Meine Top15 der im Jahr ’15 gesehenen Kinofilme

2. Januar 2016 § Ein Kommentar

Nun wird es ein wenig exzessiv. Da ich mir dieses Jahr die Kinokarten aufgehoben habe, konnte ich den Wahnsinn nun genau mitzählen. Und ich habe dabei festgestellt, dass ich 2015 nicht weniger als 81 Mal im Kino war und dabei 79 Filme gesehen habe, davon 74 für mich neue. (Die fünf, die ich schon kannte, waren „Blade Runner“ und „Spaceballs“ im Rahmen des 80er-Jahre-Kultfilm-Specials im Gartenbaukino, „Bambi“ in der Retrospektive der Viennale, „Love Actually“ als Vorweihnachtsfilm und ein Special zu „Das letzte Einhorn“.) Die Viennale hat dabei dieses Jahr ordentlich reingehaut, und ich muss erst mal in mich gehen, ob ich diesen Wahnsinn nächstes Jahr fortsetzen kann und will. Aber 27 Filme in 4Wochen, davon 21 innerhalb im Kernzeitraum von nur 2 Wochen sind schon Hardcore.

Wie ist es nun um das Kino 2015 bestellt? Was auffällt, sind viele gute deutsche und deutschsprachige Produktionen. „Victoria“ von Sebastian Schipper zum Beispiel ist auf vielen Jahresbestenlisten zu Recht vertreten. Bei mir hat’s knapp nicht für die Top15 gereicht, da ich das Ende dann etwas vorhersehbar und zu lang geraten fand, aber trotzdem war „Victoria“ insgesamt ein verdammt interessanter, innovativer und sehenswerter Film. Auch „Elser – Er hätte die Welt verändert“ hat mich positiv überrascht. Dazu kommt noch „Der Nachtmahr“ von AKIZ, aber davon später. Interessant ist, dass ich von 4 österreichischen Produktionen, die ich gesehen habe, gleich 3 mit der Bewertung 6,0 (von 10) versehen habe: „Superwelt“ von Karl Markovics, die Dokumentation „Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang“ und die Komödie „Der Vampir auf der Couch“. Allesamt grundsolide, auf ihre Art und Weise unterhaltsame Produktionen, die keinen Vergleich mit dem internationalen Film fürchten müssen. Überhaupt schwimmt der österreichische Film seit etwa 1,5 Jahrzehnten auf einer sehr hohen Welle und bringt uns Jahr für Jahr tolle neue Produktionen. Schade, dass der heimische Film immer noch von vielen Kinozusehern vernachlässigt wird, wenn’s nicht gerade der neue Brenner-Film ist (auch dazu später mehr).

Nun zur Mutter aller Hypes: Der neue „Star Wars“. Gleich vorweg: Für die Top15 hat’s ums A…lecken nicht gereicht, weil es einfach viel zu viele tolle Filme gab und „Star Wars Episode VII“ verdammt viel, aber nicht alles richtig macht, aber verstecken muss sich der Neustart unter der Regie von J.J. Abrams definitiv nicht. Ich war 2,5 Stunden lang ein glücklicher Bastard.

Meine Enttäuschungen des Jahres (auch gemessen an den hohen Erwartungshaltungen): „American Sniper“ von Clint Eastwood (eigentlich einer meiner Lieblingsregisseure, aber da hat er einen patriotischen Schrott zum Davonlaufen abgeliefert, ist zurecht unter meinen Top5 der schlechtesten Filme 2015), „Jurassic World“ von Colin Trevorrow (hat immerhin noch ein bisschen Nostalgie-Charme versprüht), „Spotlight“ von Tom McCarthy (wie gern hätte ich diesen Film gemocht, aber ich fand ihn leider ziemlich steril), „Irrational Man“ (leider der bisher schlechteste Filme, die ich von Woody Allen gesehen habe – ich mag seine Filme normalerweise sehr gern) und (ja, ich höre euren Aufschrei) „Mad Max: Fury Road“ von George Miller, der ja vielerorts als Film des Jahres gefeiert wird. Nicht falsch verstehen, der Film war schon gut gemacht und hat seine Stärken (die Schauwerte, die starke Frauenfigur), aber ganz ehrlich: Inhalt war nur in homöopathischen Dosen vorhanden und mir ist dieser Gitarrenspieler auf dem Kühler nur auf die Nerven gegangen.

