Best of 2007

29. Dezember 2007 § Hinterlasse einen Kommentar

So wie letztes Jahr möchte ich auch das heurige Jahr mit einem persönlichen Best of ausklingen lassen. Es hat doch wieder einige Bücher, Filme und CDs gegeben, die mich nachhaltig beeindruckt haben und die ich jedem wärmstens empfehlen kann.


Best of Bücher

1. Harry Mulisch – Die Entdeckung des Himmels
Ein großer Roman. Viele philosophische Gedankenspielereien, ein wenig verschmitzte Esoterik und vergnügliche Dialoge machen diesen Schinken zu einem der besten Bücher überhaupt für mich. Harry Mulisch schafft es, ein ganzes Universum aufzubauen, dem man so leicht nicht entrinnen kann. 

2. Salman Rushdie – Shalimar der Narr
Der neue Roman von Rushdie beschäftigt sich vor dem Hintergrund des indisch-pakistanischen Konfliktes in Kashmir mit den Ost-West-Spannungen und deutet symbolhaft Ursachen und Hintergründe an. Dabei erzählt uns Rushdie auch in seiner typisch geschliffenen Prosa eine hoch emotionale Liebesgeschichte. Macht Spaß zu lesen und bietet wertvolle Einsichten.

3. Jorge Luis Borges – Besitz des Gestern
In diesem Jahr habe ich den argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges entdeckt. Vor allem seine frühen Gedichte und seine späten Gedichte haben es mir angetan. „Besitz des Gestern“ war der erste Gedichtband, den ich von ihm gelesen habe. Herrliche Gedankenlyrik, eine sehr klare und ausdruckstarke Sprache, kann ich nur empfehlen.

4. Heinrich Böll – Gruppenbild mit Dame
Mein erster Roman von Böll und definitiv nicht mein letzter. Großartig, wie der anonym und objektiv bleibende „Verfasser“ selbst in den Strudel seiner Erzählung hineingezogen wird. Ganz große Prosa!

5. Ray Bradbury – Green Shadows, White Whale
Bradbury beschreibt hier (halb fiktiv, halb autobiographisch) seine Zeit in Irland, als er für John Huston das Drehbuch zu „Moby Dick“ schrieb. Was Bradbury so besonders macht: Er betrachtet die Welt immer so halb mit den Augen eines Kindes und vermittelt einfach unbändige Lebensfreude in jedem einzelnen Satz.

6. Bertolt Brecht – Gesammelte Werke
Gut, das ist ein bisschen gemogelt, da es sich hierbei nicht um ein Buch, sondern um sechs Bücher handelt und das letzte davon, nämlich Brechts Essays, habe ich noch gar nicht gelesen. Allerdings gebührt Brecht der Platz an der Sonne schon allein für seine Stücke und seine Gedichte. Allerdings ist auch seine Prosa nicht zu verachten, wie ich festgestellt habe.

7. Erich Maria Remarque – Im Westen nichts Neues
Wer das Buch überraschenderweise noch nicht kennt, sollte es lesen. Wohl die schonungsloseste und ehrlichste Beschreibung der Kriegsschrecken, die ich bisher gelesen habe. Meiner Ansicht nach völlig zurecht ein Klassiker der Weltliteratur – sollte von jeder Generation neu entdeckt werden.

8. V.S. Naipaul – Das Rätsel der Ankunft
Der Literaturnobelpreisträger aus Trinidad/Tobago beschreibt hier seine Zeit in England. Vor allen Dingen beschäftigt er sich mit den Fragen, was das Fremde für uns ist und was das Vertraute. So verschwimmen die Grenzen zwischen eigener und fremder Kultur. Ein wertvolles Buch, auch dank der wirklich großartigen Prosa von Naipaul.

9. Erich Kästner – Gedichte
Ein Klassiker. Kästner muss man lieben. Immer wieder augenzwinkernd hält er der Gesellschaft den Spiegel vor. Interessant wird er vor allen Dingen jedoch dann, wenn sein verschmitztes Grinsen in kalte Wut umschlägt und der Zyniker aus Kästner durchbricht.

10. J.M. Coetzee – Slow Man
Ich mag einfach alles, was dieser Mann so schreibt. Mit seinem neuesten Roman hat er die Erwartungen erfüllt; einfühlsam und ehrlich das Leben eines alternden Mannes beschrieben. Nicht sein Meisterwerk (das ist und bleibt „Disgrace“ – „Schande“), aber dennoch wieder sehr lesenswert.


Best of CDs

1. Dinosaur Jr. – Without a Sound
Heuer bin ich auf Dinosaur Jr. gestoßen und die sind gleich mal in meine All-time-Favoriten-Liste gestoßen. Wunderschöne Melodien, unterlegt von virtuos krachenden Gitarren – Herz, was willst du mehr? Ihr Album „Without a Sound“ aus den 90ern ist für mich das Album des Jahres. Allein aufgrund von „Feel the Pain“ und „Grab it“ schon ein würdiger Sieger. 

2. Radiohead – In Rainbows
Das neue Album von Radiohead befindet sich erst seit gestern in meinem Besitz und schon gehört es zu meinen absoluten Lieblingen. Ich finde es sogar noch ein wenig eingängiger als der Vorgänger „Hail to the Thief“, jedenfalls mit einer positiveren Grundstimmung versehen. Ob es am uneingeschränkten Nr. 1-Status unter den Radiohead-Alben von „Hail to the Thief“ kratzen kann, wird sich noch zeigen. Ein Highlight des Jahres 2007 ist „In Rainbows“ jedenfalls schon.

