Persönliche Top15: Radiohead
Januar 23rd, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich habe mich im Jänner mit großem Vergnügen durch das Werk von Radiohead gearbeitet um meine persönlichen Top15 zu küren. Das ist dabei rausgekommen (natürlich ist das nur eine völlig subjektive Momentaufnahme):
01. Codex (Album: The King of Limbs)
02. Go to Sleep (Hail to the Thief)
03. Weird Fishes/Arpeggi (In Rainbows)
04. Pyramid Song (Amnesiac)
05. Jigsaw Falling Into Place (In Rainbows)
06. The National Anthem (Kid A)
07. Lotus Flower (The King of Limbs)
08. Packt Like Sardines in a Crushd Tin Box (Amnesiac)
09. High and Dry (The Bends)
10. Everything in it’s Right Place (Kid A)
11. Let Down (OK Computer)
12. There There (Hail to the Thief)
13. Fake Plastic Trees (The Bends)
14. 15 Step (In Rainbows)
15. Thinking About You (Pablo Honey)
So sieht’s aus.
Jahresrückblick 2011
Januar 5th, 2012 § 4 Kommentare
Von Claudia Toman geklaut, die es wiederum ihrerseits geklaut und für rückblicksgeeignet befunden hat.
Vorherrschendes Gefühl für 2012?
Abwartender, dosierter Optimismus gepaart mit dem üblichen Hang zum Fatalistischen, nix Neues eben.
2011 zum ersten Mal getan?
Mich in wichtiger Runde wichtig gemacht.
2011 nach langer Zeit wieder getan?
Mir eine neue Kaffeemaschine (Nespresso) zugelegt, die ich eigentlich gar nicht benötigt hätte – aber hey, ein bisschen Luxus darf schon mal sein!
2011 leider gar nicht getan?
Gespart.
Wort des Jahres?
Eigentlich Unwort des Jahres: Pummerin. Hat berufliche Gründe.
Zugenommen oder abgenommen?
Nachdem ich das ganze Jahr über konsequent die Waage vermieden habe, kann ich hiermit stolz vermelden, dass ich mir ziemlich sicher bin, nein, eigentlich bin ich sogar felsenfest davon überzeugt, dass ich deutlich … ähm … abgenommen habe. *hüstel*
Stadt des Jahres?
Wien, Wien, nur du allein … (Seitzersdorf-Wolfpassing zählt ja leider nicht als Stadt.)
Haare länger oder kürzer?
Wo genau? Oben jedenfalls kürzer …
Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Immer noch beides. Wobei ich langsam nicht mehr den Durchblick habe.
Mehr ausgegeben oder weniger?
Siehe Frage 4.
Höchste Handyrechnung?
Fix-Tarif, daher ganz gut abschätzbar und immer gleich. Und ich schaffe es einfach nicht, 2 GB Datenvolumen innerhalb von einem Monat zu verbrauchen. Verdammt!
Krankenhausbesuche?
Nope. Habe ich letztes Jahr erledigt, reicht dann wieder für eine Zeit.
Verliebt?
Nope. Habe ich vorletztes Jahr erledigt, reicht dann wieder für eine Zeit.
Getränk des Jahres?
Vanilla Coke ex aequo mit Cherry Coke. (Meinl am Graben, ich LIEBE dich! – Memo an mich selbst: Korrigiere die Antwort zu obiger Frage.)
Essen des Jahres?
Viel zu viel.
Most called persons?
Die üblichen Verdächtigen.
Die schönste Zeit verbracht mit?
Einerseits mit meiner Familie während der Hochzeit meiner Schwester. Andererseits schließe ich mich Claudia auch sofort an: Die Zeit im Schreibexil mit Claudia, Pebo und Kerstin und dazu der legendäre Abschlussabend mit Claudia, Victoria, Mascha und Amy.
Die meiste Zeit verbracht mit?
Meinen Arbeitskollegen im Büro.
Song des Jahres?
Ganz eindeutig: Radiohead – Codex
CD des Jahres?
Radiohead - The King of Limbs (Die negativen Amazon-Rezensionen liegen wohl eher daran, dass man dem Album wirklich Zeit geben muss, damit es seine Flügel entfalten kann.)
Buch des Jahres?
Roberto Bolano – 2666
Film des Jahres?
True Grit von den Coen Brüdern.
Konzert/Oper des Jahres?
Guns’n'Roses in der Stadthalle. War aber auch das einzige Konzert, zu dem ich es geschafft habe (trotz guter Vorsätze), insofern fällt die Auswahl leicht.
TV-Serie des Jahres?
Nach wie vor keine einzige. Bin kein Serien-Seher.
Erkenntnis des Jahres?
Es geht immer weiter, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht. Und für alles findet sich eine Lösung. Und: Manchmal sind die abgedroschensten Phrasen tatsächlich Erkenntnis-des-Jahres-tauglich. Solche Jahre gibt’s.
Drei Dinge auf die ich gut hätte verzichten können?
1. Gesundheitlicher Stress in der Familie.
2. Manche Nachspeise.
3. Manches Buch, das immer noch ungelesen im Regal schlummert.
Beste Idee/Entscheidung des Jahres?
Eine gewisse Situation ausgesessen zu haben. Hat zwar Potential für den Titel „Schlechteste Entscheidung des Jahres 2012″, aber im Moment läuft das Pendel noch in die richtige Richtung.
Schlimmstes Ereignis?
Ein Telefonanruf, als ich meine Eltern beim Packen ihrer Koffer für den Urlaub wähnte.
Schönstes Ereignis?
Hochzeit meiner Schwester und Geburt meines Neffen Kilian.
2011 war mit einem Wort?
Richtungsweisend.
Bücher: Meine Top 10 des Jahres 2011
Januar 2nd, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar
Hier sind sie nun, meine Top 10 des Jahres 2011. Diesmal ist mir die Auswahl ein bisschen leichter gefallen als im Vorjahr, erstens, weil der Pool an gelesenen Büchern etwas kleiner war (44 Bücher dieses Jahr versus 58 im letzten Jahr), zweitens, weil sich einige an der Spitze wirklich aufgedrängt haben. Das sind sie nun, jene 10 Bücher, die mich in diesem Jahr am stärksten beeindruckt haben:
1. Roberto Bolaño – 2666 (Roman)
Prosa in ihrer Urgewalt. Bolaño konnte seinen Roman nie beenden, aber das über 1000-seitige Fragment ist dennoch beeindruckend, gerade auch aufgrund seiner Unvollständigkeit. Die hier verarbeiteten Geschichten laufen lediglich auf einer Meta-Ebene zusammen, der Titel deutet auf die Zukunft hin, eine Zukunft, in der das Menschliche aus allem Leben gewichen ist. Ein rätselhafter, archaischer Roman, der vielleicht nie ganz verstanden werden kann, aber wohl niemanden kalt lässt.
2. Horacio Quiroga – Die Wildnis des Lebens (Erzählungen)
Auch Platz 2 meiner Liste geht an einen spanischsprachigen Schriftsteller, den um die Jahrhundertwende in Südamerika lebenden Horacio Quiroga. Seine Erzählungen zählen zu den Wegbereitern der lateinamerikanischen Prosa, die vor allem im magischen Realismus des Gabriel García Márquez ihren Höhepunkt fand. Quirogas Erzählungen sind wild, eigentümlich und handeln vom Kampf der Zivilisation gegen die Wildnis. Stilistisch ist Quirogas Prosa vom Feinsten, und seine Geschichten hallen lange nach.
3. Raoul Schrott – Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde (Roman)
Den Roman wollte ich zu Recherchezwecken lesen, doch zog mich Schrotts Sprache bald in ihren Bann. Der Roman ist sehr sperrig zu lesen, manchmal sehr trocken, sehr wissenschaftlich, aber dennoch in seiner Detailgenauigkeit und fantastischen Sprache beeindruckend. Keine leichte Kost, aber die vereinzelt wie Morgentau schimmernden Sätze und diese unfassbare Informationsfülle, die auf fast schon manische Recherche hindeutet, entschädigen für manche Länge.
4. Wolf Haas – Das Wetter vor 15 Jahren (Roman)
Von Wolf Haas habe ich 2011 viel gelesen. Zum Einen alle Brenner-Krimis, zum Anderen den „Interview-Roman“, der es auf Platz 4 meiner Liste geschafft hat. Wolf Haas beweist hier extremen Mut und viel Witz: Den Roman „Das Wetter vor 15 Jahren“ gibt es im Grunde nicht. In einem (fiktiven) Interview unterhält sich Wolf Haas mit einer Redakteurin einer deutschen Kulturzeitschrift über eben diesen Roman, dessen Handlung im Rahmen des Gesprächs aufgerollt wird. So ist „Das Wetter vor 15 Jahren“ als Meta-Roman zu sehen und ein ähnlich unterhaltsames Versteckspiel wie beispielsweise „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ von Italo Calvino.
