Buchmesse Leipzig – eine Nachbetrachtung aus lesender Perspektive

20. März 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe es vergangenes Wochenende endlich zum ersten Mal auf eine Buchmesse geschafft, nach Leipzig. Wahrscheinlich war das eine gute Wahl, da mir schon im Vorfeld von einigen erfahrenen Messepilgern mitgeteilt wurde, dass in Leipzig zwar schon viel los sein soll, Frankfurt aber noch viel größer, enger, stressiger sein dürfte. Leipzig also. Zusammen mit meiner guten Freundin Claudia Toman schwang ich mich am Freitagnachmittag ins Auto und brauste der Messestadt entgegen. 6,5 Stunden später dann erst einmal ein großes Hallo auf dem Montségur-Stammtisch und ein fröhliches Wiedersehen mit Teilen der „Leo-Gang“: Stephanie Schmitt, Mascha Vassena und Philipp Bobrowski sowie anderen netten Forenkollegen.

Am Samstag ging’s dann los. Treffpunkt Wiener Café in Halle 4 zum gemeinsamen Frühstück mit Mascha, Steffi, Claudia und Philipp – wobei erfreulicherweise auch die große (schriftstellerisch, körperlich und v.a. menschlich) Ursula Poznanski auf ein Häferl Kaffee vorbeikam – bei dem dichten Messeprogramm, das sie zu absolvieren hatte, wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Die Melange wurde tatsächlich stilecht mit Milchschaum serviert, was das ausgeprägte Sächseln des Kellners dann wieder so ziemlich wettmachte, die Gespräche waren angeregt und angesichts der Tatsache, dass der arme Hademar Bankhofer das – sicherlich nett geschriebene und pädagogisch wertvolle – Jugendbuch „Ozzibus und die Wurzelmännchen“ vorstellen wollte, wohl auch etwas zu laut, aber hey, so jung kommt man schließlich nicht mehr zusammen.

Da ich mich ja (noch) nicht zu der Autorenschaft zählen darf, sondern einfach als begeisterter und über die Maßen weiter begeisterungsfähiger Leser in Leipzig eingetrudelt bin, hatte ich in weiterer Folge das Privileg, mich einfach durch den Messetrubel treiben zu lassen und je nach Lust und Laune gestressten Messebesuchern an den Verlagsständen im Weg stehen konnte, wenn ich mich mal wieder zu intensiv in die dort ausgestellten Neuerscheinungen vertiefte, oder aber auch genüsslich Lesungen zuhören konnte, wenn’s mir gerade in den Sinn kam. Ich war ohnehin bereits nach wenigen Minuten im Siebten Himmel. Diogenes! Residenz-Verlag! Hanser! Picus! Jung & Jung! Rowohlt! Suhrkamp! Fischer! dtv! Usw. Da gab es kein Halten mehr …

Am Nachmittag stieß ich dann auf eine junge österreichische Autorin, Cordula Simon, die gerade aus ihrem Erstling „Der Potemkinsche Hund“ vorlas. Auch wenn ich die Lesung selbst jetzt nicht so berauschend war (ich finde, sie hätte etwas mitreißender lesen können, da der Text im Grunde sehr witzig und schwarzhumorig war), so konnte ich mich schnell für das Buch begeistern und holte mir gleich mein Exemplar – Messebeute Nr. 1. Das ließ ich mir noch von der Autorin signieren und zog dann weiter meine Runden.

Am Abend dann der gemütliche Ausklang im Kreis der Autoren der Agentin Natalja Schmitt, die Claudia und Philipp zum Essen eingeladen hatte, wobei die beiden auch eine Einladung für Steffi, Mascha und mich herausschlagen konnten. Und so ging – wieder mal objektiv gesehen viel zu spät, aber subjektiv betrachtet doch wieder genau richtig – der erste Messetag zu Ende.

Der Sonntag brachte zunächst eine Wiederholung des Samstages: Kaffeefrühstück im Wiener Café in Halle 4. Und wieder trafen sich vier Autoren (Claudia, Philipp, Steffi und ich) ein, um über Gott und die Welt zu plaudern – allein es kam ganz anders … Der arme Autor, dessen Lesung von uns in Mitleidenschaft gezogen zu werden drohte, hieß Richard Schuberth und war gewillt, aus seiner Donau-Farce „Trommeln vom anderen Ufer des großen Flusses“ zu lesen. Und tapfer begann er – es blieb ihm doch nichts Anderes übrig. Doch Wunder, Wunder: Der Text entpuppte sich als dermaßen geniales und überdrehtes Kleinod, dass wir schon bald verstummten und statt uns gegenseitig lieber ihm zuhörten – immer wieder unterbrochen von schallendem Gelächter. Keine Frage, dass wir anschließend alle zusammen die Bühne stürmten und ihm seine wenigen mitgebrachten Exemplare förmlich aus der Hand rissen. Insider-Info am Rande: Am 4. April liest Richard Schuberth aus seinem großartigen Werk im Porgy & Bess, eine zweistündige szenische Lesung mit Musikbegleitung. Absoluter Geheim-Tipp!

Der Rest des Tages brachte zwei stressige Stunden, als ich die Antiquariatsmeile mit den gebrauchten und daher lächerlich günstigen Büchern entdeckte und die Erfahrung, dass ich selbst den härtesten Versuchungen widerstehen kann, wenn es darauf ankommt, da es mir tatsächlich gelang, kein einziges gebrauchtes Buch mitzunehmen. Danach Ausklang mit den lieben Freunden auf einer letzten Messerunde (inkl. Staunen über den Anime-Bereich – die Cosplayer hatte ich am Tag davor schon gebührend bewundert) und eine sehr traurige, aber zügige und wohl auch nicht ganz legale Heimfahrt nach Wien in 6 Stunden.

Fazit: Viel zu viel zu sehen, viel zu viele Bücher, viel zu viele Menschen, also ein unbedingtes Muss auch fürs nächste Jahr!

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