Aber es gab ja auch einige positive Überraschungen, mit denen ich im Vorfeld nicht gerechnet hätte: „Kingsman – The Secret Service“ (gut, ich mochte bisher alles von Matthew Vaughn, aber das hätte ich dann doch nicht erwartet), „Steve Jobs“ von Danny Boyle (auch so ein Fall: ich mag Danny Boyle-Filme irrsinnig gern, aber ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Steve Jobs-Biopic interessiert) und „Ant-Man“ von Peyton Reed, an den ich überhaupt keine großen Erwartungen gehabt hätte, aber ich bekam dann extrem gut gemachtes, witziges Popcorn-Kino mit denkwürdigen Gags.

Nun aber genug geschwafelt. Hier sind nun meine Top15 des Jahres 2015:

1. Whiplash
Damien Chazelle, 2014
Bewertung: 9,5 von 10

Whiplash ist furios, eine Fiebertour getränkt mit Schweiß, Blut und Tränen. Damien Chazelle hat einen unglaublich kompakten, exzellent gespielten Film gedreht, der jede Sekunde zu pulsieren scheint. Ich weiß, dass die Meinungen über den Film auseinandergehen – man scheint ihn zu lieben oder zu hassen. Ich liebe ihn. Und zur oft geäußerten Kritik der Verherrlichung von Aufopferungsbereitschaft und der Sucht nach Erfolg: Ich sehe hier nur ein Psychoduell zweier gleichermaßen Besessener und Getriebener. Wenn man sich das vor Augen hält, wird auch klar, dass der Film keine Vorbildwirkung ausüben möchte und die in diese Richtung gehende Kritik ins Leere geht.

2. The Lobster
Giorgios Lanthimos, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

Über diesen Film habe ich auf Facebook schon im Rahmen meiner Viennale-Kurzreviews geschrieben. Ich kenne derzeit keinen interessanteren Regisseur als Giorgios Lanthimos. Seine Filme sind verstörende Meisterwerke, die das Alltägliche ins Absurde verkehren und den Kinobesuchern in die Magengrube fahren. So ist es auch mit seinem ersten englischsprachigen Film „The Lobster“ mit einem grandiosen Colin Farrell in der Hauptrolle auf der Suche nach einer Beziehung, ehe er in einen Hummer verwandelt wird. Definitiv ein Allzeit-Favorit mit dem Potential, bei neuerlicher Sichtung noch weiter nach oben zu wandern.

3. Inside Out
Peter Docter, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

„Inside Out“ (auf Deutsch: „Alles steht Kopf“) ist vielleicht der beste Animationsfilm der letzten fünf bis zehn Jahre, ein psychologisch interessantes und wunderbar warmherziges Abenteuer, an dem sich zwar Kinder erfreuen können, Erwachsene aber noch viel mehr. Die Darstellung der verschiedenen Emotionen, die miteinander und manchmal auch gegeneinander im Kopf der jungen Riley für allerlei Verwirrung sorgen, ist einfach eine geniale Idee, die voll aufgeht.

4. Ex Machina
Alex Garland, 2015
Bewertung: 9,0 von 10

Knapp nicht aufs Stockerl geschafft, hat es „Ex Machina“, das intelligente SciFi-Kammerspiel von Alex Garland mit Domhnall Gleeson, Alicia Vikander und dem überragenden Oscar Isaac in den Hauptrollen. Es geht um die Frage, was uns zu Menschen macht, wo das Künstliche ins Menschliche übergeht oder ob es zwangsläufig bloß eine Imitation des Menschlichen bleibt, und es geht um Vertrauen. Großartig!

5. Birdman or The Unexpected Virtue of Ignorance
Alejandro González Iñárritu, 2014
Bewertung: 9,0 von 10

Der Oscar-Gewinner 2015 war auch eines meiner Highlights in diesem Jahr – was das Mitfiebern bei der Verleihung besonders prickelnd gemacht hat. „Birdman“ ist wunderbar abgedrehtes, grandios gespieltes, surrealistisches Kino. Dazu ist er technisch interessant und originell gemacht.