5. Victoria Schlederer – Des Teufels Maskerade (Roman)
Bange Frage: Würde dieser historische Fantasy-Roman auch auf meiner Liste stehen, wenn ich nicht die Ehre und das große Vergnügen hätte, mich zum Freundeskreis von Frau Schlederer zählen zu dürfen? Klare Antwort: Absolut! Denn was hier an Sprachwitz und fröhlicher Klischee-Brechung geboten wird, ist einfach sensationell. Dabei mit einem so hohen sprachlichen Niveau ausgestattet, dass ich diesen Roman, wenn wir schon kategorisieren und katalogisieren wollen, gar nicht rein zur Unterhaltungsliteratur zählen möchte, so unterhaltsam er auch ist. An den sprachlichen Fähigkeiten kann sich auch der eine oder andere ernsthafte Literat eine Scheibe abschneiden.
6. Walt Whitman – Grasblätter (Gedichte)
Walt Whitman, mein ständiger Begleiter durchs Jahr. Zugegeben, es war nicht immer einfach, sich durch die über 800 Seiten dieses monumentalen Gedichtbandes zu lesen, und es hat auch fast das ganze Jahr gebraucht, um damit fertig zu werden. Andererseits hat gerade diese intensive Beschäftigung meine eigene Einstellung zur Lyrik noch einmal ordentlich hinterfragt und durcheinandergebeutelt.
7. J.D. Salinger – The Catcher in the Rye (Roman)
Endlich habe ich auch mal den Salinger gelesen. Und ja, es hat definitiv einen Grund, warum der Roman über Generationen bei Jugendlichen und jugendlich Gebliebenen so beliebt ist, denn der Duft der Freiheit weht aus jeder Seite hervor.
8. Arthur Golden – Die Geisha (Roman)
Ein Geschenk einer lieben Freundin, und auch wenn mich das Setting dieses Romans vor dem Lesen wenig bis gar nicht gereizt hat, so hat mich das Buch dennoch innerhalb kürzester Zeit völlig für sich vereinnahmt. Spannende Intrigen, eine saftige Liebesgeschichte, eine fremde Kultur, mit viel Liebe zum Detail dargebracht, dazu eine sehr feine, gut lesbare Sprache – ich kann nun absolut nachvollziehen, warum dieses Buch so viele begeisterte Leser auf der ganzen Welt gefunden hat.
9. Stephen King – Under the Dome (Roman)
Endlich mal wieder ein richtiger Schinken von Stephen King, in dem es auch ordentlich zur Sache geht. Eine kleine Stadt wird eines Tages durch eine mysteriöse Kuppel von der Außenwelt abgetrennt. Und King entfacht in diesem Mikrokosmos mit seinen gut gezeichneten Figuren ein wahres Inferno. Dem Roman sieht man an, dass die Idee sehr lange reifte, mit Sicherheit einer der besten Romane von King in den letzten Jahren.
10. Lisa-Marie Dickreiter – Vom Atmen unter Wasser (Roman)
Bei diesem Roman handelt es sich definitiv nicht um leichte Kost oder Unterhaltung. Lisa-Marie Dickreiter schildert mit der Präzision einer Chirurgin die seelischen Befindlichkeiten einer Familie (Mutter, Vater, Sohn), die einen traumatischen Verlust hinnehmen musste. Sehr beeindruckend geschildert gänzlich ohne Tränendrüsen-Faktor, aber dafür mit vielen Zwischentönen.
Ein bisschen Statistik
Dezember 31st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Wie jedes Jahr habe ich mir auch in diesem Jahr wieder mitnotiert, welche Bücher ich gelesen habe. Am Ende des Jahres kam ich – ein wenig überraschend, da aufgrund intensiverer Schreibtätigkeit das Lesen etwas zurückgestellt wurde – wieder auf über 40 gelesene Bücher, 44 um genau zu sein. Da zeigt sich wieder einmal, dass man auch mit wenig verfügbarer Zeit ein ordentliches Pensum schaffen kann. Im Grunde verteilen sich diese 44 Bücher auf jeweils zwanzig, dreißig Minuten am Abend vor dem Schlafengehen und auf Flüge und Zugfahrten. Man muss halt nur konsequent bleiben, das ist die Krux dabei.
