Buch der Woche: Doris Runge – zwischen tür und engel

6. Oktober 2013 § Ein Kommentar

Heute gibt’s mal wieder eine Lyrikempfehlung. Über Doris Runge bin ich gestolpert wie ich über Lyrik allgemein stolpere: beim Stöbern in der Buchhandlung. Ein paar Zeilen angelesen und schon bin ich hängengeblieben.

Wofür andere Dichter ganze Seiten brauchen, schafft Runge in wenigen Wörtern. Ihre Miniaturen sind von einzigartiger Dichte, viele Zeilen bestehen nur aus einem einzigen Wort, das dann auch noch oft die Tür öffnet zu einer weiteren Sinnebene. Vordergründig sind es oft kurze Beobachtungen, Naturbeschreibungen, Reflexionen, die Runge zeigt, aber wenn man genauer hinblickt, erkennt man die dahinter liegende Ebene, das Abgründige. Dass sie zur Gänze auf Satzzeichen verzichtet und alles konsequent in Kleinschreibung hält, ermöglicht es Runge, mit geringen Mitteln nahtlose Übergänge zu schaffen. Der Leser bemerkt kaum, was mit ihm geschieht, und findet sich plötzlich in einer gänzlich anderen Welt wieder als jener, die er vor wenigen Zeilen noch betreten hat.

Runges Werk ist schmal, man ist schnell durch damit, doch hallt es lange nach und es lädt vor allem zum erneuten Lesen ein, denn immer wieder entdeckt man neue Abzweigungen, die man noch nicht gegangen ist.

Advertisements

§ Eine Antwort auf Buch der Woche: Doris Runge – zwischen tür und engel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Buch der Woche: Doris Runge – zwischen tür und engel auf Thomas Mühlfellner.

Meta

%d Bloggern gefällt das: