Meine Top15 der im Jahr ’15 gesehenen Kinofilme

2. Januar 2016 § Ein Kommentar

Nun wird es ein wenig exzessiv. Da ich mir dieses Jahr die Kinokarten aufgehoben habe, konnte ich den Wahnsinn nun genau mitzählen. Und ich habe dabei festgestellt, dass ich 2015 nicht weniger als 81 Mal im Kino war und dabei 79 Filme gesehen habe, davon 74 für mich neue. (Die fünf, die ich schon kannte, waren „Blade Runner“ und „Spaceballs“ im Rahmen des 80er-Jahre-Kultfilm-Specials im Gartenbaukino, „Bambi“ in der Retrospektive der Viennale, „Love Actually“ als Vorweihnachtsfilm und ein Special zu „Das letzte Einhorn“.) Die Viennale hat dabei dieses Jahr ordentlich reingehaut, und ich muss erst mal in mich gehen, ob ich diesen Wahnsinn nächstes Jahr fortsetzen kann und will. Aber 27 Filme in 4Wochen, davon 21 innerhalb im Kernzeitraum von nur 2 Wochen sind schon Hardcore.

Wie ist es nun um das Kino 2015 bestellt? Was auffällt, sind viele gute deutsche und deutschsprachige Produktionen. „Victoria“ von Sebastian Schipper zum Beispiel ist auf vielen Jahresbestenlisten zu Recht vertreten. Bei mir hat’s knapp nicht für die Top15 gereicht, da ich das Ende dann etwas vorhersehbar und zu lang geraten fand, aber trotzdem war „Victoria“ insgesamt ein verdammt interessanter, innovativer und sehenswerter Film. Auch „Elser – Er hätte die Welt verändert“ hat mich positiv überrascht. Dazu kommt noch „Der Nachtmahr“ von AKIZ, aber davon später. Interessant ist, dass ich von 4 österreichischen Produktionen, die ich gesehen habe, gleich 3 mit der Bewertung 6,0 (von 10) versehen habe: „Superwelt“ von Karl Markovics, die Dokumentation „Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang“ und die Komödie „Der Vampir auf der Couch“. Allesamt grundsolide, auf ihre Art und Weise unterhaltsame Produktionen, die keinen Vergleich mit dem internationalen Film fürchten müssen. Überhaupt schwimmt der österreichische Film seit etwa 1,5 Jahrzehnten auf einer sehr hohen Welle und bringt uns Jahr für Jahr tolle neue Produktionen. Schade, dass der heimische Film immer noch von vielen Kinozusehern vernachlässigt wird, wenn’s nicht gerade der neue Brenner-Film ist (auch dazu später mehr).

Nun zur Mutter aller Hypes: Der neue „Star Wars“. Gleich vorweg: Für die Top15 hat’s ums A…lecken nicht gereicht, weil es einfach viel zu viele tolle Filme gab und „Star Wars Episode VII“ verdammt viel, aber nicht alles richtig macht, aber verstecken muss sich der Neustart unter der Regie von J.J. Abrams definitiv nicht. Ich war 2,5 Stunden lang ein glücklicher Bastard.

Meine Enttäuschungen des Jahres (auch gemessen an den hohen Erwartungshaltungen): „American Sniper“ von Clint Eastwood (eigentlich einer meiner Lieblingsregisseure, aber da hat er einen patriotischen Schrott zum Davonlaufen abgeliefert, ist zurecht unter meinen Top5 der schlechtesten Filme 2015), „Jurassic World“ von Colin Trevorrow (hat immerhin noch ein bisschen Nostalgie-Charme versprüht), „Spotlight“ von Tom McCarthy (wie gern hätte ich diesen Film gemocht, aber ich fand ihn leider ziemlich steril), „Irrational Man“ (leider der bisher schlechteste Filme, die ich von Woody Allen gesehen habe – ich mag seine Filme normalerweise sehr gern) und (ja, ich höre euren Aufschrei) „Mad Max: Fury Road“ von George Miller, der ja vielerorts als Film des Jahres gefeiert wird. Nicht falsch verstehen, der Film war schon gut gemacht und hat seine Stärken (die Schauwerte, die starke Frauenfigur), aber ganz ehrlich: Inhalt war nur in homöopathischen Dosen vorhanden und mir ist dieser Gitarrenspieler auf dem Kühler nur auf die Nerven gegangen.

