Buch der Woche: Vladimir Nabokov – Lolita

26. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Mein Buch der Woche ist einer der bekanntesten und skandalträchtigsten Bücher des 20. Jahrhunderts: „Lolita“ von Vladimir Nabokov.

Auch hier ist die Geschichte (sofern nicht ohnehin schon bekannt) wieder rasch umrissen: Der pädophile europäische Literaturwissenschaftler, der sich selbst den Decknamen Humbert Humbert gibt, trifft in den USA auf die „Nymphette“ (wie er in seinem Wahn diese Mädchen in der Pubertät bezeichnet) Dolores Haze, genannt Dolly oder Lo oder eben Lolita. Um ihr näher sein zu können, lässt er sich sogar auf eine Ehe mit ihrer verwitweten Mutter ein. Als diese sein Tagebuch findet, in dem er seiner Besessenheit zu Lolita und gleichzeitiger Abscheu der Mutter gegenüber Ausdruck verleiht, stürzt diese wahnsinnig in ein vorbeifahrendes Auto und damit in den Tod. Damit beginnt eine Odyssee von Humbert mit Lolita quer durch die Staaten. Er verführt sie (oder sie verführt ihn), und sie werden – Stiefvater und Tochter – ein Paar. Mit der Zeit nimmt dieses Verhältnis immer zwanghaftere Züge an, bis Lolita schließlich ausbricht und verschwindet.

Wie ist nun meine Meinung zu dem Buch? Nun, nachdem ich es in der Rubrik „Buch der Woche“ gelistet habe, keine schlechte, wie man sich denken kann. Der Inhalt geht an die Nieren, und als Leser wird man mit Neigungen konfrontiert, von denen man lieber nichts wissen möchte – „Lolita“ ist sicherlich ein unbequemes Buch – doch ist das so großartig gemacht, sprachlich so fein und kunstvoll gewoben, dass der Roman eine Sogwirkung entfaltet, der man sich nur schwer entziehen kann. Ich habe vor allem diesen wunderbar opulenten, teils überaus sarkastischen Stil, den Nabokov seinem Erzähler Humbert in den Mund gelegt hat, bewundert. Hier verschachteln und falten sich die Sätze zu schillernden Kunstwerken und enthalten gleichzeitig beißenden Spott, der sich sowohl gegen die Gesellschaft, als auch gegen den Erzähler selbst richtet. Und das macht das Buch unterm Strich dann vielleicht auch wieder erträglich: Dass Humbert genau weiß, welch unangenehmer Zeitgenosse er ist, und so trägt – anders als zB in Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“ (hier an anderer Stelle schon einmal vorgestellt) – der Leser nicht die Verantwortung für den Charakter, sondern kann ihn, zusammen mit ihm selbst, verachten.

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