3. Nine Inch Nails – Year Zero
„Year Zero“, das neue Album der Nine Inch Nails, ist die konsequente Weiterführung von „With Teeth“. Hat sich mittlerweile zu meinem Nr. 1 NIN-Album gemausert nach anfänglichen Startschwierigkeiten, da beim ersten Durchlauf die Songs relativ ähnlich klingen. Das gibt sich aber und wenn man dann genauer hinhört, entfaltet sich ein ganzer Kosmos großartiger Song-Ideen.

4. Pulp – Different Class
Ein Meilenstein der Pop-Geschichte endlich in meinem Besitz. Ich kannte zuvor nur „Common People“ (der Grund dafür, dass ich mir das Album überhaupt gekauft habe – meiner Ansicht nach der beste Pop-Song der Geschichte knapp vor „Just Like Heaven“ von The Cure) und „Disco 2000“, mit dem ich eigentlich früher nie so richtig klar kam, dafür aber jetzt umso mehr. Aber auch der Rest ist einfach klasse.

5. Dinosaur Jr. – Beyond
Mein erstes Album von Dinosaur Jr. Bin über GoTV auf die Single „Been There All the Time“auf die Band gestoßen und seither ist Dinosaur Jr. aus meinem CD-Player nicht mehr wegzudenken. Ein tolles Album mit keinen gravierenden Schwächen.

6. Foo Fighters – Echoes, Silence, Patience & Grace
Nichts Neues von den Foo Fighters. Sie machen einfach konstant gute Musik. An die Klasse der ersten Single-Auskoppelung „The Pretender“ kommt der Rest zwar nicht ganz heran, aber unterm Strich bleibt ein durch die Bank ausgezeichnetes Album, das durchaus verschiedene Stilrichtungen vereint und einigen Witz hat.

7. Garbage – Absolute Garbage
Nachdem mir „Only Happy When it Rains“ schon seit Monaten nicht aus dem Sinn gegangen ist, nachdem ich den Song das erste Mal gehört hatte, musste ich mir die Best of von Garbage zulegen. Das meiste ist ohnehin bekannt, wie etwa „Cherry Lips“, „The World is not Enough“, aber auch der Rest überzeugt. Definitiv kein verschwendetes Geld, sondern einfach gute Musik.

8. Grinderman – Grinderman
Ein sehr interessantes Projekt von Nick Cave. Hut ab vor dem Mann, der einen Song wie „No Pussy Blues“ schreibt und den dann auch gleich als erste Single auskoppelt. Eine wilde Mischung aus Folk, Blues, Rock, das ganze leicht psychedelisch angehaucht – darauf muss man erst einmal kommen!

9. Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not
Das ist mal ein Hype, dem ich nicht entkommen konnte. Mittlerweile hat sich das Album bei mir zwar ein klein wenig abgenutzt, aber es hat Wochen gegeben, wo nichts anderes gelaufen ist. Unterm Strich bleibt ein solides Rock-Album, das wirklich Spaß macht und eines der beachtlichsten Debuts der letzten Jahre.

10. Lynyrd Skynyrd – Gold
Eigentlich wollte ich ja nur „Sweet Home Alabama“ in meinem CD-Regal haben, aber auch der Rest hat es in sich. Allein, wenn ich an das großartige Solo aus „Free Bird“ denke oder an die Power-Ballade „Simple Man“, bekomme ich schon wieder ein richtiges Kribbeln in den Ohren und ich muss zum CD-Spieler laufen. Nicht alle Songs sind ein Volltreffer, aber die genannten dafür umso mehr und allein dafür gebührt schon die Aufnahme in meine persönliche Best-of-Liste.


Best of Kinofilme

1. Little Children
Dieser Film hat mich 2007 am nachhaltigsten beeindruckt. Tolle Schauspieler, ein unverschleierter Blick hinter die amerikanische Kleinstadt-Familien-Idylle, eine ausgefeilte Dramaturgie – hier passt einfach alles.

2. Stirb Langsam 4.0
Stirb Langsam ist einfach Kult und macht Spaß. Und Bruce Willis zum vierten Mal als John McClane schwitzen, fluchen und schießen zu sehen, beschert nicht nur schöne Erinnerungen an lange Fernsehabende, sondern zeigt den Comic-Weicheiern a la Spiderman & Co. auch noch, wo der Hammer hängt.

3. Black Snake Moan
Hier hat mich vor allen Dingen die klasse Performance von Christina Ricci und Samuel L. Jackson (der sich wohltuend zurückhält und sehr akzentuiert spielt) überzeugt. Aber die Geschichte an sich ist auch schon durchgedreht genug, dass der Film funktioniert. Ein kleines, aber feines Stück Kino.

4. Der letzte König von Schottland
Ein völlig verdienter Oscar für Forrest Whittaker. Sein Spiel als Diktator Idi Amin ist furchteinflößend, da extrem glaubwürdig. James McAvoy als naiver Leibarzt ist zwar ein wenig überfordert, aber im Ganzen ist der Film sehr stimmig und passt.

5. Die Simpsons
Gelb und Kult. Muss ich mehr sagen?

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