Großartige Buchtitel

7. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Manche Buchtitel klingen einfach im Ohr, wecken die Neugier des Lesers oder bringen ihn auch zum Schmunzeln. Und die besten dieser Titel bleiben im Gedächtnis, von wo aus sie immer wieder mal auftauchen wie alte Bekannte hinter einer Straßenecke. Einige davon habe ich hier in beliebiger Reihung zusammengesammelt, Titel, die ich großartig finde – ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich (und wer möchte, kann diese Liste gern mit weiteren großartigen Titeln im Kommentar ergänzen). Ich habe nicht alle dieser Bücher gelesen, und manche davon werde ich wohl auch nie lesen, aber dennoch haben sich diese Titel eingebrannt. Im Übrigen werde ich gegebenenfalls diese Liste immer wieder mal selbst erweitern, wenn mir großartige Buchtitel unterkommen.

Die Welt ist groß und Rettung lauert überall (Ilija Trojanow)
Vielleicht mein Lieblingstitel. Die Genialität dieses Titels liegt im Verb „lauern“. Ein einfaches Wort, und solch eine Wirkung!

Das Schicksal ist ein mieser Verräter (John Green)
Noch so ein Husarenstreich. Ich weiß nun nicht, ob die Zeile – wie auch der Originaltitel „The Fault in our Stars“ – aus Shakespeares „Julius Cäsar“ stammt, aber es ist mir auch egal. Der Titel klingt einfach fantastisch.

Die Schrecken des Eises und der Finsternis (Christoph Ransmayr)
Kälter kann ein Buch nicht sein, und kälter kann auch kein Titel sein. Wer zu diesem Titel greift, weiß, worauf er sich einlässt.

Die Liebe in den Zeiten der Cholera (Gabriel García Márquez)
Welch wunderschöner, poetischer Titel. Liebe und Cholera in einem Atemzug zu verbinden, das kann auch fürchterlich schief gehen.

Im Schatten junger Mädchenblüte (Marcel Proust)
Noch so ein poetischer Titel, der zweite Band von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. (Dieser Titel hätte sich ebenfalls eine eigene Erwähnung verdient.) Ein Spätsommertitel, finde ich, einer, der zum Träumen einlädt.

Carl Haffners Liebe zum Unentschieden (Thomas Glavinic)
Ein Unentschieden ist für gewöhnlich ein Resultat im Sport, das keinen der beiden Kontrahenten glücklich macht. Diesen Umstand hat sich Glavinic zunutze gemacht und durch die Liebe zum Unentschieden auf die Hauptfigur Carl Haffner neugierig gemacht. Das Buch beruht übrigens auf dem Schach-Großmeister Karl Schlechter, der beinahe den großen Emanuel Lasker im Weltmeisterschaftskampf bezwungen hätte. Eine großartige und sehr berührende Charakterstudie.

Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Ray Bradbury)
Ich weiß gar nicht, ob mir die deutsche Übersetzung oder das englische Original „Something Wicked This Way Comes“ besser gefällt. Beide sind gleichermaßen elegant wie unheimlich.

Hungrig bin ich, will deinen Mund (Pablo Neruda)
Dieser Titel steht über einer Sammlung von Liebesgedichten, die Neruda seiner geliebten Matilde Urrutia gewidmet hat. Die Zeile stammt aus einem seiner Gedichte, und nirgends habe ich je die Liebe als hungrige Sehnsucht treffender beschrieben gefunden.

Das Herz ist ein einsamer Jäger (Carson McCullers)
Was will man mehr dazu sagen? Das klingt, das hat Drive, das macht neugierig!

Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah (Haruki Murakami)
Viel sperriger kann ein Titel kaum sein, aber trotzdem bleibt er hängen. Als Leser bin ich einfach neugierig auf das 100%ige Mädchen, und ich glaube, es ist diese Prozentangabe, die den Titel erst so richtig gut macht. Bei „Wie ich eines schönen Morgens im April das ideale Mädchen sah“ hätte einfach etwas gefehlt.

