Meine Top15 der im Jahr ’15 gelesenen Bücher

2. Januar 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

2015 war ein Jahr mit interessanter Lektüre. So habe ich (nach 8 Monaten) endlich die „Parallelgeschichten“ von Peter Nádas abgeschlossen, habe „Die Brüder Karamasoff“ von Dostojewski gelesen (eine Lücke, die ich schon längst schließen wollte), habe mich durch Philip Roths Spätwerk gewühlt und gerade eben zum dritten Mal die Reise zum Dunklen Turm begonnen. Insgesamt stehe ich nun bei 43 gelesenen Büchern (Fiktion), dazu kommen noch ein bis zwei Romane zum Dunklen Turm, aber ein Fazit der persönlichen Lese-Highlights 2015 kann ich jetzt schon ziehen. Und so sieht’s aus.

1. Donna Tartt – The Goldfinch
Das harte Rennen und Platz 1 hat bei mir Donna Tartt knapp gewonnen. „The Goldfinch“ ist amerikanisches Storytelling auf allerhöchstem Niveau. Eine Art moderner „David Copperfield“, extrem spannend und mit denkwürdigen Charakteren. Eine Geschichte, die den Leser packt und nicht mehr loslässt.

2. John Williams – Stoner
Ich habe langer überlegt, ob „The Goldfinch“ oder der nicht minder herausragende „Stoner“ auf Platz 1 kommt. Letzten Endes kann ich es drehen, wie ich möchte – das waren meine beiden Bücher des Jahres. „Stoner“ ist eine abgrundtief traurige, fast schon depressiv stimmende Charakterstudie eines scheiternden Durchschnittsmenschen, die mich sehr berührt hat. Die Sprache ist unfassbar präzise und in ihrer Schlichtheit wunderschön.

3. Jonathan Franzen – Unschuld
Der neueste Streich von Jonathan Franzen kommt fast an das Niveau seines Meisterwerks „Freiheit“ heran. Die Figuren sind enorm präzise gezeichnet, die Dialoge schlicht herausragend und die Geschichte rund um Schuld (und Unschuld) packend wie ein Thriller.

4. Michael Ende – Die unendliche Geschichte
Unfassbar, dass ich erst jetzt „Die unendliche Geschichte“ gelesen habe. Als Kind habe ich die Filme vergöttert, v.a. natürlich den ersten. Aber das Buch ist so viel mehr! Eine universelle Geschichte, die ewig bestehen bleibt und Kinder wie Erwachsene auch in hundert Jahren noch mitreißen wird.

5. James Salter – In der Wand
Auf mich üben Bergsteiger eine mir selbst unerklärliche Faszination aus. Meine erste Begegnung mit James Salter führte mich in eisige Höhen. Das Buch ist, wie auch die Protagonisten sind: Kalt. Hartherzig. Erbarmungslos. Atemlos las ich es in nur zwei Tagen durch.

6. Andy Weir – The Martian
Die positive Überraschung 2015. Erwartet habe ich nicht viel, bekommen habe ich einen saukomischen und intelligenten SciFi-Thriller mit einem sympathischen Protagonisten. Die Verfilmung dazu war gut, wurde dem Buch aber nicht annähernd gerecht.

7. Salman Rushdie – Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte
Über den neuen Rushdie wurde ja kontrovers diskutiert. Ich stehe auf der Seite jener, die das Buch sehr mochten. Rushdies Fantasie ist schier grenzenlos, und wenn er alles in die Waagschale wirft, ist er dabei auch noch extrem witzig.

8. Valerie Fritsch – Winters Garten
Sprachlich wohl das interessanteste Buch 2015. Ein vielversprechender Debütroman, dessen geschliffene Sprache stets am Rande des Kitschs wandelt, aber nur selten abstürzt. Tolle Sprachbilder, ein sehr sinnliches Buch.

9. Anna Koschka – Naschmarkt 99
Ich muss gestehen: Ich bin noch nicht ganz durch damit. Die letzten zwei Folgen (von sieben) fehlen mir noch. Aber das, was ich bisher gelesen habe, rechtfertigt einen Platz in meinen Top15 auf jeden Fall. „Naschmarkt 99“ ist ein wundervolles, herzerwärmendes Abenteuer mit Freunden.

10. Stephen King – Finders Keepers
Den Nachfolger von „Mr. Mercedes“ fand ich spannend geschrieben (no na net, es ist Stephen King!) und wartete mit einem interessanten Antagonisten auf, der im Laufe der Geschichte viel an Profil gewann. So kann’s weitergehen.

11. Alice Munro – Hateship, Friendship, Courtship, Marriage
Die Kurzgeschichten von Alice Munro enthalten ganze Universen. Vor allem die Titelgeschichte ihres Erzählbands ist genau genommen ein Roman, der auf dreißig Seiten abdeckt, wofür andere Erzähler 300 Seiten brauchen (und ich wohl 3.000).

12. Ursula Poznanski – Layers
Wie alle Jugendthriller von Ursula Poznanski lebt auch „Layers“ sehr stark von der überragend gezeichneten Psychologie und der Gruppendynamik der Protagonisten. Das Setting und die Idee sind grandios, der Roman ist wie immer zum Nägelkauen spannend und die Auflösung stimmig. Ein Pageturner im besten Sinne.

13. Theresa Prammer – Wiener Totenlieder
Kaum eine andere Protagonistin hat mich 2015 so sehr in Verzücken versetzt wie Carlotta Fiore, die unfreiwillige Ermittlerin in Theresa Prammers Krimi „Wiener Totenlieder“. Lotta ist ein ziemliches Mistvieh, trägt das Herz auf der Zunge und schert sich nicht viel um Konventionen. Ich liebe diese Figur! Und die Morde, die in diesem Buch geschehen, sind absurd witzig und bringen noch mal zusätzlichen Drive rein.

14. Philip Roth – Everyman
Wie schon erwähnt habe ich 2015 das Spätwerk von Philip Roth, seine letzten vier Kurzromane, gelesen. „Everyman“ ist für mich das stimmigste, dringlichste Buch gewesen und zeigt, wie bitter Altern sein kann.

15. Isabella Straub – Das Fest des Windrads
Der zweite Roman von Isabella Straub hat mir sogar noch besser gefallen als ihr Erstling „Südbalkon“. „Das Fest des Windrads“ ist ein Clash of Culture, mal witzig, mal traurig, mal tiefsinnig – einfach wie das Leben selbst, das passiert, während man damit beschäftigt ist, andere Pläne zu machen. (Zitat Ende. Aber ich glaube, Lennon hätte den Roman gemocht.)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Meine Top15 der im Jahr ’15 gelesenen Bücher auf Thomas Mühlfellner.

Meta

%d Bloggern gefällt das: