Buch der Woche: Cordula Simon – Der potemkinsche Hund

28. April 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Cordula Simons Debutroman „Der potemkinsche Hund“ war ein Zufallstreffer auf der Buchmesse Leipzig. Beim Kaffee bin ich über die Ankündigung ihrer Lesung gestolpert, und da der Inhalt vielversprechend geklungen hat, bin ich dort hin und war nicht nur hin, sondern auch weg.

Die Geschichte ist ebenso schwarzhumorig wie bitter: Der junge Anatol erwacht in seinem Grab, sämtliche Körperöffnungen zugenäht (der Leichenbestatter hat gute Arbeit geleistet) und ziemlich neben sich. Er hat kaum Erinnerungen an sein Leben, alles ist verwirrend, und wenn nicht ein mysteriöser Hund, den er kurzerhand „Celobaka“ („Menschenhund“) nennt, wäre, dann wäre es um ihn wohl noch schlechter bestellt. Aber der Hund führt ihn aus dem Friedhof hinaus und in die Stadt Odessa zurück, wo Anatol herauszufinden versucht, was mit seinem Leben passiert ist – und wie er es wieder zurückhaben kann. Seine Erweckerin, die Nachbarin Irina, die ihn aus der Ferne liebt/e, irrt selbst durch die Gegend und vermisst ihren Anatol sehr, nicht ahnend, dass ihr naturwissenschaftliches Experiment am Friedhof erfolgreich war. Es kommt, wie es kommen muss: Zufällig begegnen sich die beiden wieder. Aber mehr möchte ich nun nicht verraten, denn das sollte man selbst gelesen habe.

Eine sehr poetische Sprache, eine herausfordernde Struktur (so wechseln die Perspektiven in den verschiedenen Kapiteln von den Hauptfiguren bis hin zu den Nebenfiguren und einmal auch zum Hund selbst), eine außergewöhnliche und in ihrem zerfasernden Ende auch konsequente Geschichte, das alles macht die Lektüre nicht unbedingt einfach, aber schillernd und lohnend. Einfach gute Gegenwartsliteratur, die Risiken eingeht und damit vielleicht nicht auf allen Linien gewinnt, aber gerade deshalb überzeugt.

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