6. Der Nachtmahr
Achim Bornhak (AKIZ), 2015
Bewertung: 8,5 von 10

Noch ein Viennale-Highlight. Der kleine Independent-Film von AKIZ ist eine Mischung aus Coming of Age-Drama, Horror, Fantasy und das Ganze untermalt mit pulsierendem, lautem Techno. Wie ich es in meiner Viennale-Kurzreview ausgedrückt habe: Ein Film, der zwischen den Stühlen sitzt, aber dem es dort sehr gut geht.

7. Grizzly Man
Werner Herzog, 2005
Bewertung: 8,5 von 10

„Grizzly Man“, die Dokumentation von Werner Herzog über den Tierschutzaktivisten Timothy Treadwell und seinen allmählichen Realitätsverlust, habe ich im Rahmen der Retrospektive der Viennale gesehen. Der Film hat mich bis heute nicht losgelassen. Ein meisterhaft inszeniertes Psychogramm eines Menschen, der der Welt entgleitet. Auch wenn man das Ende kennt (zum Einen ist es ohnehin bekannt aus diversen Berichten über die damaligen Vorfälle, zum Anderen enthüllt Herzog selbst sehr rasch das Schicksal von Treadwell), sitzt man dennoch gebannt und fassungslos vor der Leinwand und wird mitgerissen vom tragischen Verlauf der Ereignisse.

8. Das ewige Leben
Wolfgang Murnberger, 2015
Bewertung; 8,5 von 10

Die neueste Verfilmung eines Brenner-Romans von Wolf Haas unter der Regie von Wolfgang Murnberger schließt an die herausragende Qualität seines Vorgehers „Der Knochenmann“ an. „Das ewige Leben“ ist wieder ein Meisterstück des skurril-lakonischen Humors. Josef Hader zeigt in seiner Paraderolle als Simon Brenner nichts Neues, aber das ist manchmal auch gut so. Zudem bietet „Das ewige Leben“ die wohl beste Verfolgungsjagd in der jüngeren Filmgeschichte.

9. A Girl Walks Home Alone at Night
Ana Lily Amirpour, 2014
Bewertung: 8,5 von 10

Ein iranischer Coming of Age-Vampirfilm in Schwarz-Weiß: „Du hattest mich nach dem Hallo“. Der Film ist atemberaubend ästhetisch, der Soundtrack ist schlicht großartig („Death“ von den White Lies hat niemals besser wo reingepasst als hier) und die Geschichte wundervoll melancholisch. Außerdem gibt es eine richtig gut schauspielende Katze. Ehrlich, Leute, braucht ihr noch mehr Argumente, um diesen Film anzusehen?

10. Anomalisa
Duke Johnson und Charlie Kaufman, 2015
Bewertung: 8,5 von 10

„Anomalisa“ unter der Co-Regie von Charlie Kaufman ist ein Animationsfilm für Erwachsene. Nein, er ist der Animationsfilm für Erwachsene. Die todtraurige Geschichte erzählt auf eine sehr originelle Weise von Depressionen und der Melancholie des Alltags. Charlie Kaufman ist ein Genie. Ich wusste das vorher bereits, aber mit diesem Film hat er sein Ausnahmetalent erneut bestätigt.

11. Leviathan
Andrey Zvyagintsev, 2014
Bewertung: 8,5 von 10

Der russische, Oscar-nominierte Film „Leviathan“ ist ein sehr stiller, langsamer Film mit eindrucksvollen Bildern einer kargen Landschaft, die so karg ist wie die Seele selbst. Die moderne Adaption des Buches Hiob wirft ein düsteres Bild auf staatliche Willkür und Korruption. Man muss sich auf das langsame Erzähltempo einlassen können, aber dann entfaltet der Film eine große emotionale Wucht.

12. Kingsman – The Secret Service
Matthew Vaughn, 2014
Bewertung: 8,0 von 10

Ich liebe diesen glücklichen blöden Film sehr. Er ist brachial, unangepasst, extrem witzig und voller blutiger Gewalt, bei der wohl selbst Quentin Tarantino beim Ansehen erstaunt eine Augenbraue hochgezogen hat. Und Colin Firth zeigt, dass er wirklich alles kann – auch einfach mal die Sau rauslassen.

13. Youth
Paolo Sorrentino, 2015
Bewertung: 8,0 von 10

„Youth“ (auf Deutsch: „Ewige Jugend“) kommt zwar nicht ganz an Sorrentinos Meisterwerk „La Grande Bellezza“ heran, aber dennoch ist der Film wieder ein kleines Juwel. Allein die Besetzung lässt jeden Filmfan mit der Zunge schnalzen: Michael Caine, Harvey Keitel, Paul Dano, Rachel Weisz, Jane Fonda – viel mehr an schauspielerischer Grandezza geht nicht. Dazu ist der Film – wie man von Sorrentino erwarten darf – wunderschön gefilmt mit grandiosen, eindrucksvollen Bildern. Und über all dem liegt die Melancholie, die das Altern und der Tod mit sich bringt.

14. Inherent Vice
Paul Thomas Anderson, 2014
Bewertung: 8,0 von 10

Gut, das war aufgelegt. Einer meiner Lieblingsregisseure (Paul Thomas Anderson) verfilmt mit einem meiner Lieblingsschauspieler in der Hauptrolle (Joaquin Phoenix) den zugänglichsten und witzigsten Roman eines meiner Lieblingsautoren (Thomas Pynchon). Dass der Film dennoch nicht bei mir durch die Decke ging, sondern „nur“ auf Platz 14 landet, ist der Tatsache geschuldet, dass Film und Buch halt doch zwei verschiedene Medien sind und es oft schwer ist, die besondere Magie eines Buchs auf eine Filmleinwand zu bannen. Dennoch ist „Inherent Vice“ ein saukomischer, exzellent gespielter und wunderbar schräger Film.

15. Me and Earl and the Dying Girl
Alfonso Gomez-Rejon, 2015
Bewertung: 8,0 von 10

Ein Film über das langsame Sterben eines jungen Mädchens an Leukämie. Witzig, nicht wahr? Und ja, tatsächlich ist der Film überraschend witzig, extrem lebensbejahend und positiv, aber nicht auf eine dümmliche Durchhalteparole-Art, sondern dabei immer sehr warmherzig. Die Figuren sind vielschichtig und glaubwürdig und die Grundstimmung bleibt trotz der heiteren Töne melancholisch. Ein bitterzarter Film mit vielen guten Einfällen und denkwürdigen Momenten, die im Herzen verankert bleiben.

Meine Top15 der im Jahr ’15 gelesenen Bücher

2. Januar 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

2015 war ein Jahr mit interessanter Lektüre. So habe ich (nach 8 Monaten) endlich die „Parallelgeschichten“ von Peter Nádas abgeschlossen, habe „Die Brüder Karamasoff“ von Dostojewski gelesen (eine Lücke, die ich schon längst schließen wollte), habe mich durch Philip Roths Spätwerk gewühlt und gerade eben zum dritten Mal die Reise zum Dunklen Turm begonnen. Insgesamt stehe ich nun bei 43 gelesenen Büchern (Fiktion), dazu kommen noch ein bis zwei Romane zum Dunklen Turm, aber ein Fazit der persönlichen Lese-Highlights 2015 kann ich jetzt schon ziehen. Und so sieht’s aus.

1. Donna Tartt – The Goldfinch
Das harte Rennen und Platz 1 hat bei mir Donna Tartt knapp gewonnen. „The Goldfinch“ ist amerikanisches Storytelling auf allerhöchstem Niveau. Eine Art moderner „David Copperfield“, extrem spannend und mit denkwürdigen Charakteren. Eine Geschichte, die den Leser packt und nicht mehr loslässt.

2. John Williams – Stoner
Ich habe langer überlegt, ob „The Goldfinch“ oder der nicht minder herausragende „Stoner“ auf Platz 1 kommt. Letzten Endes kann ich es drehen, wie ich möchte – das waren meine beiden Bücher des Jahres. „Stoner“ ist eine abgrundtief traurige, fast schon depressiv stimmende Charakterstudie eines scheiternden Durchschnittsmenschen, die mich sehr berührt hat. Die Sprache ist unfassbar präzise und in ihrer Schlichtheit wunderschön.

3. Jonathan Franzen – Unschuld
Der neueste Streich von Jonathan Franzen kommt fast an das Niveau seines Meisterwerks „Freiheit“ heran. Die Figuren sind enorm präzise gezeichnet, die Dialoge schlicht herausragend und die Geschichte rund um Schuld (und Unschuld) packend wie ein Thriller.

4. Michael Ende – Die unendliche Geschichte
Unfassbar, dass ich erst jetzt „Die unendliche Geschichte“ gelesen habe. Als Kind habe ich die Filme vergöttert, v.a. natürlich den ersten. Aber das Buch ist so viel mehr! Eine universelle Geschichte, die ewig bestehen bleibt und Kinder wie Erwachsene auch in hundert Jahren noch mitreißen wird.

5. James Salter – In der Wand
Auf mich üben Bergsteiger eine mir selbst unerklärliche Faszination aus. Meine erste Begegnung mit James Salter führte mich in eisige Höhen. Das Buch ist, wie auch die Protagonisten sind: Kalt. Hartherzig. Erbarmungslos. Atemlos las ich es in nur zwei Tagen durch.

6. Andy Weir – The Martian
Die positive Überraschung 2015. Erwartet habe ich nicht viel, bekommen habe ich einen saukomischen und intelligenten SciFi-Thriller mit einem sympathischen Protagonisten. Die Verfilmung dazu war gut, wurde dem Buch aber nicht annähernd gerecht.

7. Salman Rushdie – Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte
Über den neuen Rushdie wurde ja kontrovers diskutiert. Ich stehe auf der Seite jener, die das Buch sehr mochten. Rushdies Fantasie ist schier grenzenlos, und wenn er alles in die Waagschale wirft, ist er dabei auch noch extrem witzig.

8. Valerie Fritsch – Winters Garten
Sprachlich wohl das interessanteste Buch 2015. Ein vielversprechender Debütroman, dessen geschliffene Sprache stets am Rande des Kitschs wandelt, aber nur selten abstürzt. Tolle Sprachbilder, ein sehr sinnliches Buch.

9. Anna Koschka – Naschmarkt 99
Ich muss gestehen: Ich bin noch nicht ganz durch damit. Die letzten zwei Folgen (von sieben) fehlen mir noch. Aber das, was ich bisher gelesen habe, rechtfertigt einen Platz in meinen Top15 auf jeden Fall. „Naschmarkt 99“ ist ein wundervolles, herzerwärmendes Abenteuer mit Freunden.

10. Stephen King – Finders Keepers
Den Nachfolger von „Mr. Mercedes“ fand ich spannend geschrieben (no na net, es ist Stephen King!) und wartete mit einem interessanten Antagonisten auf, der im Laufe der Geschichte viel an Profil gewann. So kann’s weitergehen.

11. Alice Munro – Hateship, Friendship, Courtship, Marriage
Die Kurzgeschichten von Alice Munro enthalten ganze Universen. Vor allem die Titelgeschichte ihres Erzählbands ist genau genommen ein Roman, der auf dreißig Seiten abdeckt, wofür andere Erzähler 300 Seiten brauchen (und ich wohl 3.000).

12. Ursula Poznanski – Layers
Wie alle Jugendthriller von Ursula Poznanski lebt auch „Layers“ sehr stark von der überragend gezeichneten Psychologie und der Gruppendynamik der Protagonisten. Das Setting und die Idee sind grandios, der Roman ist wie immer zum Nägelkauen spannend und die Auflösung stimmig. Ein Pageturner im besten Sinne.

13. Theresa Prammer – Wiener Totenlieder
Kaum eine andere Protagonistin hat mich 2015 so sehr in Verzücken versetzt wie Carlotta Fiore, die unfreiwillige Ermittlerin in Theresa Prammers Krimi „Wiener Totenlieder“. Lotta ist ein ziemliches Mistvieh, trägt das Herz auf der Zunge und schert sich nicht viel um Konventionen. Ich liebe diese Figur! Und die Morde, die in diesem Buch geschehen, sind absurd witzig und bringen noch mal zusätzlichen Drive rein.

14. Philip Roth – Everyman
Wie schon erwähnt habe ich 2015 das Spätwerk von Philip Roth, seine letzten vier Kurzromane, gelesen. „Everyman“ ist für mich das stimmigste, dringlichste Buch gewesen und zeigt, wie bitter Altern sein kann.

15. Isabella Straub – Das Fest des Windrads
Der zweite Roman von Isabella Straub hat mir sogar noch besser gefallen als ihr Erstling „Südbalkon“. „Das Fest des Windrads“ ist ein Clash of Culture, mal witzig, mal traurig, mal tiefsinnig – einfach wie das Leben selbst, das passiert, während man damit beschäftigt ist, andere Pläne zu machen. (Zitat Ende. Aber ich glaube, Lennon hätte den Roman gemocht.)

Liebster Award

22. März 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Peter Nathschläger hat mich mit einigen Fragen zum „Liebster Award“ eingeladen, ein kleines Frage- und Antwort-Spiel, das derzeit seine Runden dreht.

Was ist der „Liebster Award“?
Es geht darum, 11 Fragen des Nominierers zu beantworten und im Gegenzug dafür weitere Blogger zu nominieren und ihnen ebenfalls 11 Fragen zu stellen.

Und das wollte Peter von mir wissen:

*Mit welchem verstorbenen Schriftsteller würdest Du Dich gerne einmal ausführlich unterhalten?

Schon die erste Frage ist tricky. Denn eigentlich sind es zwei. Ich müsste wohl eine Münze werfen. Entweder sie fällt auf Ray Bradbury, der sich bis ins hohe Alter seine kindliche Freude am Schreiben zu bewahren wusste, oder aber es wird Jorge Luis Borges, dem Wegbereiter der wunderbaren lateinamerikanischen Fantastik.

*Welches ist Dein All-Time-Favorite Roman?

Gut, das ist jetzt einfach. „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury. Nicht weil es mit Abstand das beste Buch ist, das ich je gelesen habe, sondern weil es von den besten Büchern, die ich je gelesen habe, stellvertretend steht für alle Anderen. Es ist ein Buch über Bücher, geschrieben von einem Buchliebhaber für Buchliebhaber. Gleichzeitig ist es eine Mahnschrift voller Imagination und Leidenschaft und geschrieben in einer herrlich klaren Prosa mit dem staunenden Blick des ewigen Kindes.

*Welche Software verwendest Du zum Verfassen Deiner Werke?

Papyrus Autor. Ich möchte es mittlerweile nicht mehr missen.

*Stell Dir einen Schieberegler zwischen den zwei Bereichen 0 und 100 vor. Bei welcher Zahl würde er bei der Frage stehen: Plotten oder Bauchschreiben, wobei Poltten 0 ist und Bauchschreiben 100.

80. Ein bisschen Plotten muss sein, um das Grundgerüst aufzustellen. Aber beim Hochklettern lasse ich mich dann von der Geschichte tragen.

*Wo schreibst Du am liebsten?

Sehr gern in Cafés (die aber nicht zu voll und nicht zu laut sein dürfen), ansonsten zuhause.

*Bist Du eher ein häuslicher Typ oder gehst Du lieber fort?

Ich bin eher häuslich, aber auch gern mal mit Freunden im Kino oder Theater oder auf einer Lesung. Oder einfach bei diesen Freunden, wo wir uns einen gemütlichen Spieleabend mit Essen vom Lieferservice machen.

*Wohin reist Du am liebsten?

Das kann ich eigentlich nicht beantworten. Ich bin gern wieder da, wo ich schon mal war, entdecke aber auch gern neue Orte für mich. Einen Lieblingsort habe ich nicht.

*Womit reist Du am liebsten?

Mit Büchern.😉

*Was machst Du mit Deinen Notizen, wenn Du ein Projekt beendet hast?

Keine Ahnung. Ich habe noch kein längeres Projekt beendet. Ich glaube, ich würde sie einfach dort lassen, wo sie sind, nämlich auf der Festplatte gespeichert.

*Welche Software oder andere Mittel verwendest Du für Deine Notizen?

Für den spontanen Einfall Post-Ist (die aber rasch in die Geschichte eingearbeitet werden müssen, sonst gehen sie in den Untiefen meines Schreibtisches verloren), ansonsten die guten alten Microsoft-Programme bzw. Papyrus. Kapitelaufbau im Excel, Notizen zu meinen Figuren in der Papyrus-Datenbank.

*Mit welchem lebenden Künstler würdest Du gerne ausführlich reden?

Buzz Osborne. Der Sänger und Mastermind der Melvins. Ein großartiger Typ, sehr witzig, sehr bescheiden, sehr reflektiert, aber immer noch Kind.

Woran ich glaube

7. Januar 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Angesichts der tragischen Ereignisse, die heute in Paris stattfanden, reaktiviere ich meinen Blog wieder, der eigentlich ursprünglich ein reines Spaßprojekt war, um irgendwann überhaupt ins Vergessen zu versickern. So viel Unfassbares in den vergangenen Monaten auch passiert ist, diesmal aber fühle ich die Notwendigkeit, meine Empfindungen dazu niederzuschreiben. Vielleicht (= höchstwahrscheinlich) bleibt dies ein ungehörter Ruf in der Wüste. Dennoch ist es mir wichtig, meine Gedanken zu ordnen, zu strukturieren, vielleicht auch, weil ich anders nicht begreife, was gerade geschieht.

Heute wurde ein Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo verübt. Dabei kamen zwölf Personen ums Leben, elf weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Weltweit gibt es Solidaritätsbekundungen. Die Empörung wie auch der Schock sind enorm. Um die Opfer wird getrauert. Ich trauere ebenfalls um die zwölf Leben, die aufgrund eines solchen Irrsinns (im wahrsten Sinne des Wortes) heute erloschen sind.

Meine Gedanken gelten aber auch, und vielleicht noch mehr, den Tätern und der muslimischen Welt, die fassungslos wie wir vor den Trümmern steht, die verirrte Radikale in ihrem Namen hinterlassen haben. Es wäre jetzt ein Leichtes, mit dem Finger auf den Islam zu zeigen und zu sagen: Da sitzen die Bösen! Es ist vielleicht auch genau das, was manche von denen, die heute gemordet haben, erreichen wollten. Und es wäre so einfach, zu pauschalisieren. Denn natürlich war das heute nicht nur ein Angriff auf eine Zeitschrift, sondern ein Angriff auf uns, den Westen, also auch auf mich, auf dich, der du diesen Text liest, auf uns alle. Die Attentäter haben sich von uns und der Art und Weise, wie wir leben, provoziert gefühlt. Ich muss mir bloß ansehen, wie ich selbst lebe: Ich interessiere mich nicht für Politik, ich lebe auf meiner kleinen Insel. Mein Interesse gilt dem Lesen, dem Schreiben, Kinofilmen, Musik, meinen Katzen, meinen Freunden, mit denen ich auf unschuldige und kostspielige Städtetrips fahre. Ich lebe dekadent und ignorant, das muss ich ganz offen zugeben. Die meisten von uns, die durch die Geburt im Westen begünstigt wurden, leben dekadent und ignorant. Mehr noch: Wir spielen uns auf als Hüter der Moral, als Bewahrer der Demokratie. Unsere Werte oder keine. Und das, nachdem wir unsere eigenen blutigen Kreuzzüge geschlagen und unseren Glauben mit Blut besudelt haben. Kein Wunder, dass unser Leben auch als Provokation aufgefasst werden kann. Eben jene Attentäter von heute haben das zumindest so verstanden.

