Zum Welttag des Buches

23. April 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute ist der Welttag des Buches. Nachdem ich meine erste Pflicht erfülle, nämlich allen hier laut zuzurufen: „Nehmt euch wieder mal ein Buch in die Hand, ihr Vielleser und Wenigleser, taucht ein in eine Geschichte, ob lang oder kurz, oder erfahrt mehr aus der Welt aus Sachbüchern und Fachliteratur – aber lest!“, möchte ich noch ein paar grundsätzliche Gedanken aufwerfen zu Büchern und dem Lesen an sich. Ich stelle einfach mal die provokante Frage in den Raum: Brauchen wir überhaupt noch weitere Bücher?

Jedes Jahr erscheint eine Unmenge neuer Bücher im Buchmarkt. Und in Zeiten der e-Books und des damit verbundenen einfachen Weges des Selfpublishing wird die Zahl mit Sicherheit nicht abnehmen. Vor Jahren habe ich einmal die Zahl der Neuveröffentlichungen im deutschsprachigen Buchmarkt innerhalb eines Jahres gefunden. Ich möchte mich nicht darauf festnageln lassen, aber wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, dann lag die Zahl irgendwo bei 80.000 herum. 80.000 Neuerscheinungen! Jedes Jahr! Wer soll das, bitteschön, überhaupt noch überblicken? Ist das nicht zu viel?

Meine Erfahrung ist: Je mehr man liest und je mehr man kennt, desto mehr kennt man nicht. Man entdeckt die Lücken. Selig sind da manchmal die Wenigleser, die alle paar Monate mal zu einem Buch greifen und sich dann an der Bestsellerliste orientieren (können). Wer differenzierter vorgehen will und nach seinem persönlichen Gusto auswählt, hat oft die Qual der Wahl. Zu viel Interessantes liegt dann auf den Stapeln, noch viel mehr Interessantes, ganze Welten tun sich in den Regalen auf, unscheinbare kleine Bändchen, lieblos hineingestopft zwischen Brown und Coelho. Das will alles entdeckt werden. Das will alles gelesen werden. So viele Bücher, so wenig Zeit!

Insofern erscheint die Eingangsfrage durchaus berechtigt zu sein. Sind das nicht zu viele Bücher? Sind wir nicht völlig ausreichend damit beschäftigt, das zu lesen, was es schon gibt? Wozu dann jedes Jahr noch zigtausende neue Bücher herausbringen, wenn nur ein kleiner Promillesatz überhaupt die Aufmerksamkeit einer breiteren Masse erregt? Und warum zum Geier bin ich der Meinung, selbst noch von mir Geschriebenes zu dieser ganzen Flut beitragen zu müssen? Ist das nichts anderes als reine Ego-Pflege?

Nun, vielleicht ist es das. Andererseits sind die Geschichten da, und sie wollen aufgeschrieben werden. Ein Autor ist immer der Knecht seiner Geschichten. Er fügt sich, er leidet und schwitzt bis zum bitteren Ende und die Geschichte endlich fertig ist, er kann gar nicht anders. Natürlich müssen viele Geschichten nicht unbedingt geschrieben werden, denkt man sich als Leser, und bei manchen wäre es sogar besser gewesen, sie wären nie geschrieben worden. Doch in dem Moment, in dem der Autor an seinem Schreibtisch, im Garten, wo auch immer sitzt, und die Geschichte in seinen Computer, auf seine Schreibmaschine hämmert oder mit Krämpfen in den Fingern aufs Papier kratzt, in dem Moment muss die Geschichte geschrieben werden. Sie drängt hinaus, sie will in die Welt gesetzt werden, so klein die Welt manchmal auch sein mag.

Muss alles, was geschrieben wird, auch veröffentlicht werden? Nein, das wohl nicht. Aber es ist trotzdem schön, dass es da ist. Als Leser kann man wählen, und auch wenn es manchmal echten Schweiß kostet, in dem riesigen Zuckerwarenladen namens Buchhandlung die richtig guten Süßigkeiten auszuwählen und jene, die einfach nur die Zähne verkleben, zur Seite zu lassen, bin ich dennoch froh, dass ich diese Möglichkeit habe. Und jede neue Geschichte hat ihre Berechtigung. Sie hat sich ihren Weg, ihren Autor, gefunden, um in die Welt zu gelangen. In dieser Weise sind Geschichten wie neue Menschen auf diesem Planeten. Mit welchem Menschen ich nun rede und mit welchem nicht, welches Buch ich lese und welches nicht, das kann immer noch ich selbst entscheiden. Aber schön, dass ihr alle da seid. Herzlich willkommen!

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