Bücher: Meine Top 10 des Jahres 2011

2. Januar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Hier sind sie nun, meine Top 10 des Jahres 2011. Diesmal ist mir die Auswahl ein bisschen leichter gefallen als im Vorjahr, erstens, weil der Pool an gelesenen Büchern etwas kleiner war (44 Bücher dieses Jahr versus 58 im letzten Jahr), zweitens, weil sich einige an der Spitze wirklich aufgedrängt haben. Das sind sie nun, jene 10 Bücher, die mich in diesem Jahr am stärksten beeindruckt haben:

1. Roberto Bolaño – 2666 (Roman)
Prosa in ihrer Urgewalt. Bolaño konnte seinen Roman nie beenden, aber das über 1000-seitige Fragment ist dennoch beeindruckend, gerade auch aufgrund seiner Unvollständigkeit. Die hier verarbeiteten Geschichten laufen lediglich auf einer Meta-Ebene zusammen, der Titel deutet auf die Zukunft hin, eine Zukunft, in der das Menschliche aus allem Leben gewichen ist. Ein rätselhafter, archaischer Roman, der vielleicht nie ganz verstanden werden kann, aber wohl niemanden kalt lässt.

2. Horacio Quiroga – Die Wildnis des Lebens (Erzählungen)
Auch Platz 2 meiner Liste geht an einen spanischsprachigen Schriftsteller, den um die Jahrhundertwende in Südamerika lebenden Horacio Quiroga. Seine Erzählungen zählen zu den Wegbereitern der lateinamerikanischen Prosa, die vor allem im magischen Realismus des Gabriel García Márquez ihren Höhepunkt fand. Quirogas Erzählungen sind wild, eigentümlich und handeln vom Kampf der Zivilisation gegen die Wildnis. Stilistisch ist Quirogas Prosa vom Feinsten, und seine Geschichten hallen lange nach.

3. Raoul Schrott – Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde (Roman)
Den Roman wollte ich zu Recherchezwecken lesen, doch zog mich Schrotts Sprache bald in ihren Bann. Der Roman ist sehr sperrig zu lesen, manchmal sehr trocken, sehr wissenschaftlich, aber dennoch in seiner Detailgenauigkeit und fantastischen Sprache beeindruckend. Keine leichte Kost, aber die vereinzelt wie Morgentau schimmernden Sätze und diese unfassbare Informationsfülle, die auf fast schon manische Recherche hindeutet, entschädigen für manche Länge.

4. Wolf Haas – Das Wetter vor 15 Jahren (Roman)
Von Wolf Haas habe ich 2011 viel gelesen. Zum Einen alle Brenner-Krimis, zum Anderen den „Interview-Roman“, der es auf Platz 4 meiner Liste geschafft hat. Wolf Haas beweist hier extremen Mut und viel Witz: Den Roman „Das Wetter vor 15 Jahren“ gibt es im Grunde nicht. In einem (fiktiven) Interview unterhält sich Wolf Haas mit einer Redakteurin einer deutschen Kulturzeitschrift über eben diesen Roman, dessen Handlung im Rahmen des Gesprächs aufgerollt wird. So ist „Das Wetter vor 15 Jahren“ als Meta-Roman zu sehen und ein ähnlich unterhaltsames Versteckspiel wie beispielsweise „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ von Italo Calvino.

5. Victoria Schlederer – Des Teufels Maskerade (Roman)
Bange Frage: Würde dieser historische Fantasy-Roman auch auf meiner Liste stehen, wenn ich nicht die Ehre und das große Vergnügen hätte, mich zum Freundeskreis von Frau Schlederer zählen zu dürfen? Klare Antwort: Absolut! Denn was hier an Sprachwitz und fröhlicher Klischee-Brechung geboten wird, ist einfach sensationell. Dabei mit einem so hohen sprachlichen Niveau ausgestattet, dass ich diesen Roman, wenn wir schon kategorisieren und katalogisieren wollen, gar nicht rein zur Unterhaltungsliteratur zählen möchte, so unterhaltsam er auch ist. An den sprachlichen Fähigkeiten kann sich auch der eine oder andere ernsthafte Literat eine Scheibe abschneiden.

6. Walt Whitman – Grasblätter (Gedichte)
Walt Whitman, mein ständiger Begleiter durchs Jahr. Zugegeben, es war nicht immer einfach, sich durch die über 800 Seiten dieses monumentalen Gedichtbandes zu lesen, und es hat auch fast das ganze Jahr gebraucht, um damit fertig zu werden. Andererseits hat gerade diese intensive Beschäftigung meine eigene Einstellung zur Lyrik noch einmal ordentlich hinterfragt und durcheinandergebeutelt.

7. J.D. Salinger – The Catcher in the Rye (Roman)
Endlich habe ich auch mal den Salinger gelesen. Und ja, es hat definitiv einen Grund, warum der Roman über Generationen bei Jugendlichen und jugendlich Gebliebenen so beliebt ist, denn der Duft der Freiheit weht aus jeder Seite hervor.

8. Arthur Golden – Die Geisha (Roman)
Ein Geschenk einer lieben Freundin, und auch wenn mich das Setting dieses Romans vor dem Lesen wenig bis gar nicht gereizt hat, so hat mich das Buch dennoch innerhalb kürzester Zeit völlig für sich vereinnahmt. Spannende Intrigen, eine saftige Liebesgeschichte, eine fremde Kultur, mit viel Liebe zum Detail dargebracht, dazu eine sehr feine, gut lesbare Sprache – ich kann nun absolut nachvollziehen, warum dieses Buch so viele begeisterte Leser auf der ganzen Welt gefunden hat.

9. Stephen King – Under the Dome (Roman)
Endlich mal wieder ein richtiger Schinken von Stephen King, in dem es auch ordentlich zur Sache geht. Eine kleine Stadt wird eines Tages durch eine mysteriöse Kuppel von der Außenwelt abgetrennt. Und King entfacht in diesem Mikrokosmos mit seinen gut gezeichneten Figuren ein wahres Inferno. Dem Roman sieht man an, dass die Idee sehr lange reifte, mit Sicherheit einer der besten Romane von King in den letzten Jahren.

10. Lisa-Marie Dickreiter – Vom Atmen unter Wasser (Roman)
Bei diesem Roman handelt es sich definitiv nicht um leichte Kost oder Unterhaltung. Lisa-Marie Dickreiter schildert mit der Präzision einer Chirurgin die seelischen Befindlichkeiten einer Familie (Mutter, Vater, Sohn), die einen traumatischen Verlust hinnehmen musste. Sehr beeindruckend geschildert gänzlich ohne Tränendrüsen-Faktor, aber dafür mit vielen Zwischentönen.

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