren emotionalen Ebene, was für eine dermaßen kühl konstruierte und erzählte Geschichte doch erstaunlich ist. Und allein schon für die Sprache ziehe ich meinen imaginären Hut vor Sibylle Lewitscharoff. Auf jeden Fall ein Lesegenuss der gehobenen Sorte, und sicherlich ein Buch, in das ich früher oder später noch einmal versinken werde.

8. Ursula Poznanski – Erebos

Ich kann nun absolut nachvollziehen, warum „Erebos“ ein dermaßen überragender Erfolg wurde. Dieses Buch ist einfach sauspannend, von der ersten bis zur letzten Seite. Es entwickelt einen Sog, der den Leser nicht mehr loslässt. Auch spät am Abend, wenn ich eigentlich schon müde war und schlafen wollte, konnte ich das Buch einfach nicht weglegen. Besser kann ein Thriller eigentlich nicht sein.

9. Mascha Vassena – Die Prophezeiung der Seraphim

Noch einmal ein Heyne-Desaster, und ich frage mich langsam, ob eventuell ein bestimmtes Talent dafür erforderlich ist, so großartige Romane wie „Die Prophezeiung der Seraphim“ oder eben, weiter oben genannt, „Fortunas Flug“ dermaßen konsequent zu versenken, wie es dieser Verlag schafft. „Die Prophezeiung der Seraphim“ ist verdammt gute Jugend-Unterhaltung auf sprachlich herausragendem Niveau mit starken Charakteren und einer spannenden Handlung in einem interessanten Setting. Liebe Verlagsleute, was braucht es mehr? Ich verstehe die Welt nicht mehr, kann nur hoffen, dass ich den einen oder anderen Leser auf diese Weise überzeugen kann, dieses wundervolle Buch zu lesen. Wer Fantasy und/oder gut geschriebene Jugend-Unterhaltung mag, sollte an diesem Buch nicht vorbei gehen.

10. Joseph Brodsky – Brief in die Oase

Eigentlich ein bisschen geschummelt, denn tatsächlich habe ich diese Sammlung mit 100 Gedichten des Nobelpreisträgers von 1987 noch nicht ganz fertig gelesen. Aber sie muss da rein in meine Top 10, denn diese Lyrik gehört zum Besten, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Brodsky mussten heuer sogar Kapazunder wie Emily Dickinson und Rainer Maria Rilke den Vortritt lassen. Allerfeinste Gedankenlyrik mit viel beißendem Spott und Selbstironie. Einfach gut.

Old shit / new shit

31. Dezember 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

„I’m tired of the old shit, let the new shit begin“ – auch das ist mit Sicherheit für viele ein passendes Motto für den Jahreswechsel. Ich hoffe mal sehr, dass es euch nicht so geht, oder dass ihr zumindest mit eurem shit ganz zufrieden seid.

Ein gutes neues Jahr euch allen jedenfalls!

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan die Kategorie Sonstiges auf Thomas Mühlfellner.