Bücher: Meine Top 10 des Jahres 2010

2. Januar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wieder einmal ist ein Jahr vergangen; eines, das in Bezug auf das Lesen guter Bücher sehr ertragreich war. Nicht weniger als 58 Bücher habe ich verschlungen, darunter allein 8 in den drei Wochen, die ich im Dezember im Krankenhaus zwangskaserniert war. So fällt die Auswahl meiner persönlichen Lesehighlights 2010 diesmal auch ziemlich schwer, aber nach einigem Überlegen habe ich sie nun. Bemerkenswert ist, dass es sich in meinen persönlichen Top 10 diesmal ausschließlich um Romane handelt. Die Lyrik ist 2010 etwas kürzer getreten, auch von den Erzählbänden konnte mich keines über die Maßen begeistern (auch wenn natürlich ganz gute dabei waren).

Meine persönlichen Top 10:

1. Tom Wolfe – Ich bin Charlotte Simmons (Roman)
Mit viel Witz, Esprit und Einfühlungsvermögen geschilderte College-Roman, in dem genüsslich das amerikanische College-Leben und die „Veramerikanisierung“ der jungen Studenten zerlegt wird.

2. Thomas Pynchon – Natürliche Mängel (Roman)
Der entspannteste, lesbarste und stellenweise auch witzigste Roman von Pynchon, den ich bis dato gelesen habe. Der Hippie-Detektiv Doc Sportello, der Anfang der 70er Jahre äußerst benebelt durch eine abstruse Entführungsgeschichte stolpert, wird mir noch lange in schmunzelnder Erinnerung bleiben.

3. José Saramago – Eine Zeit ohne Tod (Roman)
2010 starb der großartige Schriftsteller und Nobelpreisträger José Saramago. Einer seiner späteren Romane macht den Tod bzw. sein Aussetzen als Thema. Zunächst eine höchst interessante Studie, wie die Gesellschaft auf das Ausbleiben des Sterbens reagiert, wandelt sich der Roman in der zweiten Hälfte in eine faszinierende Liebesgeschichte.

4. Stephen King – The Dark Tower (Romanserie)
Sein Lebenswerk, sein Herzblut, der Schlüssel zu den meisten seiner Romane ist die Dark-Tower-Serie. Falls möglich, unbedingt auf Englisch lesen, da mit Teil 4 der Übersetzer gewechselt hat, der schon in diversen Foren mit Schimpf und Schande bedacht wurde. Stephen King hat eine Welt geschaffen, die man nie wieder verlassen möchte.

5. J.M. Coetzee – Summertime. Scenes from Provincial Life (autobiogr. Roman)
Es ist immer wieder erstaunlich, wie schonungslos sich J.M. Coetzee selbst in seinen Büchern einbringt und seine Ängste, Abgründe und Schwächen thematisiert mit einem Blick, der so klar ist, dass selbst die winzigsten Flecken wie durch eine Lupe vergrößert zu Tage treten.

6. Thomas Mann – Königliche Hoheit (Roman)
Ein vergnüglicher Roman mit einer für Thomas Mann ungewohnten Leichtigkeit, wobei er allerdings nicht seine sprachliche Eleganz vermissen lässt, die ihn so auszeichnet.

7. David Nicholls – Zwei an einem Tag (Roman)
Auf Empfehlung einer lieben Freundin gelesen. Ein sehr interessanter Ansatz: Der Roman erzählt aus dem Leben zweier junger Menschen, und zwar immer anhand eines einzigen Tages, und das Jahr für Jahr. Man fiebert mit den beiden Protagonisten, die nicht ohne Schwäche, aber gerade dadurch menschlich sind, mit.

8. Jonathan Franzen – Freiheit (Roman)
Der große amerikanische Roman des Jahres, wie in diversen Kritiken gerühmt – und das völlig zurecht. Wer von den „Korrekturen“ schon begeistert war, kommt um diesen Roman nicht herum. Kaum ein anderer Autor hat einen derart klaren analytischen Blick und dabei den Finger auf der Wunde der heutigen freiheitsliebenden Gesellschaft wie Franzen.

9. Paul Auster – Mr Vertigo (Roman)
Paul Auster ist eine Wundertüte. Er kann auch schon mal Menschen mit purer Willenskraft fliegen lassen, wie in seinem Roman „Mr Vertigo“. Eine komische und gleichzeitig traurige, eine spannende und gleichzeitig entspannte Lebensgeschichte mit viel Fantasie.

10. Max Frisch – Antwort aus der Stille (Roman)
Der Debütroman von Max Frisch, der dieses Jahr posthum erschien. Eine unscheinbare Geschichte, die sich sehr langsam entfaltet, dafür aber im Gedächtnis haften bleibt. Vielleicht fehlt noch die sprachliche Brillanz der späteren Werke, aber der feine psychologische Blick ist schon vorhanden.

Im weiteren Blickfeld:
Haruki Murakami – 1Q84 (Roman)
Ray Bradbury – We’ll Always Have Paris (Erzählungen)
Oscar Wilde – The Picture of Dorian Gray (Roman)
Kenzaburo Oe – Der kluge Regenbaum (Erzählungen)
Thomas Bernhard – Ja (Erzählung)
Thomas Bernhard – Alte Meister (Roman)
Jorge Luis Borges – Spiegel und Maske (Erzählungen)
Friedrich Dürrenmatt – Der Richter und sein Henker (Roman)
Michail Bulgakow – Teufeliaden (Erzählungen)
Fernando Pessoa – Alberto Caeiro (Gedichte)

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