Jetzt ist schon wieder was passiert …

26. Juni 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Jetzt ist schon wieder was passiert. Und klar, typisch für den Mühlfellner, wirst du jetzt sagen. Wenn einer so viele Bücher hat, braucht er eigentlich nicht noch mehr. Aber Teufelskreis. Je mehr Bücher du kennst, desto mehr entdeckst du noch dazu. Und natürlich auch Ehrgeiz. Weil wenn einer dem Mühlfellner das letzte Buch aus der Brenner-Reihe schenkt, muss er die vorigen auch lesen. Schön in der Reihenfolge. Wie er alles immer schön der Reihe nach macht. Ein bisschen stur ist er ja schon, das muss man zugeben. Gut, kriegt er also ‚Der Brenner und der liebe Gott’ und was macht er? Jetzt pass auf: Hat eh keine Kohle mehr und eigentlich liest er ja keine Krimis, aber kauft die anderen Bände auch. Bis zurück zu Adam und Eva. Und alle anderen Bücher, die er sonst noch so hat, gammeln im Regal. Weil ganz anders als beim Wein. Beim Wein: Je älter, desto besser. Bei Büchern: Je älter, desto vergammelter. Irgendwann stimmt nicht einmal mehr die Rechtschreibung. Dafür sorgt dann schon irgendein oberstudierter Stubenhocker. Der denkt sich dann, die deutsche Sprache könnte mal wieder eine Auffrischung brauchen. Dann wird aus dem scharfen S, wie du es kennst, also dieses b-förmige ß, ein Doppel-S. Und keiner kennt sich mehr aus. Frischer werden die Bücher dadurch nicht. Nur schwieriger zu lesen. Als ob die Kinder von heute nicht schon genug Schwierigkeiten hätten mit Pisa und so. Pisa kennst du. Schiefer Turm, der dann schräg fotografiert wird, damit er noch schiefer aussieht. Und natürlich Bildungstest, wo wir Österreicher einfach nichts reißen, das muss man zugeben. Wir sind halt fürs Gemütliche, und Bildungstest ungemütlich. Passt nicht zur österreichischen Urgemütlichkeit, so ein Test über Grammatik und Rechtschreibung und den ganzen Klimbim. Aber jetzt verheddere ich mich wieder, so wie auch der Mühlfellner immer. Und natürlich auch der Brenner. So schließt sich der Kreis dann doch wieder. Weil eigentlich ist ja was ganz Banales passiert: Der Mühlfellner hat sich alle Brenner-Krimis gekauft. Die was der Dings geschrieben hat, dieser Werbefuzzi. Kennst du sicher. Der Haas. Ja genau, der Wolf Haas. Schon eigenartig, dass der Haas im Vornamen Wolf heißt. So Beute und Jäger. Ein bisschen zwiegespaltene Persönlichkeit, könnte man meinen. Aber der schreibt eigentlich ganz flüssig. So frei nach Schnauze, ganz authentisch. Was Zwiegespaltenes findest du da nicht schnell. Und im Brenner auch nicht. Das ist so ein untersetzter Kerl. Risse und Poren hat der in der Haut, dass du meinen könntest, da hätte mal wer nach Öl gebohrt. Weil Öl wertvoll, neues Gold sozusagen. Aber Gold auch immer wertvoller, also stimmt das wieder nicht so ganz. Der Brenner halt klassischer Antiheld. Gelernter Österreicher eben, mitsamt der ganzen Gemütlichkeit. Macht aber trotzdem Spaß, ihm dabei zuzusehen, wie er gar nichts macht. Irgendwie fallen ihm die Lösungen der Fälle dann doch immer wieder in den Schoß. Er brütet halt gern, der Brenner. Und beim Brüten sind ja schon die irrsinnigsten Dinge herausgekommen. Nicht so beim Denken. Weil wenn der Brenner denkt, dann denkt er immer an die unwichtigen Sachen zuerst. Das ist so ein Problem beim Brenner. Hat ihm bei der Polizei auch nicht wirklich weitergeholfen, deshalb auch nach neunzehn Jahren auf Nimmerwiedersehen. Weil bei der Polizei sind sie froh, wenn sie Exkollegen später nicht wieder sehen müssen. Es ist nämlich immer so: Entweder der Exkollege dreht irgendein krummes Ding, dann einbuchten. Oder er löst ihnen den Fall vor der Nase weg. Auch blöd. Deshalb auf Nimmerwiedersehen. Aber den Brenner sehen sie dann doch immer wieder. Weil eben Zweiteres. Und das nur durchs Brüten. Und ob du es glaubst oder nicht, dem Mühlfellner gefällt das irgendwie. Ein sturer Hund eben. Deshalb kann er sich mit dem Brenner auch so gut identifizieren. Der ist gleich dings wie der Mühlfellner, so quasi aus dem gleichen Suppenwürfel gekocht. Ich wollte jetzt eigentlich sagen, aus dem gleichen Holz geschnitzt, aber das wäre zu viel der Ehre für den Mühlfellner. Jetzt hat er jedenfalls schon die ersten vier Bücher gelesen. Ruckzuck, da kannst du gar nicht so schnell Brenner sagen, wie der die ersten vier Bücher weggejausnet hat. Kann ich dir auch nur empfehlen. Weil da lernt man echt was fürs Leben, muss ich schon sagen. So Alltagsphilosophie, weil der Haas halt auch kein Blöder. Aber am besten kaufst du die Bücher noch jetzt, weil sonst nächste Rechtschreibreform. Und dann auch bei dir der Ofen aus mit Pisa.

Die Brenner-Krimis von Wolf Haas:
1. Auferstehung der Toten
2. Der Knochenmann
3. Komm, süßer Tod
4. Silentium!
5. Wie die Tiere
6. Das ewige Leben
7. Der Brenner und der liebe Gott

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