Buch der Woche: Richard Schuberth – Trommeln vom anderen Ufer des großen Flusses. Eine Donau-Farce

14. Juli 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach längerer Pause geht es wieder weiter mit den Büchern der Woche. Heute möchte ich euch ein kleines Büchlein, das ich im Rahmen der Leipziger Buchmesse ergattert habe, ans Herz legen: Richard Schuberths im Kleinverlag Drava erschienene Donau-Farce „Trommeln vom anderen Ufer des großen Flusses“. Ein Stück in drei Akten, gleichzeitig allerbestes Bauchmuskeltraining, denn:

Die kulturelle Elite des Westens hat sich auf dem Superdampfschiff Argo versammelt und schippert gegen Osten in Richtung Balkan, um dort nach der Echtheit zu suchen, läuft aber auf eine Nato-Bombe bei Novi Sad auf. Die einzigen Überlebenden des Desasters sind eine deutsche Kulturkritikerin, der Kulturreferent einer internationalen Bank (die sich spinnefeind sind, sich aber dank Hellmuth Karaseks aufgedunsenem Leichnam als Rettungsboje gemeinsam retten konnten), der Kärntner Volxmusiker und Musikethnologe Lois K@r@w@nkinger (mit Klammeraffen, nicht mit A, wie er immer betont), ein seniler und dauergeiler Priester, ein Mädel vom Balkan und der Old Shatterhand des Ostens, Trader Horn, ein unglaublicher Selbstdarsteller und Blender. Sie alle versammeln sich auf einem Dampfer, der vom alten Kapitän Zvonko gesteuert wird. Dieser will eigentlich eher seine Ruhe haben, aber so einfach ist das nicht, denn all seine Passagiere sind aus unterschiedlichen Gründen auf der Suche nach einem ominösen Dragutin Dragulescu, der sich selbst zum Zaren des Balkan ausgerufen hat. Und dann spielen plötzlich Vampire, Wassernixen, Skythen und NGOs auch noch mit rein ins Chaos – und die Liebe, und die ist am allergefährlichsten.

Schuberth geht gleich von Anfang an ein Höllentempo, Gag folgt auf Gag, und dabei ist der Humor immer schön bösartig und teils bitterschwarz. Auf absurdeste Art und Weise spielt er mit Klischees (Österreicher, Deutsche, ihr Bild vom „Wilden Osten“, der Kulturbetrieb an sich) und lässt die europäische Kulturelite wortwörtlich ins Nichts treiben. Seine Donau-Farce fasert gegen Ende zwar ein bisschen aus, auch die Running Gags nutzen sich mit der Zeit ein klein bisschen ab, aber unterm Strich ist dieses Stück dennoch mit Abstand das Lustigste, was ich dieses Jahr bisher gelesen habe – auch wenn einem bei manchen zynischen Spitzen das Lachen fast im Hals steckenbleibt.

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