Was allerdings auffällt ist, dass ich dieses Jahr im Gegensatz zu den Vorjahren weniger englischsprachige Bücher gelesen habe, nämlich nur 5 (The Road von Cormac McCarthy, In the Country of Last Things von Paul Auster, Under the Dome von Stephen King, Daisy Miller von Henry James und The Catcher in the Rye von J.D. Salinger). Was die Muttersprache der Autoren betrifft, so hält sich das Deutsche mit anderen Sprachen ziemlich die Waage: 23 Bücher waren von deutschsprachigen Autoren, 21 von anderen internationalen. Von den 44 Büchern, die ich gelesen habe, sind 40 der Epik zuzuordnen und 4 der Lyrik (wobei mich Walt Whitmans Grasblätter fast das ganze Jahr über begleitet haben), ein Theaterstück war heuer nicht dabei. Immerhin 43 von den Büchern habe ich neu gelesen, lediglich Komm, Süßer Tod von Wolf Haas wurde von mir im Zuge der Brenner-Krimireihe von mir erneut angefasst.
So schaut’s aus. Ein Best Of, wie jedes Jahr, wird es dann in einigen Tagen geben. Es waren schon ein paar ganz feine Sachen darunter.
Weil hier schon so lange nichts mehr geschrieben wurde …
Dezember 12th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
… folgt mal wieder ein Lebenszeichen. Mich gibt es noch, und das in einer prinzipiell zufriedenstellenden Variante. Zwar habe ich aktuell mehr Arbeit als ich mir freiwillig aufhalsen würde, was sich auch auf meine Schreibzeit auswirkt (die ist gerade auf ein Minimum heruntergefahren), aber ich bin gesund und munter, voller Pläne und mit einigen neuen, sehr lieben Freunden an meiner Seite durchs (turbulente) Jahr gekommen. Generell war 2011 ein Jahr des Umbruchs. Neue berufliche Herausforderungen haben sich aufgetan (wie diese zu bewerten sind, wird das erste Quartal 2012 zeigen), von den schriftstellerischen Ambitionen mal ganz abgesehen, neue Freundschaften haben sich ergeben, die ich nicht mehr missen möchte, die Familie ist größer geworden (an dieser Stelle ein arg verspätetes: „Willkommen Kilian!“) und mein Schwesterchen ist unter der Haube. So viel auf der glänzenden Seite der Medaille. Auf der abgegriffenen, schrammeligen Seite jedoch haben sich einige gesundheitliche Probleme im familiären Umfeld aufgetan, die hoffentlich 2012 ein für allemal behoben sind, Schüsse vor den Bug gewissermaßen, die vieles, was einem vorher wichtig erschien, relativieren und ins rechte Licht rücken. Im Großen und Ganzen bin ich daher trotz allem froh, dass das Jahr zur Neige geht. Mitnehmen werde ich daraus die lieben Freundschaften, die sich ergeben haben, um mit ihnen gemeinsam ins neue Jahr durchzustarten.
Mühsam & Eichhörnchen usw.
Oktober 9th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Zeit kann manchmal so fürchterlich zeitintensiv sein, wie ich in den vergangenen Wochen feststellen musste. Nicht nur, dass ich meinen Blog vernachlässigt habe (wenigstens sprießt hier kein Unkraut), auch zum Schreiben an meinem Roman hatte ich kaum Zeit und Gelegenheit. So bastle ich derzeit wirklich Satz für Satz zusammen, hier mal ein Wörtchen, dort ein paar Satzfetzen. Wenn ich zwei Seiten an einem Wochenende schaffe, kann ich mir schon auf die Schulter klopfen. ABER: Es geht dennoch voran. Beharrlich beiße ich mich fest. Ich jongliere gedanklich beständig mit Sätzen und Ideen. Ich strukturiere, überprüfe, schaufle herum. Das alles dient dem Zweck, denn auch wenn ich derzeit kaum etwas zu Papier bringe, so werden viele Ideen und Gedanken, die zuvor noch fröhlich, aber ziellos herumgeflattert sind, nun langsam mit dem Käscher eingefangen und ordnungsgemäß abgelegt. Und es wird auch wieder Zeiten geben, die nicht von 60-Stunden-Arbeitswochen und ähnlichen Stressprogrammen geprägt sind. Dann flutscht es aber so richtig!