Aber es gab ja auch einige positive Überraschungen, mit denen ich im Vorfeld nicht gerechnet hätte: „Kingsman – The Secret Service“ (gut, ich mochte bisher alles von Matthew Vaughn, aber das hätte ich dann doch nicht erwartet), „Steve Jobs“ von Danny Boyle (auch so ein Fall: ich mag Danny Boyle-Filme irrsinnig gern, aber ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Steve Jobs-Biopic interessiert) und „Ant-Man“ von Peyton Reed, an den ich überhaupt keine großen Erwartungen gehabt hätte, aber ich bekam dann extrem gut gemachtes, witziges Popcorn-Kino mit denkwürdigen Gags.

Nun aber genug geschwafelt. Hier sind nun meine Top15 des Jahres 2015:

1. Whiplash
Damien Chazelle, 2014
Bewertung: 9,5 von 10

Whiplash ist furios, eine Fiebertour getränkt mit Schweiß, Blut und Tränen. Damien Chazelle hat einen unglaublich kompakten, exzellent gespielten Film gedreht, der jede Sekunde zu pulsieren scheint. Ich weiß, dass die Meinungen über den Film auseinandergehen – man scheint ihn zu lieben oder zu hassen. Ich liebe ihn. Und zur oft geäußerten Kritik der Verherrlichung von Aufopferungsbereitschaft und der Sucht nach Erfolg: Ich sehe hier nur ein Psychoduell zweier gleichermaßen Besessener und Getriebener. Wenn man sich das vor Augen hält, wird auch klar, dass der Film keine Vorbildwirkung ausüben möchte und die in diese Richtung gehende Kritik ins Leere geht.

2. The Lobster
Giorgios Lanthimos, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

Über diesen Film habe ich auf Facebook schon im Rahmen meiner Viennale-Kurzreviews geschrieben. Ich kenne derzeit keinen interessanteren Regisseur als Giorgios Lanthimos. Seine Filme sind verstörende Meisterwerke, die das Alltägliche ins Absurde verkehren und den Kinobesuchern in die Magengrube fahren. So ist es auch mit seinem ersten englischsprachigen Film „The Lobster“ mit einem grandiosen Colin Farrell in der Hauptrolle auf der Suche nach einer Beziehung, ehe er in einen Hummer verwandelt wird. Definitiv ein Allzeit-Favorit mit dem Potential, bei neuerlicher Sichtung noch weiter nach oben zu wandern.

3. Inside Out
Peter Docter, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

„Inside Out“ (auf Deutsch: „Alles steht Kopf“) ist vielleicht der beste Animationsfilm der letzten fünf bis zehn Jahre, ein psychologisch interessantes und wunderbar warmherziges Abenteuer, an dem sich zwar Kinder erfreuen können, Erwachsene aber noch viel mehr. Die Darstellung der verschiedenen Emotionen, die miteinander und manchmal auch gegeneinander im Kopf der jungen Riley für allerlei Verwirrung sorgen, ist einfach eine geniale Idee, die voll aufgeht.

4. Ex Machina
Alex Garland, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

Knapp nicht aufs Stockerl geschafft, hat es „Ex Machina“, das intelligente SciFi-Kammerspiel von Alex Garland mit Domhnall Gleeson, Alicia Vikander und dem überragenden Oscar Isaac in den Hauptrollen. Es geht um die Frage, was uns zu Menschen macht, wo das Künstliche ins Menschliche übergeht oder ob es zwangsläufig bloß eine Imitation des Menschlichen bleibt, und es geht um Vertrauen. Großartig!

5. Birdman or The Unexpected Virtue of Ignorance
Alejandro González Iñárritu, 2014
Bewertung: 9,0 von 10

Der Oscar-Gewinner 2015 war auch eines meiner Highlights in diesem Jahr – was das Mitfiebern bei der Verleihung besonders prickelnd gemacht hat. „Birdman“ ist wunderbar abgedrehtes, grandios gespieltes, surrealistisches Kino. Dazu ist er technisch interessant und originell gemacht.

6. Der Nachtmahr
Achim Bornhak (AKIZ), 2015
Bewertung: 8,5 von 10

Noch ein Viennale-Highlight. Der kleine Independent-Film von AKIZ ist eine Mischung aus Coming of Age-Drama, Horror, Fantasy und das Ganze untermalt mit pulsierendem, lautem Techno. Wie ich es in meiner Viennale-Kurzreview ausgedrückt habe: Ein Film, der zwischen den Stühlen sitzt, aber dem es dort sehr gut geht.

7. Grizzly Man
Werner Herzog, 2005
Bewertung: 8,5 von 10

„Grizzly Man“, die Dokumentation von Werner Herzog über den Tierschutzaktivisten Timothy Treadwell und seinen allmählichen Realitätsverlust, habe ich im Rahmen der Retrospektive der Viennale gesehen. Der Film hat mich bis heute nicht losgelassen. Ein meisterhaft inszeniertes Psychogramm eines Menschen, der der Welt entgleitet. Auch wenn man das Ende kennt (zum Einen ist es ohnehin bekannt aus diversen Berichten über die damaligen Vorfälle, zum Anderen enthüllt Herzog selbst sehr rasch das Schicksal von Treadwell), sitzt man dennoch gebannt und fassungslos vor der Leinwand und wird mitgerissen vom tragischen Verlauf der Ereignisse.

8. Das ewige Leben
Wolfgang Murnberger, 2015
Bewertung; 8,5 von 10

Die neueste Verfilmung eines Brenner-Romans von Wolf Haas unter der Regie von Wolfgang Murnberger schließt an die herausragende Qualität seines Vorgehers „Der Knochenmann“ an. „Das ewige Leben“ ist wieder ein Meisterstück des skurril-lakonischen Humors. Josef Hader zeigt in seiner Paraderolle als Simon Brenner nichts Neues, aber das ist manchmal auch gut so. Zudem bietet „Das ewige Leben“ die wohl beste Verfolgungsjagd in der jüngeren Filmgeschichte.

9. A Girl Walks Home Alone at Night
Ana Lily Amirpour, 2014
Bewertung: 8,5 von 10

Ein iranischer Coming of Age-Vampirfilm in Schwarz-Weiß: „Du hattest mich nach dem Hallo“. Der Film ist atemberaubend ästhetisch, der Soundtrack ist schlicht großartig („Death“ von den White Lies hat niemals besser wo reingepasst als hier) und die Geschichte wundervoll melancholisch. Außerdem gibt es eine richtig gut schauspielende Katze. Ehrlich, Leute, braucht ihr noch mehr Argumente, um diesen Film anzusehen?

10. Anomalisa
Duke Johnson und Charlie Kaufman, 2015
Bewertung: 8,5 von 10

„Anomalisa“ unter der Co-Regie von Charlie Kaufman ist ein Animationsfilm für Erwachsene. Nein, er ist der Animationsfilm für Erwachsene. Die todtraurige Geschichte erzählt auf eine sehr originelle Weise von Depressionen und der Melancholie des Alltags. Charlie Kaufman ist ein Genie. Ich wusste das vorher bereits, aber mit diesem Film hat er sein Ausnahmetalent erneut bestätigt.

11. Leviathan
Andrey Zvyagintsev, 2014
Bewertung: 8,5 von 10

Der russische, Oscar-nominierte Film „Leviathan“ ist ein sehr stiller, langsamer Film mit eindrucksvollen Bildern einer kargen Landschaft, die so karg ist wie die Seele selbst. Die moderne Adaption des Buches Hiob wirft ein düsteres Bild auf staatliche Willkür und Korruption. Man muss sich auf das langsame Erzähltempo einlassen können, aber dann entfaltet der Film eine große emotionale Wucht.

12. Kingsman – The Secret Service
Matthew Vaughn, 2014
Bewertung: 8,0 von 10

Ich liebe diesen glücklichen blöden Film sehr. Er ist brachial, unangepasst, extrem witzig und voller blutiger Gewalt, bei der wohl selbst Quentin Tarantino beim Ansehen erstaunt eine Augenbraue hochgezogen hat. Und Colin Firth zeigt, dass er wirklich alles kann – auch einfach mal die Sau rauslassen.

13. Youth
Paolo Sorrentino, 2015
Bewertung: 8,0 von 10

„Youth“ (auf Deutsch: „Ewige Jugend“) kommt zwar nicht ganz an Sorrentinos Meisterwerk „La Grande Bellezza“ heran, aber dennoch ist der Film wieder ein kleines Juwel. Allein die Besetzung lässt jeden Filmfan mit der Zunge schnalzen: Michael Caine, Harvey Keitel, Paul Dano, Rachel Weisz, Jane Fonda – viel mehr an schauspielerischer Grandezza geht nicht. Dazu ist der Film – wie man von Sorrentino erwarten darf – wunderschön gefilmt mit grandiosen, eindrucksvollen Bildern. Und über all dem liegt die Melancholie, die das Altern und der Tod mit sich bringt.

