Buch der Woche: Philip K. Dick – Eine andere Welt

21. April 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Philip K. Dick war einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren überhaupt. Eine Vielzahl seiner Geschichten wurden erfolgreich verfilmt (allen voran „Blade Runner“ und „Minority Report“). „Eine andere Welt“ ist der zweite Roman, den ich von Dick gelesen habe, und während ich mit der „Galaktischen Topfheilerin“ nicht so richtig warm geworden war, zog mich „Eine andere Welt“ komplett in ihren Bann.

Dicks Romane sind einfach zu lesen, die Sprache ist sehr schlicht und die narrativen Teile manchmal sogar ein klein wenig ungelenk. Dafür hatte Dick andere Stärken: Die Psychologie seiner Figuren weiß stets zu überraschend, an der Oberfläche sind sie fast schon Stereotypen, aber wenn man dann tiefer gräbt in der Geschichte, tun sich Abgründe auf, die man nicht erwartet hätte. Dazu kommen extrem spannende Dialoge, die oft in Richtung eines psychologischen Schlagabtausches gehen und dabei philosophische Grundfragen berühren, dennoch aber so wirken, als hätte sie Dick im Alltag aufgeschnappt. Da ist nichts Artifizielles zu bemerken, sondern einfach ein verdammt gutes Ohr für Gespräche.

Worum geht’s in „Eine andere Welt“? Die Handlung spielt in einer nahen Zukunft, in der die USA ein totalitärer Polizeistaat sind (klassisches Szenario). Der berühmte Fernsehstar und Sänger Jason Taverner wacht eines Tages in einem schäbigen Hotelzimmer auf und stellt fest, dass er keinen einzigen Ausweis mehr hat – ein echtes Problem in einem Staat, in dem dich die Polizei auf Schritt und Tritt überwacht – und niemand von seiner Existenz zu wissen scheint. Sämtliche Daten sind gelöscht, den berühmten Jason Taverner gibt es einfach nicht. Bei seinem Versuch, sich wieder eine Existenz zu verschaffen, stößt er auf diverse Menschen mit diversen Problemen und er lernt die Schattenseiten des Überwachungsstaates kennen, der es bisher immer gut mit ihm gemeint hat. Die Auflösung möchte ich hier nicht verraten, nur so viel: Sie ist einerseits überraschend, andererseits auch wieder schlüssig. Nur ganz am Ende hätte ich mir gewünscht, dass Dick etwas mehr Mumm in den Knochen gehabt hätte und die Geschichte bis zu ihrer bittersten Konsequenz geführt hätte. Das Ende ist nicht schlecht, aber ein bisschen zu glatt gebügelt für meinen persönlichen Geschmack.

Dennoch: Ein guter Roman, der sich allein schon wegen der Figuren und der Dialoge zu lesen lohnt, nebenbei aber auch noch die spannende Frage nach der Realität und wodurch sie konstituiert wird aufwirft.

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