Schreibexil – ein Fazit
August 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Um bei meinem Roman-Ding endlich weiterzukommen, verbrachte ich die vergangenen 6 Tage mit meinen lieben Kolleginnen Claudia Toman und Kerstin Pflieger samt deren vierbeinigem Anhang im Schreibexil in Seitzersdorf-Wolfpassing. Für alle, die das nicht kennen: Das ist bei Hausleiten. Für alle, die das nicht kennen: Das ist in der Nähe von Stockerau. Für alle, die das nicht kennen: Lernt’s doch mal ein bisserl Geographie!
Leider verging die Zeit viel zu schnell. Noch bedauerlicher war die kurzfristige Abreise von Kerstin samt ihren beiden Vierbeinern. Ein Problem mit dem Auto, und als Schlittenhunde waren die beiden mitgebrachten Hündinnen nicht zu gebrauchen – die eine zu betagt, die andere zu klein. So düste Kerstin bereits am Montag zurück nach Deutschland mit einem Auto, das die weite Wegstrecke wohl nur dank guter Zurufe und einiger Stoßgebete überstand. Nun mehr zu zweit und ohne unserer genialen Chefköchin schlugen wir uns die vergangenen beiden Tage durch, wobei es uns dank Claudias Fähigkeit, für lodernde Stimmung zu sorgen, ganz ausgezeichnet dabei ging. Anfang August rechnet man zwar nicht unbedingt damit, aber das Kaminfeuerchen war trotzdem sehr nett und entfachte wohl auch die eine oder andere gute Idee. Da wir nach Kerstins Abreise selbst für uns sorgen mussten, wurde daneben auch noch der kulinarische Ehrgeiz angeheizt. So hätte man, wenn man nur dabei gewesen wäre, in den vergangenen Tagen zwei eingefleischte Mikrowellen- und Zustellservice-Städter beim kunstvollen Hantieren in der Küche sehen können. Die dabei zustande gebrachten Resultate konnte man sogar essen.
Soweit also zu den Fortschritten auf diesem Gebiet. Wie sieht es aber nun mit dem eigentlichen Grund für mein Exilantentum aus, der Arbeit am Roman? Ich kann gleich vorweg schicken: Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Denn sinnigerweise kam ich ohne Erwartungen an. In der Absicht, jede Zeile zu zelebrieren (man muss die Feste und Alliterationen feiern, wie sie fallen), konnte ich mich tatsächlich bis auf 40 Seiten hochstemmen. Ein paar Seiten sind zugegebenermaßen aus dem Erstversuch, den ich vor einigen Wochen ja entnervt zur Seite gelegt habe, übernommen und modifiziert, doch der weitaus größere Teil ist tatsächlich neu. Vor allen Dingen habe ich hier im Schreibexil zwei wichtige Dinge gefunden, die für das Werkl dringend nötig waren: Eine neue Erzählhaltung (Perspektive, Zeitform) sowie einen neuen Schauplatz samt spannender Nebenhandlung, die mir die Geschichte gut durchlüftet und einiges an Kolorit reinbringt. Auch eine neue Struktur hat an die Tür geklopft und wurde für gut befunden. Die Idee existierte zwar schon länger als grober Entwurf, doch erst hier hatte ich Zeit und Muße, um sie abzuwägen und einzubauen. Insofern darf ich mit dem Fortschritt der letzten 6 Tage absolut zufrieden sein.
Fazit: Ich bin sehr froh, dass ich mich zu dieser kleinen Auszeit am Land entschlossen habe, auch wenn es nur eine Woche war. Aus dieser Woche habe ich jedoch einiges ziehen können, und nicht nur, was das Schreiben betrifft. Vor allen Dingen habe ich nämlich auch mit Claudia, Kerstin und Peter Bosch, der am Wochenende unser Gast war, drei ganz liebe Leute kennen- bzw. besser kennenlernen dürfen. Ich hoffe sehr darauf, dass es nächstes Jahr eine Wiederholung geben wird. Dann gerne auch für zwei Wochen.
Jetzt ist schon wieder was passiert …
Juni 26th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Jetzt ist schon wieder was passiert. Und klar, typisch für den Mühlfellner, wirst du jetzt sagen. Wenn einer so viele Bücher hat, braucht er eigentlich nicht noch mehr. Aber Teufelskreis. Je mehr Bücher du kennst, desto mehr entdeckst du noch dazu. Und natürlich auch Ehrgeiz. Weil wenn einer dem Mühlfellner das letzte Buch aus der Brenner-Reihe schenkt, muss er die vorigen auch lesen. Schön in der Reihenfolge. Wie er alles immer schön der Reihe nach macht. Ein bisschen stur ist er ja schon, das muss man zugeben. Gut, kriegt er also ‚Der Brenner und der liebe Gott’ und was macht er? Jetzt pass auf: Hat eh keine Kohle mehr und eigentlich liest er ja keine Krimis, aber kauft die anderen Bände auch. Bis zurück zu Adam und Eva. Und alle anderen Bücher, die er sonst noch so hat, gammeln im Regal. Weil ganz anders als beim Wein. Beim Wein: Je älter, desto besser. Bei Büchern: Je älter, desto vergammelter. Irgendwann stimmt nicht einmal mehr die Rechtschreibung. Dafür sorgt dann schon irgendein oberstudierter Stubenhocker. Der denkt sich dann, die deutsche Sprache könnte mal wieder eine Auffrischung brauchen. Dann wird aus dem scharfen S, wie du es kennst, also dieses b-förmige ß, ein Doppel-S. Und keiner kennt sich mehr aus. Frischer werden die Bücher dadurch nicht. Nur schwieriger zu lesen. Als ob die Kinder von heute nicht schon genug Schwierigkeiten hätten mit Pisa und so. Pisa kennst du. Schiefer Turm, der dann schräg fotografiert wird, damit er noch schiefer aussieht. Und natürlich Bildungstest, wo wir Österreicher einfach nichts reißen, das muss man zugeben. Wir sind halt fürs Gemütliche, und Bildungstest ungemütlich. Passt nicht zur österreichischen Urgemütlichkeit, so ein Test über Grammatik und Rechtschreibung und den ganzen Klimbim. Aber jetzt verheddere ich mich wieder, so wie auch der Mühlfellner immer. Und natürlich auch der Brenner. So schließt sich der Kreis dann doch wieder. Weil eigentlich ist ja was ganz Banales passiert: Der Mühlfellner hat sich alle Brenner-Krimis gekauft. Die was der Dings geschrieben hat, dieser Werbefuzzi. Kennst du sicher. Der Haas. Ja genau, der Wolf Haas. Schon eigenartig, dass der Haas im Vornamen Wolf heißt. So Beute und Jäger. Ein bisschen zwiegespaltene Persönlichkeit, könnte man meinen. Aber der schreibt eigentlich ganz flüssig. So frei nach Schnauze, ganz authentisch. Was Zwiegespaltenes findest du da nicht schnell. Und im Brenner auch nicht. Das ist so ein untersetzter Kerl. Risse und Poren hat der in der Haut, dass du meinen könntest, da hätte mal wer nach Öl gebohrt. Weil Öl wertvoll, neues Gold sozusagen. Aber Gold auch immer wertvoller, also stimmt das wieder nicht so ganz. Der Brenner halt klassischer Antiheld. Gelernter Österreicher eben, mitsamt der ganzen Gemütlichkeit. Macht aber trotzdem Spaß, ihm dabei zuzusehen, wie er gar nichts macht. Irgendwie fallen ihm die Lösungen der Fälle dann doch immer wieder in den Schoß. Er brütet halt gern, der Brenner. Und beim Brüten sind ja schon die irrsinnigsten Dinge herausgekommen. Nicht so beim Denken. Weil wenn der Brenner denkt, dann denkt er immer an die unwichtigen Sachen zuerst. Das ist so ein Problem beim Brenner. Hat ihm bei der Polizei auch nicht wirklich weitergeholfen, deshalb auch nach neunzehn Jahren auf Nimmerwiedersehen. Weil bei der Polizei sind sie froh, wenn sie Exkollegen später nicht wieder sehen müssen. Es ist nämlich immer so: Entweder der Exkollege dreht irgendein krummes Ding, dann einbuchten. Oder er löst ihnen den Fall vor der Nase weg. Auch blöd. Deshalb auf Nimmerwiedersehen. Aber den Brenner sehen sie dann doch immer wieder. Weil eben Zweiteres. Und das nur durchs Brüten. Und ob du es glaubst oder nicht, dem Mühlfellner gefällt das irgendwie. Ein sturer Hund eben. Deshalb kann er sich mit dem Brenner auch so gut identifizieren. Der ist gleich dings wie der Mühlfellner, so quasi aus dem gleichen Suppenwürfel gekocht. Ich wollte jetzt eigentlich sagen, aus dem gleichen Holz geschnitzt, aber das wäre zu viel der Ehre für den Mühlfellner. Jetzt hat er jedenfalls schon die ersten vier Bücher gelesen. Ruckzuck, da kannst du gar nicht so schnell Brenner sagen, wie der die ersten vier Bücher weggejausnet hat. Kann ich dir auch nur empfehlen. Weil da lernt man echt was fürs Leben, muss ich schon sagen. So Alltagsphilosophie, weil der Haas halt auch kein Blöder. Aber am besten kaufst du die Bücher noch jetzt, weil sonst nächste Rechtschreibreform. Und dann auch bei dir der Ofen aus mit Pisa.