14. Inherent Vice
Paul Thomas Anderson, 2014
Bewertung: 8,0 von 10

Gut, das war aufgelegt. Einer meiner Lieblingsregisseure (Paul Thomas Anderson) verfilmt mit einem meiner Lieblingsschauspieler in der Hauptrolle (Joaquin Phoenix) den zugänglichsten und witzigsten Roman eines meiner Lieblingsautoren (Thomas Pynchon). Dass der Film dennoch nicht bei mir durch die Decke ging, sondern „nur“ auf Platz 14 landet, ist der Tatsache geschuldet, dass Film und Buch halt doch zwei verschiedene Medien sind und es oft schwer ist, die besondere Magie eines Buchs auf eine Filmleinwand zu bannen. Dennoch ist „Inherent Vice“ ein saukomischer, exzellent gespielter und wunderbar schräger Film.

15. Me and Earl and the Dying Girl
Alfonso Gomez-Rejon, 2015
Bewertung: 8,0 von 10

Ein Film über das langsame Sterben eines jungen Mädchens an Leukämie. Witzig, nicht wahr? Und ja, tatsächlich ist der Film überraschend witzig, extrem lebensbejahend und positiv, aber nicht auf eine dümmliche Durchhalteparole-Art, sondern dabei immer sehr warmherzig. Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig und die Grundstimmung bleibt trotz der heiteren Töne melancholisch. Ein bitterzarter Film mit vielen guten Einfällen und denkwürdigen Momenten, die im Herzen verankert bleiben.

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Meine Top15 der im Jahr ’15 gelesenen Bücher

2. Januar 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

2015 war ein Jahr mit interessanter Lektüre. So habe ich (nach 8 Monaten) endlich die „Parallelgeschichten“ von Peter Nádas abgeschlossen, habe „Die Brüder Karamasoff“ von Dostojewski gelesen (eine Lücke, die ich schon längst schließen wollte), habe mich durch Philip Roths Spätwerk gewühlt und gerade eben zum dritten Mal die Reise zum Dunklen Turm begonnen. Insgesamt stehe ich nun bei 43 gelesenen Büchern (Fiktion), dazu kommen noch ein bis zwei Romane zum Dunklen Turm, aber ein Fazit der persönlichen Lese-Highlights 2015 kann ich jetzt schon ziehen. Und so sieht’s aus.

1. Donna Tartt – The Goldfinch
Das harte Rennen und Platz 1 hat bei mir Donna Tartt knapp gewonnen. „The Goldfinch“ ist amerikanisches Storytelling auf allerhöchstem Niveau. Eine Art moderner „David Copperfield“, extrem spannend und mit denkwürdigen Charakteren. Eine Geschichte, die den Leser packt und nicht mehr loslässt.

2. John Williams – Stoner
Ich habe langer überlegt, ob „The Goldfinch“ oder der nicht minder herausragende „Stoner“ auf Platz 1 kommt. Letzten Endes kann ich es drehen, wie ich möchte – das waren meine beiden Bücher des Jahres. „Stoner“ ist eine abgrundtief traurige, fast schon depressiv stimmende Charakterstudie eines scheiternden Durchschnittsmenschen, die mich sehr berührt hat. Die Sprache ist unfassbar präzise und in ihrer Schlichtheit wunderschön.

3. Jonathan Franzen – Unschuld
Der neueste Streich von Jonathan Franzen kommt fast an das Niveau seines Meisterwerks „Freiheit“ heran. Die Figuren sind enorm präzise gezeichnet, die Dialoge schlicht herausragend und die Geschichte rund um Schuld (und Unschuld) packend wie ein Thriller.

4. Michael Ende – Die unendliche Geschichte
Unfassbar, dass ich erst jetzt „Die unendliche Geschichte“ gelesen habe. Als Kind habe ich die Filme vergöttert, v.a. natürlich den ersten. Aber das Buch ist so viel mehr! Eine universelle Geschichte, die ewig bestehen bleibt und Kinder wie Erwachsene auch in hundert Jahren noch mitreißen wird.

5. James Salter – In der Wand
Auf mich üben Bergsteiger eine mir selbst unerklärliche Faszination aus. Meine erste Begegnung mit James Salter führte mich in eisige Höhen. Das Buch ist, wie auch die Protagonisten sind: Kalt. Hartherzig. Erbarmungslos. Atemlos las ich es in nur zwei Tagen durch.

6. Andy Weir – The Martian
Die positive Überraschung 2015. Erwartet habe ich nicht viel, bekommen habe ich einen saukomischen und intelligenten SciFi-Thriller mit einem sympathischen Protagonisten. Die Verfilmung dazu war gut, wurde dem Buch aber nicht annähernd gerecht.

7. Salman Rushdie – Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte
Über den neuen Rushdie wurde ja kontrovers diskutiert. Ich stehe auf der Seite jener, die das Buch sehr mochten. Rushdies Fantasie ist schier grenzenlos, und wenn er alles in die Waagschale wirft, ist er dabei auch noch extrem witzig.

8. Valerie Fritsch – Winters Garten
Sprachlich wohl das interessanteste Buch 2015. Ein vielversprechender Debütroman, dessen geschliffene Sprache stets am Rande des Kitschs wandelt, aber nur selten abstürzt. Tolle Sprachbilder, ein sehr sinnliches Buch.

9. Anna Koschka – Naschmarkt 99
Ich muss gestehen: Ich bin noch nicht ganz durch damit. Die letzten zwei Folgen (von sieben) fehlen mir noch. Aber das, was ich bisher gelesen habe, rechtfertigt einen Platz in meinen Top15 auf jeden Fall. „Naschmarkt 99“ ist ein wundervolles, herzerwärmendes Abenteuer mit Freunden.

10. Stephen King – Finders Keepers
Den Nachfolger von „Mr. Mercedes“ fand ich spannend geschrieben (no na net, es ist Stephen King!) und wartete mit einem interessanten Antagonisten auf, der im Laufe der Geschichte viel an Profil gewann. So kann’s weitergehen.

11. Alice Munro – Hateship, Friendship, Courtship, Marriage
Die Kurzgeschichten von Alice Munro enthalten ganze Universen. Vor allem die Titelgeschichte ihres Erzählbands ist genau genommen ein Roman, der auf dreißig Seiten abdeckt, wofür andere Erzähler 300 Seiten brauchen (und ich wohl 3.000).

12. Ursula Poznanski – Layers
Wie alle Jugendthriller von Ursula Poznanski lebt auch „Layers“ sehr stark von der überragend gezeichneten Psychologie und der Gruppendynamik der Protagonisten. Das Setting und die Idee sind grandios, der Roman ist wie immer zum Nägelkauen spannend und die Auflösung stimmig. Ein Pageturner im besten Sinne.

13. Theresa Prammer – Wiener Totenlieder
Kaum eine andere Protagonistin hat mich 2015 so sehr in Verzücken versetzt wie Carlotta Fiore, die unfreiwillige Ermittlerin in Theresa Prammers Krimi „Wiener Totenlieder“. Lotta ist ein ziemliches Mistvieh, trägt das Herz auf der Zunge und schert sich nicht viel um Konventionen. Ich liebe diese Figur! Und die Morde, die in diesem Buch geschehen, sind absurd witzig und bringen noch mal zusätzlichen Drive rein.

14. Philip Roth – Everyman
Wie schon erwähnt habe ich 2015 das Spätwerk von Philip Roth, seine letzten vier Kurzromane, gelesen. „Everyman“ ist für mich das stimmigste, dringlichste Buch gewesen und zeigt, wie bitter Altern sein kann.

15. Isabella Straub – Das Fest des Windrads
Der zweite Roman von Isabella Straub hat mir sogar noch besser gefallen als ihr Erstling „Südbalkon“. „Das Fest des Windrads“ ist ein Clash of Culture, mal witzig, mal traurig, mal tiefsinnig – einfach wie das Leben selbst, das passiert, während man damit beschäftigt ist, andere Pläne zu machen. (Zitat Ende. Aber ich glaube, Lennon hätte den Roman gemocht.)

