Buch der Woche: Stephen King – Joyland

21. September 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Stephen King ist jener Autor, der mich nach einer längeren Dürrephase als Jugendlicher wieder zum Lesen gebracht hat. Und er wird auch einer jener Autoren sein, die mich mein Leben lang begleiten. So viel kann ich nach mittlerweile 16 Jahren, die ich ihn schon lese, sagen. Meine literarischen Vorlieben haben sich in dieser Zeit immer wieder mal gewandelt, aber Stephen King ist geblieben. Und so war auch meine Freude sehr groß, als ich hörte, dass dieses Jahr sogar zwei neue Romane des Meisters erscheinen. „Joyland“ ist der erste, und auch wenn dieser vielleicht von manchen nicht mehr als eine Fingerübung gesehen wird für die langersehnte Fortsetzung von „Shining“, das Ende September erscheinende „Dr. Sleep“, so zeigt Stephen King hier dennoch all seine Klasse und seine Tugenden und Fähigkeiten, für die ich ihn so unendlich bewundere.

Was nämlich „Joyland“ und im Grunde fast alle seine Werke auszeichnet ist, dass er vielschichtige Ebenen und auch schwierige Botschaften und emotionale Tiefe mit leichter Hand erzählt. Vordergründig ist „Joyland“ eine Art Mischung aus Krimi, Geistergeschichte und Coming-of-Age-Drama. Aber wenn man tiefer blickt, erkennt man ganz große Themen wie Liebe und Tod, wie Finden und Loslassen, Freundschaft und Respekt, aber auch letzten Endes um die Kraft und die Weisheit, ein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen bestreiten zu können.

Der Inhalt: Der Student Devin Jones (Ich-Erzähler in diesem Roman) kommt Anfang der 70er in den Vergnügungspark Joyland an die Küste, um dort über den Sommer zu arbeiten und so weit wie möglich (was gar nicht so einfach ist) das Mädel zu vergessen, das ihm gerade das Herz aus der Brust gerissen hat. Er schließt in Joyland neue Freundschaften und die Arbeit im Park macht ihm Freude und öffnet ihm auch die Augen für ungeahnte Talente. Allerdings liegt ein Schatten über dem Vergnügungspark. Denn in der Geisterbahn wurde vor einigen Jahren eine junge Frau während einer Fahrt kaltblütig ermordet, und nun soll es dort angeblich spuken. Devin bleibt auch über den Sommer hinaus, denn er spürt, dass Joyland für ihn mehr bereit hält als nur ein paar Dollar an Entgelt und einen schönen Sommer. In Joyland wird er zum Mann werden, und dafür wird er große Opfer bringen müssen.

„Joyland“ ist herrlich leicht geschrieben. Stephen King schafft es, eine unverwechselbare, ungemein sympathische Erzählstimme zu kreieren, und auch die Figuren in seinem Roman sind wundervoll gezeichnet. Wie bei den meisten seiner Romane ging es mir auch bei „Joyland“ so, dass ich am liebsten in das Buch hineingekrochen wäre, um mit Devin, Tom und Erin durch den Vergnügungspark zu schlendern. Am Ende des Buchs sind die Hauptfiguren Freunde geworden, man kennt sie durch und durch – es sind die sympathisch-durchgeknallten Typen, die man selbst leider nie kennengelernt hat, die aber trotzdem hinter jeder Ecke zu warten scheinen. Es sind die Freunde, mit denen man lange Abende am Seeufer verbringt, an denen das Leben für ein paar Stunden lang leicht wird. Aber man darf sich durch diese Leichtigkeit, die Stephen King vermittelt, nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass er ein sehr intelligenter und vielschichtiger Autor ist, der den Leser zunächst genau dahin führt, wo er ihn haben möchte, um ihn danach mit voller emotionaler Wucht zu treffen. Und plötzlich schält sich aus dieser leichten Lektüre eine Geschichte, die bis an den Kern des Menschlichen dringt und den Leser mit dem vagen Gefühl zurücklässt, einen neuen Blick auf das Leben an sich geworfen zu haben, ohne aber bestimmte Antworten zu kennen, denn Gewissheit gibt es letztlich nicht. Das Ende, ja das Ende ist dann einfach fantastisch. Es ist wuchtig (im Sinne von emotional fordernd), es ist absolut stimmig und konsequent. Wie immer geht Stephen King keine faulen Kompromisse ein. Er schont weder Figuren noch Leser. Am Ende haben beide Seiten wichtige Erfahrungen gemacht und neue Erkenntnisse gesammelt. Und sie gehen vielleicht mit ein paar offenen Wunden, aber letztlich gestärkt aus dem Buch hervor.

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