Die Brenner-Krimis von Wolf Haas:
1. Auferstehung der Toten
2. Der Knochenmann
3. Komm, süßer Tod
4. Silentium!
5. Wie die Tiere
6. Das ewige Leben
7. Der Brenner und der liebe Gott
Alles neu
Mai 20th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Da schreibt man gut gelaunt 160 Manuskriptseiten – und dann erst kommt die zündende Idee, das I-Tüpfelchen, das Mosaiksteinchen, was auch immer. Eigentlich eine Frechheit sondergleichen, die sich meine Muse da erlaubt hat, aber was soll’s. Zumindest hatte ich 160 Seiten lang Übung. Jedenfalls formiert sich jetzt ein Bild von meinem Roman, das deutlich facettenreicher schillert als die bisherigen Gedankenentwürfe. Am Inhaltlichen ändert sich nichts, die Ausrichtung bleibt gleich, doch denke ich, dass ich die eine oder andere interessante Schicht zusätzlich auftragen konnte, indem ich mich von selbst gewählten Fesseln befreit habe. Zu sehr war ich damit beschäftigt, ja brav alles richtig zu machen – eine schöne personale Erzählweise einbringen, eine saubere Gliederung aufbauen etc. Die Handlung humpelte halt so dahin – und gerade, weil ich durch die personale Sichtweise Nähe zu meinen Figuren suchte, scheiterte ich letztlich am Erzeugen von Spannung und interessanten Blickwinkeln. Nun pfeife ich darauf, ich wende mich wieder meinem ursprünglichen Plan A zu und mache ein schönes, auktoriales Ding daraus. Ich brauche mehr Schliff, um den Roman zum Funkeln zu bringen. Auch die Sprache verträgt noch deutlich mehr, und dieses Mehr kann eine auktoriale Erzählform besser bieten. Ich denke doch, dass es jetzt wieder mehr flutschen wird als zuletzt.
Schauplätze
März 24th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Ein spannender Teil des Schreibens ist das Entdecken der Schauplätze. Zwar spielt der Großteil meines Romans, an dem ich arbeite, in Wien und somit auf (einigermaßen) bekanntem Terrain, doch gibt es eben auch andere Schauplätze – und nicht alle davon kenne ich persönlich. So schreibe ich aktuell an einem Kapitel, das in Brasilien spielt. Google Earth, Google Street View, Wikipedia und verschiedenen Reiseportalen sei Dank, dass ich mich dort einigermaßen zurecht finde. Das Schöne daran ist, dass man mit dem Entdecken neuer Schauplätze selbst auf Reisen geht – zumindest gedanklich. Hier wird also mein Roman spielen:
- Wien (wie gesagt, der Großteil)
- Boston und Umgebung (ein wichtiger Nebenschauplatz)
- Innsbruck (zumindest ein Kapitel)
- Belo Horizonte (ein Teil des Brasilien-Kapitels)
- Ouro Preto (der andere, größere Teil des Brasilien-Kapitels)
- New York City (steht noch nicht ganz fest, aber wahrscheinlich ein Teil eines Kapitels)
Mal schauen, welche Orte ich auf meiner Reise noch entdecke.