Ich habe Mitleid mit ihnen, die sie so verblendet, so irrsinnig einem Gedanken nachgeeifert sind, den sie nicht verstehen. Der Gedanke an einen rachsüchtigen Gott und eine Ordnung, die wiederhergestellt werden muss. Religion ist ungeheuer kompliziert und bietet gleichermaßen jenen, die nicht genau hinsehen, die nicht hinterfragen und nicht verstehen, so einfache Lösungen an. Das ist gefährlich. Und es wird noch gefährlicher, da wir mit unserem christlichen Glauben unaufhörlich in die gleiche Falle tappen. Gegen die Islamisierung des Abendlandes. Daham statt Islam. Es ist so einfach, Feindbilder zu haben. Pauschalisierungen bringen uns aber nicht weiter. Sondern Mitgefühl, besonders mit jenen, die uns Böses wollen. Sie tun dies nicht, weil sie schlechte Menschen sind. Sondern weil sie falschen, einfachen Lösungen nacheifern. Das hilft niemanden, der heute einen Angehörigen verloren hat, ich weiß. Das hilft niemanden, der selbst von diesem Irrsinn persönlich betroffen ist. Die Wut ist groß, und sie ist verständlich. Aber trotzdem: Wut, einfache Parolen und Pauschalisierungen sind das Streichholz an unserem Pulverfass.

Versteht mich nicht falsch, ich bin genauso erschüttert von dem Anschlag wie ihr auch. Ich trauere um die Toten und ich schäme mich heute dafür, ein Mensch zu sein. Es gibt Tage, an denen ich es nicht sein möchte. Heute ist ein solcher Tag. Aber ich möchte mich nicht von Hass und Wut lenken lassen. Denn diese Gefühle zerstören das, woran ich selbst (als Agnostiker) glaube: Dass ich ein guter Mensch sein kann und soll. Dass diese Welt irgendwann gut und gerecht sein kann für alle, die in ihr leben.

Wir müssen uns dringend an das erinnern, was uns Moslems, Christen, Juden, Buddhisten, was auch immer, vereint und das überbrücken, was uns trennt. Im Kern haben alle Religionen die gleiche Botschaft für uns: Seid menschlich. Habt Verständnis füreinander. Seid für eure Mitmenschen da. Seid gut zueinander.

Ich wünschte, die Attentäter von heute hätten nicht nur an ihren Gott geglaubt, sondern ihn auch verstanden. Für sie ist es zu spät. Aber für uns Andere, die nun bestürzt auf die Ereignisse von Paris blicken, nicht. Wir haben die Wahl. Wir können mit Wut und Empörung reagieren und die einfachen Lösungen verfolgen, die simplen Parolen schreien und pauschale Urteile fällen. Das macht uns nicht besser als jene, die heute gemordet haben. Oder aber wir besinnen uns auf das, was uns vereint: den Glauben an die Menschlichkeit.

Das geht uns alle etwas an. Jeder für sich muss diese Wahl treffen. Meine Bitte: Seid weise bei eurer Entscheidung. Seid mitfühlend und seid menschlich.

Song des Jahres 2013: Queens of the Stone Age – If I Had a Tail

2. März 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Ende einer langen Reise: Hier ist er nun, mein Song des Jahres. Hier stimmt einfach alles. Ein hypnotischer, kraftvoller Song, der auch beim fünfzigsten Mal durchhören nicht langweilig wird. Ich war schon beim ersten Mal Anhören begeistert und bin es heute noch. Der Song entwickelt einen Sog, dem ich mich nicht entziehen kann – ganz egal, wie es mir gerade geht. Und auch das Video dazu ist sehr besonders, unterstreicht diese entrückte Stimmung des Songs noch einmal auf seine Weise.

#2 meiner Song 2013: Arcade Fire – Joan of Arc

1. März 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine enge Kiste – der Song hätte auch auf der 1 stehen können. Diese fast düstere Grundstimmung, dabei treibt der Song gleichzeitig nach vorne, dazu noch der wundervolle Gesang von Régine Chassagne, der den Song etwas luftiger macht und aus der Schwere emporhebt – ja, „Joan of Arc“ ist ein episches Meisterwerk.

#3 meiner Songs 2013: Noah and the Whale – All Through the Night

28. Februar 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Am Stockerl: Noah and the Whale. Das verschrammelte Gitarrenstück, der Spannungsbogen, die Intensität am Ende … ich habe nur ein einziges Problem mit dem Song: Er ist nur knapp über 3 Minuten lang. Aber zum Glück gibt’s die Wiederholungstaste.

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