Top 50 meiner Songs 2013: Plätze 20-11

11. Februar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Es geht nun in Richtung Top 10. Hier meine Plätze 20-11.

#11: Julia Holter – Hello Stranger
#12: Chelsea Light Moving – Sleeping Where I Fall
#13: Noah and the Whale – Heart of Nowhere
#14: Pearl Jam – Swallowed Whole
#15: Tomahawk – Stone Letter
#16: The Joy Formidable – Forest Serenade
#17: Arcade Fire – Normal Person
#18: Mark Lanegan & Duke Garwood – Sphinx
#19: Grant Hart – I Will Never See My Home
#20: Sigur Rós – Rafstraumur

Jahresrückblick 2013: Meine Top10 der Bücher

28. Dezember 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Während es mit den Top50 meiner persönlichen Songs 2013 noch länger weitergeht, gibt’s jetzt zwischendurch mal einen Jahresrückblick, was meine Lektüre betrifft. Insgesamt habe ich (exklusive Sach- und Fachbücher, die sich bei mir allerdings immer in Grenzen halten) 35 Bücher im Jahr 2013 gelesen. Ein bisschen was für die Statistiker: 25 davon waren von männlichen Autoren geschrieben, 10 von weiblichen. 27 habe ich auf Deutsch gelesen, 8 auf Englisch. Der Löwenanteil, nämlich 30 Bücher, ließ sich wieder der Gattung Prosa zuordnen, 4 der Lyrik und eines der Dramatik. 32 Bücher habe ich zum ersten Mal gelesen, immerhin 3 zum wiederholten Male.

Wie immer, wenn man sich auf eine Top10-Liste beschränkt, bleiben viele großartige Bücher auf der Strecke. In diesem Fall hat es mit Dostojewskis „Schuld und Sühne“ einen absoluten Klassiker erwischt, „Trommeln vom anderen Ufer des großen Flusses“ von Richard Schuberth, diese herrliche Satire, die mir Lachtränen beschert hat, den eindrucksvollen Roman „Der Überdruss“ von Mo Yan, den neuesten King „Doctor Sleep“ und Cordula Simons tolles Debüt „Der potemkinsche Hund“, um nur einige zu nennen. Auch die vier Lyrikbücher schafften es nicht in die Liste, auch wenn ich bei den gesammelten Werken von Tucholsky und Doris Runges „zwischen tür und engel“ immerhin lange überlegt habe. Aber so ist das mal. Hier heißt es nicht „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“, sondern „Nur das Beste vom Besten“. Und hier sind sie nun, meine Top10, nach dramatischer Ankündigung:

1. Stephen King – Joyland

Wohl eine kleine Überraschung auf dem höchsten Treppchen, denn „Joyland“ war wohl für die meisten Fans eine Art Übergangsbuch, bis die lang ersehnte Fortsetzung zu „The Shining“, „Doctor Sleep“, erscheint. Ich selbst habe dieses Buch aber heiß geliebt. „Joyland“ ist eine wunderbar melancholische Geschichte über das Erwachsenwerden, über Verlust, über Freundschaft – ein warmherziges Buch mit tollen Charakteren. Manchmal sind es die leisen Zwischenspiele, die einem den Atem rauben.

2. Christoph Ransmayr – Atlas eines ängstlichen Mannes

Ransmayrs Reiseminiaturen erzählen mehr vom Reisenden selbst als über die besuchten Orte. Es sind Vermessungen der Seelenlandschaft, die der große österreichische Schriftsteller hier anbietet. Jede Episode beginnt mit „Ich sah …“, aber am Ende steht zwischen den Zeilen immer ein „Ich fühlte …“ oder ein „Ich begriff …“ – im Reisen entdeckte Ransmayr sich selbst, und die Art und Weise, wie er den Leser diese Erlebnisse nachfühlen und zu eigenen Erfahrungen werden lässt, ist ganz große Kunst.

3. Julio Cortázar – Die Nacht auf dem Rücken

Der Argentinier Cortázar, der in seinen Kurzgeschichten immer wieder an einen weiteren argentinischen Meister erinnert, Jorge Luis Borges nämlich, wurde mir von einem Freund empfohlen. Und ich bin ihm unendlich dankbar dafür, denn sonst wäre mir dieser grandiose Schriftsteller vielleicht für immer entgangen. Cortázar spielt mit fantastischen Elementen, die er wohl dosiert einsetzt in einer sehr präzisen Prosa, um den Menschen dahinter aufzuspüren.

4. F. Scott Fitzgerald – The Great Gatsby

Rechtzeitig bevor Baz Luhrmann’s Verfilmung in die Kinos kam, habe ich den Gatsby gelesen. Und was soll ich sagen? Die pompöse filmische Umsetzung musste zwangsläufig scheitern, da das Buch selbst eigentlich eine großartige, bissige, zynische Satire ist, die von subtilen Zwischentönen lebt und nur dank Fitzgeralds spitzzüngiger Prosa funktionieren kann.