Mein Name sei Gantenbein (Max Frisch)
Gut, Gantenbein an sich ist schon ein ungewöhnlicher Name, der haften bleibt. Aber es ist das Wörtchen „sei“, das hier alles definiert und den Titel (wie auch das Buch) so unglaublich interessant macht. Wer ist dieser Gantenbein nun wirklich? Das ist die Frage, die unweigerlich beim Lesen dieses Titels auftaucht.

Wem die Stunde schlägt (Ernest Hemingway)
Ein Klassiker, sowohl der Titel als auch das Buch selbst natürlich. Der Titel ist karg und präzise wie Hemingways Prosa selbst.

Die Legende vom heiligen Trinker (Joseph Roth)
Bei Büchern, die Legenden im Titel haben, bin ich normalerweise eher skeptisch, aber in Kombination mit dem heiligen Trinker ist nur zu applaudieren.

Der Tod kommt schnell in Mexiko (Ray Bradbury)
Noch ein Bradbury-Titel. Im Grunde ist hier nichts Aufregendes zu entdecken, aber wenn man die Augen schließt, hört man den Wind durch die karge Steppe pfeifen und spürt die alles versengende Sonne auf der Haut.

Wunschloses Unglück (Peter Handke)
Ein wirklich gelungenes Sprachspiel mit Tiefgang. Mehr ist dazu nicht zu sagen, der Titel spricht für sich.

Der Fänger im Roggen (J.D. Salinger)
Dieser Titel macht neugierig. Welcher Fänger? Warum der Roggen? Ein kleiner Titel mit großer Wirkung.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (Milan Kundera)
Das zentrale Element dieses Titels ist das Wort „unerträglich“. Ich könnte mir vorstellen, dass der Titel mittlerweile öfter gebraucht wird als die simple Redewendung von der Leichtigkeit des Seins. Seit Kundera wissen wir: Diese Leichtigkeit muss unerträglich sein.

Des Mauren letzter Seufzer (Salman Rushdie)
Nichts fürs Lipselnde, aber trotzdem ein ganz großer, sprachgewaltiger Titel. Die ganze Tragik und Dramatik von Rushdies Geschichte wird hier schon umrissen. Wunderbar!

Die satanischen Verse (Salman Rushdie)
Das berühmte Buch, aufgrund dessen die Fatwa mit dem Todesurteil über Rushdie ausgesprochen wurde. Aber auch ohne diesem Hintergrund würde der Titel heute noch jedem Leser im Ohr klingen, weil er einfach gut ist.

Der Gott der kleinen Dinge (Arundhati Roy)
Es tut gut zu wissen, dass es nicht nur diesen weißbärtigen, oftmals milde gestimmten, manchmal auch griesgrämigen Herrn im weißen Leintuch gibt, sondern auch einen Gott für die kleinen Dinge des Lebens, die so unendlich viel Bedeutung bekommen können. Ein interessanter Titel, der Lust auf das Buch macht.

Hundert Jahre Einsamkeit (Gabriel García Márquez)
Gabriel García Márquez zum Zweiten. Der Titel ist nicht ganz so genial wie „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“, finde ich, aber trotzdem höchst gelungen.

Kafka am Strand (Haruki Murakami)
Noch ein Murakami. Ein vordergründig eher unscheinbarer Titel, aber die Kombination von Kafka, diesem verschlossenen, unsicheren, aber so genialen Schriftsteller, mit dem Strand, der eher für gute Laune, Erholung und Spiel steht, macht den Titel richtig interessant.

Idylle mit ertrinkendem Hund (Michael Köhlmeier)
Welch krasser Gegensatz zwischen der Idylle und dem Sterben! Und selten hat ein zunächst absurd wirkender Titel so perfekt auf den Inhalt gepasst wie hier.

Herr der Fliegen (William Golding)
Dieses Buch ist so berühmt, dass wohl kaum jemand mehr über den Titel selbst nachdenkt. Und dabei ist dieser an sich sehr tragikomisch. Der große Herr über die gemeinen Schmeißfliegen.