5. Nina George – Das Lavendelzimmer

Nina George hat selbst ihren Roman als „Trostbuch“ bezeichnet. Und diese Einschätzung kann ich nur voll und ganz unterschreiben. „Das Lavendelzimmer“ ist ein Buch, das den Leser genau im Herzen trifft. Es ist ein Buch, bei dem man sich Zeile für Zeile vorantastet, jedes Wort begierig aufsaugend, denn man möchte keine Frage verpassen, die Nina George zwischen den Zeilen immer wieder an den Leser stellt. Es ist ein Buch, das nur für mich geschrieben wurde. Und für jeden einzelnen anderen Leser auch.

6. Roberto Bolaño – Die wilden Detektive

Roberto Bolaño hat sich in den letzten Jahren zu einem meiner Lieblingsschriftsteller entwickelt, und das mit bisher erst drei Büchern, die ich von ihm gelesen habe: „2666“, „Amuleto“ und eben „Die wilden Detektive“. Worum geht es in diesem Buch eigentlich? Ehrlich – ich habe bis heute noch keine Ahnung. Mexikaner verloren in Mexiko. Junge Studenten und Literaten, die irgendwo in der Geschichte (Mexikos / des Romans) verschwinden und zu Schatten werden, die man einfach nicht greifen kann. Ein wildes, lustvolles Spiel mit der Sprache, mit der Geschichte und mit Geschichten.

7. Julian Barnes – The Sense of an Ending

Am Anfang hatte ich wohl so meine Schwierigkeiten, in die (kurze) Geschichte hineinzufinden. Barnes lässt sich trotz aller Präzision und Knappheit durchaus Zeit, bis er zum Punkt kommt, um den es ihm eigentlich geht. Aber was für ein Knaller ist das Ende! Ein Buch, das völlig neue Fragen aufwirft über das eigene Erinnerungsvermögen. Nach der Lektüre dieses Romans beginnt man, sich selbst zu misstrauen.

8. J.M. Coetzee – The Childhood of Jesus

Wie könnte es auch anders sein: Der neue Roman von Coetzee ist rätselhaft und hat gleich mehrere Falltüren und doppelte Böden. In einem nicht näher definierten Land, das nach völlig anderen Wertesystemen der Zwischenmenschlichkeit aufgebaut ist als wir es kennen, versuchen zwei Flüchtlinge (Flüchtlinge wovor?), ein älterer Mann und ein fünfjähriger Junge, sich an diese neue und für sie fremde Gesellschaft anzupassen. All die Fragen, die der Roman aufwirft, in diesen wenigen Zeilen anzureißen, ist schlicht unmöglich. Daher ein ganz simpler Ratschlag: Lest das Buch!

9. Vladimir Nabokov – Lolita

Der Roman hat zwar seine Längen, aber dafür bietet er mit Abstand die geschliffenste, faszinierendste und auch zynischste Prosa, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Und man mag inhaltlich zu dem Buch stehen, wie man will, aber man muss anerkennen, dass Nabokov ein herausragender Schriftsteller war. Wenn ich nur eine Zeile zustande brächte, die es mit seiner Prosa aufnehmen kann, hätte ich mehr erreicht als viele veröffentlichte und gefeierte Schriftsteller.

10. Anna Koschka – Mohnschnecke

Wann ist ein Happy End zu Ende, und wie heißt es dann? „Mohnschnecke“ ist die Fortsetzung von „Naschmarkt“, dem herrlich zeitgemäßen, gewitzten, witzigen und lebensklugen Roman rund um die Literaturrezensentin, Bloggerin und überzeugte Plutzkatzensinglefrau Dotti Wilcek. Dass ein Happy End nicht immer das Ende der Geschichte bedeuten muss, zeigt Anna Koscha (das Pseudonym der Wiener Autorin Claudia Toman) in ihrem neuesten Roman sehr eindrucksvoll. Denn wie auch Tucholsky in seinem Gedicht „Danach“ bemerkt hat: „Es wird nach einem Happy End / im Film jewöhnlich abjeblendt“. Danach geht es allerdings weiter, das Leben ist damit nicht zu Ende, und manchmal muss man erst noch eine Extrarunde drehen um zu erkennen, was wichtig ist.

#50 meiner Songs 2013: Meat Puppets – Rat Farm

14. Dezember 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein neues Meat-Puppets-Album hören ist ein bisschen wie nach langer Zeit an einen Ort seiner Jugend zurückreisen: Alles ist vertraut, aber trotzdem fühlt es sich frisch an. Das gilt auch für den Opener und Titelsong des neuen Albums „Rat Farm“ – und dafür gibt’s verdientermaßen Platz 50 meiner persönlichen Lieblingssongs des Jahres 2013.

Meine Lieblingssongs 2013 oder: Wie aufgrund von Besessenheit und Unentschlossenheit jegliches Maß verfehlt wird

13. Dezember 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

So, nachdem sich auf diesem Blog nun länger nichts mehr getan hat, wird sich demnächst hier sehr viel tun. Das Jahr 2013 geht zu Ende, und natürlich ist nun die Zeit, Revue passieren zu lassen. Nachdem ich ein Faible für Musik habe, ist es naheliegend, dass ich meine persönlichen Lieblingssongs und -alben 2013 an dieser Stelle präsentiere. Nun habe ich einen dramatischen Hang zur Maßlosigkeit, wie ich wieder einmal feststellen musste. Mir war es nämlich unmöglich, meine Top10-Songs des Jahres zu küren. Das gelingt mir mit Büchern, das gelingt mir mit CDs, aber nicht mit Songs. Dazu gab es 2013 viel zu viel gute Musik. Leider war es mir auch unmöglich, meine Top15-Songs zu bestimmen, also entschloss ich kurzerhand, der Wintersaison Rechnung zu tragen, und meine Top30-Songs zu wählen a la „Weltcup-Punkte im Skisport gibt’s ja auch für die ersten 30“. Gesagt, getan. Und daher präsentiere ich nun meine Top50-Songs des Jahres. *hüstel*

Der Clou (um mich wenigstens ein bisserl einzuschränken): Ich habe ausnahmslos aus Songs ausgewählt, die ich selbst in physischer Form besitze, und zwar auf Alben, die dieses Jahr erschienen sind und die ich mir für meine kleine Sammlung zugelegt habe. Welche Alben daraus die Alben des Jahres für mich sind, ist eine andere Geschichte, die ich zu einem anderen Zeitpunkt erzählen werde. Jetzt gibt’s erst einmal die volle Dröhnung einzelner Songs.

Ich werde nun jeden Tag (bzw. so gut wie jeden Tag) auf diesem Blog einen Song präsentieren – von meiner Nummer 50 bis zu meiner Nummer 1 des Jahres. Nagelt mich nicht auf einzelne „Platzierungen“ fest, denn erstens ist das völlig subjektiv und bei 50 Songs zum Teil auch etwas willkürlich, und zweitens sowieso nur eine Momentaufnahme. In einem halben Jahr kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Aber nach aktuellem Stand der Dinge sind das jetzt meine Top50-Songs.

Morgen geht’s los. Stay tuned!

Buch der Woche: Doris Runge – zwischen tür und engel

6. Oktober 2013 § Ein Kommentar

Heute gibt’s mal wieder eine Lyrikempfehlung. Über Doris Runge bin ich gestolpert wie ich über Lyrik allgemein stolpere: beim Stöbern in der Buchhandlung. Ein paar Zeilen angelesen und schon bin ich hängengeblieben.

Wofür andere Dichter ganze Seiten brauchen, schafft Runge in wenigen Wörtern. Ihre Miniaturen sind von einzigartiger Dichte, viele Zeilen bestehen nur aus einem einzigen Wort, das dann auch noch oft die Tür öffnet zu einer weiteren Sinnebene. Vordergründig sind es oft kurze Beobachtungen, Naturbeschreibungen, Reflexionen, die Runge zeigt, aber wenn man genauer hinblickt, erkennt man die dahinter liegende Ebene, das Abgründige. Dass sie zur Gänze auf Satzzeichen verzichtet und alles konsequent in Kleinschreibung hält, ermöglicht es Runge, mit geringen Mitteln nahtlose Übergänge zu schaffen. Der Leser bemerkt kaum, was mit ihm geschieht, und findet sich plötzlich in einer gänzlich anderen Welt wieder als jener, die er vor wenigen Zeilen noch betreten hat.

Runges Werk ist schmal, man ist schnell durch damit, doch hallt es lange nach und es lädt vor allem zum erneuten Lesen ein, denn immer wieder entdeckt man neue Abzweigungen, die man noch nicht gegangen ist.

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