Gruber geht (Doris Knecht)
Gruber geht. Ja, aber wohin? Wer ist Gruber überhaupt? So ein Allerweltsname – wie kann es sein, dass der zum Romanhelden wird? Macht neugierig.

Wenn ein Reisender in einer Winternacht (Italo Calvino)
So unvollständig wie der Titel ist auch der gesamte Roman, diese absurd-geniale Verschachtelung von Romananfängen und Realitätsebenen. Eigentlich ist „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ein ziemlich banaler Beginn für einen Satz, aber die Unvollständigkeit macht ihn interessant.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum (Heinrich Böll)
Ich finde, dass Katharina Blum ein sehr schöner Name ist. Und es tut mir verflucht leid, dass sie ihre Ehre verloren hat. Wie es dazu gekommen ist? Ja, das will ich lesen.

Die Einsamkeit der Primzahlen (Paolo Giordano)
Es ist offensichtlich: Primzahlen sind einsam. Aber diesen Gedanken muss man erst einmal haben. Danke, Paolo Giordano, dass du das erkannt und so poetisch festgehalten hast.

Hier könnte ich zur Welt kommen (Marjorie Celona)
Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber allein der Titel macht mich neugierig darauf. Ein gewitzter Titel.

Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Umberto Eco)
Loana ist ein sehr unüblicher Name, der allein schon nach Geheimnis klingt. Und dann ist diese Loana auch noch Königin und es geht um eine Flamme, etwas sehr Vergängliches also, das alles klingt unheimlich spannend.

Die Stadt der Blinden (José Saramago)
Eine ganze Stadt voller Blinder: Das ist doch mal eine Ausgangsidee für einen Roman! Ein klarer Titel, der mit nichts kokettiert, und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb so gut im Ohr bleibt.

Die Entdeckung des Himmels (Harry Mulisch)
Der Witz dieses Titels liegt meiner Meinung nach in der Doppeldeutigkeit des Begriffs Himmel. Was meint der Autor / Übersetzer nun? Den meteorologischen Himmel mit all seinen Wolkenschichten und Winden? Oder den religiösen Himmel? Wer das Buch liest, wird es erfahren.

2666 (Roberto Bolano)
Zugegeben, ich bin ein großer Fan dieses Buchs. Aber ich hätte damals nicht zugegriffen, wenn mich nicht der Titel fasziniert hätte. Eine simple Zahl, die aussieht wie die Ahnung einer fernen Zukunft. Was steckt dahinter?

Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist (Selim Özdogan)
Als ich den Titel das erste Mal las, musste ich laut lachen. Dieser lakonische Witz ist einfach zu köstlich. Und auch wenn ich keine Ahnung habe, worum es in dem Buch geht, so muss ich das wohl irgendwann einmal lesen, keine Frage!

Alles ist erleuchtet (Jonathan Safran Foer)
Ich mag diese leise Poesie. Ich weiß nicht, ob ich das Buch mag / mögen werde, aber der Titel gefällt mir.

Rot ist mein Name (Orhan Pamuk)
Ich finde, dass der Titel ein wenig sperrig klingt. Aber dennoch macht er neugierig, vor allem aufgrund der interessanten Syntax, die die Betonung auf die Farbe (oder eben den Namen) Rot lenkt.

Ja (Thomas Bernhard)
Der kürzeste Titel auf der Liste beschließt diese auch. Zwei Buchstaben, die etwas Lebensfrohes, ein Gute-Laune-Buch vermuten lassen, und dann sieht man den Autor: Thomas Bernhard, den großartigen Grantler und Sezierer der österreichischen Seele. Es ist die Kombination von Titel und Autor, die fasziniert, und als Leser weiß man, dass man alles bekommen kann, nur nicht das Erwartete.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Großartige Buchtitel auf Thomas Mühlfellner.

Meta

%d Bloggern gefällt das: